"Sensibles Thema": Pläne vorgestellt

Kommt der 100.000 Quadratmeter-Solarpark mit Schafen und Bienen in der Fränkischen Schweiz?

16.9.2021, 15:05 Uhr
In Walkersbrunn in der Fränkischen Schweiz gibt es bereits einen Solarpark. 

 

In Walkersbrunn in der Fränkischen Schweiz gibt es bereits einen Solarpark.    © Roland Fengler, NN

Anstoßen wolle man einen Nachdenkprozess, was für die Energiewende im Markt Wiesenttal wichtig sei. Zeller Bosse ist sich durchaus bewusst, dass Freiflächenphotovoltaikanlagen gerade in der Fränkischen Schweiz ein sensibles Thema sind. Zweifellos sei der Klimawandel auch in der Fränkischen Schweiz angekommen, was aber nicht der einzige Grund für den Ausbau von Solaranlagen sei. Sondern auch das Ziel der Bundesregierung, Klima neutral zu werden. Die Fläche auf der seine Firma den Bürgersolarpark Wiesenttal bauen will, sei geradezu dafür prädestiniert.

Hier in der Nähe von Oberfellendorf könnte ein neuer 100.000 Quadratmeter großer Solarpark entstehen. 

 

Hier in der Nähe von Oberfellendorf könnte ein neuer 100.000 Quadratmeter großer Solarpark entstehen.    © Thomas Weichert, NNZ

Von außen kaum einsehbar, da von Wald umgeben und vom Boden her eine eher eingeschränkte landwirtschaftliche Nutzung wegen wenig Humus. Der gesamte Markt Wiesenttal hat 2017 Hektar landwirtschaftlich genutzte Flächen, mit dem Bau der Anlage, die geschätzte fünf bis sechs Millionen Euro kostet, würde man davon weniger als 0,5 Prozent verbrauchen.

Nicht nur Module, sondern auch Schafe und Bienen

Mit einer Schafbeweidung könne man den Solarpark einer exklusiven landwirtschaftlichen Nutzung zuführen und neue Lebensräume für Vögel und Wildbienen schaffen. Denkbar wäre auch, einen Imker mit anzusiedeln. Wichtig sei, dass die Fläche nicht versiegelt werde.

Die geplante Anlage erzeugt etwa 9,7 Millionen Kilowattstunden pro Jahr. Damit kann der Energiebedarf von 232 Personen gedeckt werden oder der Strombedarf von ungefähr 7.500 Personen. Der durchschnittliche Energiebedarf pro Person liegt in Deutschland derzeit bei 43.000 kWh pro Jahr. Der durchschnittliche Strombedarf pro Person liegt bei 1.300 kWh pro Jahr. Die Anlage würde also um ein vielfaches mehr Personen mit Strom versorgen als mit Energie. Das liegt daran, dass Strom lediglich nur einen geringen Anteil der Energie ausmacht. Und letztendlich heißt es ja auch Energiewende und nicht Stromwende, heißt es.

Die Kennzahlen des Energiebedarfs können somit nicht mit dem Strombedarf gleichgesetzt werden, da die Anlage um ein Vielfaches mehr Haushalte mit Strom versorgen würde als mit Energie. 20 Prozent des gesamten Energiebedarfs aller Haushalte könnte man mit der Anlage mit Energie versorgen, so Zeller Bosse.

Strom für nur fünf Cent pro Kilowattstunde

Die CO₂-Vermeidung liegt pro Jahr bei 5800 Tonnen. Die Stromerzeugung selbst würde nur vier bis fünf Cent pro Kilowattstunde kosten. Für die Gemeinde entstünden weder Kosten, noch hätte sie ein Risiko zu tragen. Im Gegenteil: Über 20.000 Euro würde der Markt jährlich auf 20 Jahre bekommen und außerdem die Gewerbesteuereinnahmen, weil die noch zu gründende Firma „Bürgersolarpark Wiesenttal“ in der Gemeinde angesiedelt wird.

Um das Projekt zu verwirklichen, müsse der Gemeinderat lediglich dem Antrag auf Änderung des Flächennutzungsplans und gleichzeitig der Aufstellung eines Bebauungsplans für ein Sondergebiet „Bürgersolarpark“ zustimmen. In 20 Jahren würde die Gemeinde somit zirka 600.000 Euro verdienen.

Auch die Bürger sollen mit dem Solarpark Geld verdienen

Verdienen sollen aber auch die Bürger vor Ort die sich mit Einlagen an dem Projekt beteiligen können. Die Rendite für die Bürger bezifferte der Planer für einen limitierten Sparbrief auf bis zu zwei Prozent jährlich, für ein Nachrangdarlehen liege die Verzinsung bei etwa vier Prozent. Der Rest der Baukosten soll über Kredite von einheimischen Banken finanziert werden.

Auf die Frage aus dem Rat, wann die Anlage in Betrieb gehen soll, erklärte Zeller Bosse, dass es sein Ziel sei, den Spatenstich nach der Ernte im nächsten Jahr gemeinsam vorzunehmen. Ab Dezember 2022 könnte die Anlage dann Ökostrom produzieren und ins Netz einspeisen. Weitere Fragen ließ Bürgermeister Marco Trautner (FW) nicht mehr zu. „Eine Diskussion gibt es erst nach einem konkreten Antrag der Firma“, so Trautner. Das Sondergebiet Bürgersolarpark soll 8,5 Hektar umfassen, die Ausgleichsflächen rund 2,1 Hektar.

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