AfD-Verlust ist hausgemacht

Kreis Forchheim: Die CSU im freien Fall, Grüne und FW mit Rückenwind

Patrick Schroll
Patrick Schroll

stv. Redaktionsleiter Nordbayerische Nachrichten Forchheim

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Ressort: Lokales - Forchheim

Datum: 27.09.2021

Foto:  Athina Tsimplostefanaki

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Ressort: Lokales - Forchheim Datum: 27.09.2021 Foto: Athina Tsimplostefanaki Wahlanalyse 2021 Plakate © Athina Tsimplostefanaki, NNZ

Die CSU ist im Landkreis Forchheim weiterhin im freien Fall. Von 2013 auf 2017 hat die Partei auf lokaler Ebene bei der Bundestagswahl fast zehn Prozent verloren, jetzt weitere 8,5 Prozent. Das macht ein dickes Minus von 18,4 Prozent über zwei Bundestagswahlen. 2013 bei starken 54,8 Prozent liegt sie jetzt bei verhältnismäßig schwachen 36,4. Sie ist im Landkreis die einzige Partei, die zwei Mal hintereinander Federn lassen musste - und das deutlich.

"Man kann nicht zufrieden sein mit dem Ergebnis im Landkreis Forchheim", sagt CSU-Kreisvorsitzender Michael Hofmann. Mit ihren erfolgreichen Wahlkreisabgeordneten Thomas Silberhorn und Silke Launert und der eigenen guten Arbeit vor Ort habe die Partei aber weniger gelitten als andernorts oder als die CDU.

"Das Ergebnis ist trotzdem schlimm." Schon am Tag nach der Wahl 2017 hatte Hofmann angekündigt, die Gründe für den Rückgang analysieren zu müssen. Dabei bleibt es auch 2021. Schwierig sei die Analyse, weil es die klassischen Stammwähler nicht mehr gebe.

Rot steht oben, Gelb ist in der Mitte und Grün ist unten: die klassische Ampel. Ob sie kommt? Die CSU sagt, die SPD ist am Zug.

Rot steht oben, Gelb ist in der Mitte und Grün ist unten: die klassische Ampel. Ob sie kommt? Die CSU sagt, die SPD ist am Zug. © Athina Tsimplostefanaki, NNZ

Und: "Viele sind mit dem Kandidaten (Laschet) nicht warm geworden", fasst Hofmann die Rückmeldungen am Wahlinfostand zusammen. "Auch die FW haben uns massiv geschadet." Die Lehre für die Parteiarbeit vor Ort? "Wir werden uns inhaltlich neu strukturieren."

Der städtische und ländliche Raum im Landkreis sei unterschiedlich geprägt, deshalb brauche es für deren Probleme auch unterschiedliche Lösungen. „Das ist die große Herausforderung.“ Noch ein kurzer Blick nach Berlin: „Der Regierungsauftrag ist an die SPD gegangen, ich sehe uns nicht am Zug.“

Die SPD bleibt im Vergleich zum Bundestrend weiter unterdurchschnittlich, bleibt stabil, hat leichte Zuwächse. Die Partei freut sich über den Wiedereinzug von Andreas Schwarz und Anette Kramme. Die Parteistruktur mit wenigen Ortsverbänden schwächt das Landkreisergebnis. So sieht das auch Kreisvorsitzender Laurenz Kuhmann. "Von unseren Ankerpunkten Hausen, Kirchehrenbach, Gräfenberg und Forchheim werden wir es nicht schaffen, den Landkreis zu versorgen."

AfD hält ihre bekannten Hochburgen, auch wenn sie verliert

Der Rückgang der AfD darf gerade auf lokaler Ebene nicht überraschen: Trotz Vertretern in Stadt- und Kreistag setzt sich die Partei in den Gremien nicht für die Bürgerinnen und Bürger ein. Sie ist stummer Beobachter, kein Gestalter. Anspruch und Wirklichkeit könnten nicht weiter auseinander liegen. Auch wenn sie in allen Landkreisgemeinden (bis auf Unterleinleiter) Stimmen verloren hat, bleiben die Hochburgen in Obertrubach und Weilersbach bestehen.

