Samstag, 21.09.2019

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Kommen bald Windräder in den Landkreis Forchheim?

Ministerpräsident Markus Söder will 100 Windkraftanlagen im Staatswald - 23.08.2019 06:03 Uhr

Der Windpark Büchenbach bei Pegnitz in der Fränkischen Schweiz. So könnte es bald auch in anderen Regionen in Bayern aussehen. © Archivfoto: Klaus Trenz


Ministerpräsident Markus Söder (CSU) will in den nächsten zwei bis drei Jahren 100 Windkraftanlagen auf den Flächen der bayerischen Staatsforsten bauen. Doch die Standortsuche ist schwierig. Der Bereich des Staatswaldes Forchheim erstreckt sich von Erlangen im Süden bis nördlich von Bamberg und ist 17.500 Hektar groß. Eine Fläche etwa so groß wie zweimal der Chiemsee. Im Landkreis Forchheim selbst eine Fläche von 3000 Hektar.

Die Staatsforsten sind eine Anstalt des öffentlichen Rechts im Eigentum des Freistaats Bayern. Sie bewirtschaften den gesamten bayerischen Staatswald. Dieser ist insgesamt 808.000 Hektar groß, 2700 Beschäftigte kümmern sich um ihn. Es wachsen jedes Jahr 6,1 Millionen Kubikmeter Holz darauf.

Stephan Keilholz, Forstbetriebsleiter Forchheim. © Foto: Eduard Weigert


Bisher stehen 101 Windkraftanlagen in den bayerischen Staatsforsten. Um Flächen für doppelt so viele Windkraftanlagen zu finden, beauftragen die bayerischen Staatsforsten demnächst neue Untersuchungen. Dabei werden die Windstärke, Abstände zum Wohngebiet und mögliche zu schützende Tiere untersucht, sagt Stephan Keilholz, Forstbetriebsleiter vom Staatswald Forchheim.

Drehen sich auch im Landkreis Forchheim künftig Windräder? "Momentan haben wir keine Hinweise, dass bei uns Windräder kommen", sagt Keilholz. Forchheim sei aufgrund der 10 H-Regel von den Plänen der Staatsregierung nicht betroffen. Die Wälder seien zu nah an den umliegenden Ortschaften.

Bayerische Sonderregel

Die von Söders Vorgänger Horst Seehofer (CSU) durchgesetzte Regel besagt, dass der Abstand eines Windrads zur Wohnbebauung mindestens zehn Mal so weit sein muss wie die Anlage hoch ist. Bei einem 200 Meter hohen Windrad wären dies 2000 Meter. Diese Regel gibt es nur in Bayern.

Doch nicht nur Abstände müssen beachtet werden, sondern auch die Stärke des Windes. "In Forchheim haben wir zu wenig Wind", sagt Keilholz. So bleibt das Potential für die Stärkung der Windkraft im Staatswald abzuwarten. Auch droht im wahrsten Sinne des Wortes Gegenwind von Naturschützern, die zum Beispiel Vögel schützen wollen

Die bayerischen Staatsforsten begrüßten in einer Mitteilung die Pläne Söders. "Das ist eine große Chance für die Staatsforsten und ein Schub für saubere erneuerbare Energie in Bayern", erklärt der Staatsforsten-Sprecher Jan-Paul Schmidt.

Geld für den Wald

Für die Staatswälder wären die Windräder eine willkommene Einnahmequelle. Sie leiden finanziell unter dem Borkenkäferbefall und der schlechten Holzmarktlage. Auch der klimabedingte Waldumbau kostet Geld, das durch den Verkauf von Windkraft eingenommen werden könnte.

Ob Söders Pläne in anderen bayerischen Staatswäldern besser umsetzbar sind, wird sich zeigen. Für Forchheim bleiben sie ohne Lockerung der 10 H-Regel und stärkeren Wind eher eine "Luftnummer". 

CHIARA RIEDEL

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