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Kühlung aus dem Acker: Naturstrom AG hat ehrgeizige Ziele

Aktionärs-Hauptversammlung in Eggolsheim: "Deutschlands führender grüner Energieversorger bis 2025" - 29.07.2019 16:02 Uhr

Gemeinden wie Eggolsheim und Hiltpoltstein setzen auf die Kompetenz der Natustrom AG. © Fotos: privat


Am Standort Eggolsheim beschäftigt die Naturstrom AG die meisten Mitarbeiter. Mit über 100 Personen sind das etwa die Hälfte aller unternehmensweit Beschäftigten. Deshalb fand zum ersten Mal in den 20 Jahren des Firmenbestehens die Aktionärs-Hauptversammlung in der Eggerbachhalle statt.

Erst vor Kurzem hat die AG im Eggolsheimer Lindnergebäude ihren Standortsitz bezogen und ist inzwischen auch in Kooperation mit der Gemeinde, mit dem Blockheizkraftwerk dort und bei einer Biogasanlage. Nicht nur regional bedeutsam ist auch das Wärmenetz, das Naturstrom in Hallerndorf aufgebaut hat.

Vorstandsvorsitzender Thomas Banning kündigt neue Innovationen an und setzt ein Ziel: 2025 will Naturstrom der führende grüne Energieversorger in Deutschland sein. © Foto: Pauline Lindner


Das Thema Grünstrom und dezentrale Energieversorgung hat, so Vorstandsvorsitzender Thomas Banning, im vergangenen Jahr wieder an Fahrt aufgenommen, zuletzt dank der Jugendinitiative "Friday for Future" und der CO2-Diskussion. "Leider, leider nicht so schnell wie für unsere Erde nötig." Dabei habe sich der gesetzliche Kontext nicht verbessert und die Politik folge einer anderen Dynamik. "Ohne Druck bewegen sich Politiker nicht."

Banning berichtete von einer Krisensitzung bei den Bayerischen Staatsforsten zu den sterbenden Wäldern und versiegenden Bächen in Franken. "Die Natur arbeitet an der Kante. Langsam wird deutlich, dass das Problem nicht nur anderswo existiert." Der Vorstandsvorsitzende ist überzeugt, dass die Naturstrom AG die "Wege aufzeigen könne, dass es besser geht".

Ziel: Führender grüner Energieversorger bis 2025 in Deutschland

Das mündet auch in ein Firmenziel. 2025 will Naturstrom der führende grüne Energieversorger in Deutschland sein. Dabei setzt Banning auf ein breites Portfolio als Rundum-Ansprechpartner von der Stromerzeugung über die Lieferung bis hin zu Wärme/Kälte und Mobilität. Naturstrom und ihre Tochtergesellschaften beliefern 240 000 Stromkunden und 25 000 Haushalte mit Gas.

Oliver Hummel, im Vorstand verantwortlich für den Energielieferungssektor, sprach ein neues Thema an: 2021 fallen die ersten Windkrafträder aus der EEG-Förderung. Drei eigene Windparks sind davon auch betroffen. Naturstrom reagiert auf die Herausforderung, ohne Förderung weiterzuproduzieren, durch verstärkten Einstieg in Umbau, Wartung und Reparatur.

Ältere Räder könnten, so Banning, noch lange weiterlaufen, werden sie nicht Extrembelastungen bei starkem Wind ausgesetzt. Dennoch hat Naturstrom sechs Windräder in Hessen in Bau oder hat die Photovoltaik-Anlage Rottenbach bei Coburg so konzipiert, dass der Direktverkauf rentabel ist. Banning hat das Unternehmen, das einst einen Standort in Forchheim hatte, vor einer Pleite gerettet. 2016 hat das Unternehmen seinen Umzug nach Eggolsheim bekannt gegeben.

"Bei der Wärmewende", so Tim Meyer, Leiter des Geschäftsbereichs Dezentrale Energieversorgung, "stehen wir mehr als nur am Anfang. Die Antwort der Politik auf den Klimawandel ist extrem kümmerlich."

Teilen von Lastenfahrzeugen

Ein neuer Weg für Naturstrom ist die Versorgung größerer Quartiere mit "kalter Nahwärme". Darunter versteht Meyer Wärmegewinnung mittels sogenannter Agrothermie-Kollektoren. Unter Arbeitstiefe auf landwirtschaftlichen Flächen eingepflügte Schlauchnetze bringen Temperaturen von Null bis 15 Grad nach oben; mit dezentralen Wärmepumpen wird insbesondere Warmwasser aufbereitet. Der Strom dafür kommt aus Photovoltaik-Anlagen innerhalb des Versorgungsnetzes. Zudem kann das kalte Grundprodukt an heißen Tagen als Kühlung eingesetzt werden anstelle herkömmlicher Klimaanlagen.

Ein neuer "wachsender, spannender Bereich" für Naturstrom ist die Mobilität. Die AG beliefert bereits 600 Ladesäulen, das bislang größte Netz in Deutschland. Ansonsten setzt das Haus auf weniger und kleinere Fahrzeuge. "Der E-SUV ist nicht so die Lösung", sagte Banning. Dafür im großstädtischen Raum das Teilen von Lastenfahrzeugen. Unter dem Namen "Donk-EE" lässt Naturstrom in Köln 60 E-Lastenräder laufen. Mit 3000 Nutzern gelten sie als Europas größtes derartiges Angebot. Wegen der Resonanz denkt man an eine Ausweitung auf Zweiräder aller Art bis hin zum E-Motorroller.

War im Jahr 2017 im Vergleich zu den Vorjahren ein deutlicher Umsatzrückgang zu verzeichnen, hat Naturstrom 2018 fast um 20 Millionen Euro auf 298 Millionen Euro zugelegt. Demgegenüber steht ein Materialaufwand von 250 Millionen Euro. Das Betriebsergebnis vor Steuern liegt bei 7,6 Millionen Euro (2017: 6,9). Fast eine Million Euro werden als Dividende an die Aktionäre ausgeschüttet. 

PAULINE LINDNER

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