Die Grünen sind die Gewinner der Wahl

Die FDP schafft es, sich zwei Mal in Folge im Kreis zu verbessern. Das zeige sich am Mitgliederzuwachs, so Kreisvorsitzender Sebastian Körber, der 20 Prozent Neumitglieder in den vergangenen zwei Monaten verzeichnet. Weitere Ortsverbände in der Fläche will die FDP gründen. "In jeder Himmelsrichtung."

Nach Igensdorf im Süden soll im Osten noch dieses Jahr ein Verband mit mehreren Walberlagemeinden folgen. Körber, der sich zuletzt im Stadtrat immer wieder an der "ideologischen Politik" der Grünen abarbeitete, setzt jetzt ganz wie sein Parteichef Christian Lindner auf das Credo: "Inhalte first."

Die Grünen sind die wahren Gewinner dieser Wahl im Landkreis. "Es ist wichtig, auf dem Land präsent zu sein. Nur dort kann noch Zuwachs für die Grünen gewonnen werden", sagt Kreissprecherin Barbara Poneleit aus Igensdorf. In den Großstädten sei ein weiterer Stimmenzuwachs schwierig. Verbandsneugründungen wie erst neulich im Trubachtal machten sich im Wahlergebnis bemerkbar.

Mit einem Gesamtzuwachs von 4,6 Prozent übertrumpfen die Grünen sogar die erfolgreichen Freien Wähler, die um vier Prozent zulegen konnten - damit aber ihr Ergebnis mehr als verdoppeln.

Am Beispiel der FW zeigt sich am deutlichsten, dass es auch bei nationalen Wahlen einen Unterschied macht, ob die Partei vor Ort verwurzelt ist. Das ist das Erfolgsrezept der FW, das ihnen deshalb bisher aber nur auf lokaler Bühne hilft. Deshalb will Kreisvorsitzender Manfred Hümmer auch die Strukturen weiter stärken und gibt sich selbstbewusst. "Wir sind die aufstrebende Partei. Wir sind über Persönlichkeiten definiert."

Ein simples Erfolgsgeheimnis für die Parteien im Landkreis Forchheim

Beim Ergebnis der Parteien zeigt sich auch bei überregionalen Wahlen immer wieder, dass die besten Ergebnisse dort erzielt werden, wo die Partei mit Personen auch vor Ort aktiv ist. Auch wenn sich der Bundestrend freilich nicht komplett abschütteln lässt. Deshalb hat das Fazit aus 2017 auch dieses mal Gültigkeit: Wer sich als Partei den Bürgerinnen und Bürgern in der Fläche zeigt, kann sich eher über Stimmenzuwachs freuen.

Das haben gerade die mittelgroßen Parteien erkannt. Grüne und FDP haben in den vergangenen Monaten verstärkt Ortsverbände auf dem Land gegründet. Die Wahlgewinner werden mit dem frischen Rückenwind ihre Stärke an der Basis ausbauen können, während der Gegenwind bei der CSU eher zu einer personellen und inhaltlichen Neuaufstellung führen wird und wohl auch muss.

Erhebliche Abweichungen in der Stadt Forchheim

Dass sich Wahlergebnisse auch an Stadtteilen ablesen lassen, zeigt sich in Forchheim. Im Norden ist die AfD in mehreren Stimmbezirken zweitstärkste Kraft mit 24,1 Prozent (Stimmbezirk Adalbert-Stifter-Schule) oder mit 22,1 Prozent (Kindergarten Carl-Zeitler).

Die Grünen kommen dort nur auf unterdurchschnittliche 3,2 bzw. 4,4 Prozent, sind aber in der Innenstadt sehr stark (18,5 Prozent, Kindergarten Sattlertor) und nahezu gleichauf mit der SPD (20,3 Prozent). Die SPD kommt der CSU mit 25,3 Prozent im Pfarramt Verklärung Christi sehr nahe (CSU: 27,8 Prozent) und noch näher mit 19,1 Prozent zu 22,5 Prozent im Bezirk Seniorenanlage Katharinenspital.

Im Jugendzentrum kommt die CSU auf 22,8, die SPD auf 21,1 Prozent. In Reuth ist die CSU besonders stark: (41,6 Prozent und 35,6 Prozent). Auch in Burk steht die CSU mit weitem Abstand auf Platz 1 (35 Prozent). In Kersbach (Volksschule) sind die Grünen mit 17,6 Prozent auf dem 2. Platz. Die CSU liegt dort bei 29,2 und die SPD bei 16,6 Prozent.

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