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Kommunalwahl: Junges Blut für Stadt und Kreis Forchheim

Über Schüler für den Stadtrat und 23-Jährige für das Bürgermeisteramt - 04.02.2020 16:00 Uhr

Sie können nicht nur wählen, sondern auch gewählt werden: In der Stadt und im Landkreis Forchheim tritt eine junge Generation bei den Kommunalwahlen an. © Roland Huber


Den Anfang macht Richard Schmidt. Der 23-Jährige ist der jüngste Bürgermeisterkandidat im Landkreis Forchheim und tritt in Hausen an, um das Zepter seines Parteikollegen Gerd Zimmer zu übernehmen.

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Junge Kandidaten packen bei der Kommunalwahl im Landkreis Forchheim an

Über Schüler für den Stadtrat, 23-Jährige für das Bürgermeisteramt und junge Frauen in der Lokalpolitik im Kreis.


„Ich wurde von mehreren Seiten angesprochen“, sagt Schmidt zu seiner Kandidatur. Im Februar 2019 hat er den Vorsitz des Hausener SPD-Ortsverbandes übernommen, 2016 war er in die SPD eingetreten.

Seine Familie sei zuerst skeptisch gewesen, als er von seinen Plänen erzählt hatte. Schmidt hat gerade seinen Bachelorabschluss an der FAU gemacht und studiert im Master Physik. Das Studium wird er pausieren, sollte er zum Bürgermeister gewählt werden. Für Schmidt sind die Themen Wohnen, Verkehr, Energie und Land- und Forstwirtschaft wichtig, im Landtagswahlkampf 2018 hat er bereits Wahlkampferfahrung gesammelt.

Richard Schmidt © Julian Hörndlein


Martin Albert © Albert


Etwas weiter nördlich tritt für die Jungen Bürger Martin Albert als Bürgermeisterkandidat in Eggolsheim an. Der 29-jährige Bauingenieur ist maßgeblich über die Bürgerversammlungen in der Gemeinde zur Lokalpolitik gekommen. Er bezeichnet sich selbst als politischen Quereinsteiger. Er möchte die „verhärteten Fronten“ im Eggolsheimer Gemeinderat aufbrechen, sich für eine verantwortungsvolle Flächennutzung stark machen und den Fokus auf Bürgernähe legen.

Sein Alter habe bei der Kandidatur kein Problem dargestellt: „Es geht um die Werte, die man verkörpert, den Einsatz für Themen und das Fachwissen“, so Albert. Das traue er auch jungen Politikern zu, gerade weil sie sich leichter in neue Prozesse einarbeiten könnten.

Valentin Striebich © Striebich


Ähnlich sieht das Valentin Striebich. Er tritt für die Grünen bei der Stadtratswahl in Gräfenberg an. Der 18-Jährige möchte nicht „mit dem Finger auf andere zeigen“, sondern selbst anpacken. Sein Umfeld reagierte positiv auf seine Bewerbung: „Viele finden es gut, dass sich Jugendliche einbringen“, so Striebich.

Er könne zwar nicht die Welt verändern, aber Gräfenberg attraktiver und umweltfreundlicher machen. Dazu möchte er das Thema Energieversorgung besetzen. „Es ist wichtig, die Meinung der Generation zu vertreten“, so der Schüler, der sich in Zukunft auch vermehrt in der Parteiarbeit der Grünen einbringen möchte. Neben ihm treten mit Lea-Marie Link und Henrik Schiller noch zwei weitere 18-Jährige für die Liste an.

Elisabeth Simmerlein © Simmerlein


In Pinzberg tritt mit Elisabeth Simmerlein eine erfahrenere Lokalpolitikerin für das Amt der Bürgermeisterin bei den Freien Wählern an. Sie ist 2014 mit 23 Jahren als Kreis- und Gemeinderätin gestartet, jetzt möchte sie ins Rathaus. „In der Lokalpolitik kommt ja immer eins zum anderen“, hat sie festgestellt. Das Amt biete Chancen und Möglichkeiten für Pinzberg. Das junge Alter ist für sie ein Vorteil.

„Junge Menschen vertreten ganz andere Themen als ein 50- oder 60-Jähriger“, so Simmerlein. Sie legt ihren Fokus auf die Generationengerechtigkeit, möchte, dass Jung und Alt Hand in Hand zusammenarbeiten. Auch die Sicherung der Wasser- und Energieversorgung seien ein Thema. Dass man als Frau in der männlich geprägten Politikwelt noch gegen Vorurteile ankämpfen muss, hat sie festgestellt: „Es ist manchmal schwieriger, wahrgenommen zu werden“, so die Kandidatin.

Kerstin Glaser © Michèle Trost


Ähnliche Erfahrungen hat Kerstin Glaser gemacht. „Man muss sich als Frau am Anfang schon sehr unter Beweis stellen“, so Glaser. Auch herablassende Kommentare habe es gegeben. Die 31-Jährige ist aktuell Kreisrätin und Gemeinderätin in Kirchehrenbach, aufgrund eines Umzugs tritt sie jetzt für die CSU in Weilersbach und erneut für den Kreistag an.

Sie möchte sich in der kommenden Wahlperiode unter anderem für soziale Themen einsetzen, etwa junge Familien unterstützen und die ÖPNV-Infrastruktur seniorengerecht ausbauen.

Dass sich verstärkt junge Menschen in der Kommunalpolitik engagieren möchten, sieht Glaser positiv. Sie selbst ist seit dem 18. Lebensjahr – damals noch unter ihrem Mädchennamen Nestrojil – in der Lokalpolitik unterwegs. „Mit einer guten Mischung aus Jung und Erfahren kann man die besten Ergebnisse erzielen“, sagt sie.

Moritz Distler © Distler


Auch die Bürgergemeinschaft Markt Gößweinstein schickt mit Moritz Distler einen 18-Jährigen ins Rennen. Der noch 17-jährige Leutzdorfer kam über Bürgermeister Hanngörg Zimmermann zu seiner Kandidatur: „Ich habe schon länger überlegt zu kandidieren. Als Hanngörg Zimmermann angerufen hat, habe ich mich dann entschieden“, so Distler.

Er möchte antreten, um den Gemeinderat zu verjüngen, von seinem Umfeld habe er nur Unterstützung erfahren. Distler hofft, dass er durch sein Engagement andere Jugendliche motivieren kann. „Wenn eine Stimme aus der eigenen Generation im Gemeinderat vertreten ist, dann gehen hoffentlich auch mehr junge Menschen wählen“, wünscht er sich.

Wie die Wahlen für die jungen Politiker ausgehen, zeigt sich am Sonntag, 15. März, ab 18 Uhr. Dann schließen die Wahllokale und das Ergebnis steht fest.

Julian Hörndlein

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