Montag, 19.04.2021

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Kommentar: Bürokratie lässt das Corona-Virus leben

Dem Virus von Beginn an leicht gemacht: Inkonsequentes Vorgehen im Forchheimer Quarantänefall - 23.03.2021 15:23 Uhr

Am Dienstagmorgen sind alle Sitzungsteilnehmer bei der Abstrichstelle in Forchheim getestet worden.

24.03.2020 © Ralf Rödel


Virologe muss man keiner sein, um das unlogische und inkonsequente staatliche Vorgehen beim Umgang mit dem positiven Corona-Fall in einer Sitzung des Forchheimer Stadtrates zu erkennen. Dass das Virus weder vor Landkreisgrenzen noch vor dem Wohnort eines potenziell Infizierten Halt macht – auch diese Tatsache ist für medizinische Laien verständlich.


Artikel: Forchheim: Verwirrung um Quarantäne


Unverständlich ist deshalb, dass für Sitzungsteilnehmer mit Wohnort im Kreis Forchheim oder Bamberg eine zehntägige Quarantäne angeordnet wird, für Teilnehmer mit Wohnort in Erlangen-Höchstadt zunächst nicht. Dies alles deshalb, weil die Gesundheitsämter ein und denselben Infektionsfall unterschiedlich bewerteten.

Reagiert der Staat noch angemessen?

Für das Forchheimer und Bamberger Amt galten die Teilnehmer als potenziell Infizierte (Kontaktperson der Kategorie 1), für das Erlangen-Höchstädter Amt nicht (Kontaktperson der Kategorie 2). Die einen müssen zuhause bleiben, die anderen gehen weiterhin uneingeschränkt ihrem Alltag nach. Montagnachmittag, nachdem die NN in dem Fall recherchierten, dann die Wende: das Erlanger Amt schließt sich der Forchheimer Entscheidung an.

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"Drive-by"-Abstriche: So läuft es in der Corona-Teststation in Forchheim

Am 23. März ist die Abstrichstelle für Corona-Verdachtsfälle an der Forchheimer Herder-Halle in Betrieb gegangen. Vom Gesundheitsamt kontaktierte Personen lassen sich aus ihren Autos heraus im "Drive-by-Verfahren" Abstriche entnehmen, die dann ins Labor kommen. Ein exklusiver Einblick in die Schnelltest-Station.


Es spielt keine Rolle, wer Recht hat, wer zu vorsichtig oder zu nachsichtig agiert hat. Vielmehr müssen wir uns fragen, ob wir als Gesellschaft angemessen auf die Virusgefahr reagieren. Spätestens im Jahr zwei der Pandemie müssen wir verstehen, wie sich das Virus bekämpfen lässt. Dabei spielen medizinische Argumente und nicht bürokratische Strukturen die entscheidende Rolle.

Eher ein Flickenteppich anno 1800 statt ein schlagkräftiger Bund anno 2021

Nicht nur Deutschland mit seinen 16 Bundesländern, sondern auch Bayern mit seinen 76 Gesundheitsämtern agiert als Flickenteppich anno 1800 statt als schlagkräftiger Bund anno 2021. Und das macht es dem Virus von Beginn an so leicht.

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In sechs Stufen zum Corona-Schutz: Durch das Impfzentrum in Forchheim

Mit einem großen Kraftakt haben das Technische Hilfswerk und mehrere Feuerwehren des Landkreises in den letzten Tagen das Forchheimer Impfzentrum im ehemaligen Schülerwohnheim "Don Bosco" eingerichtet. Es ist eines von zwölf in ganz Oberfranken und soll, wenn es in Betrieb geht, mindestens 300 Impfungen pro Tag schaffen. Am Mittwochabend gab eine erste Trockenübung – natürlich noch ohne den Impfstoff – um die Abläufe erproben und betrachten zu können. Die Nordbayerischen Nachrichten waren mit dabei und erklären, was die Impfwilligen dort erwartet.


Zwar darf in Bayern jedes Gesundheitsamt Kontaktpersonen selbstverantwortlich in Kategorien einordnen, das muss dann aber auch Sinn machen. Auch im Forchheimer Fall muss das Virus einheitlich bekämpft werden.

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