Freitag, 22.01.2021

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Ladenöffnung trotz Lockdowns: Verband distanziert sich, Inhaber wollen wieder öffnen

Nach Verstoß gegen Infektionsschutzverordnung - Inhaber planen erneute Öffnung - 12.01.2021 18:32 Uhr

Die Polizei verschaffte sich vor Ort in der Forchheimer Apothekenstraße ein Bild der Lage. Nach einer Debatte mit den Ladeninhabern wurde „Christines Damenmode“ wieder geschlossen.

11.01.2021 © Foto: Martin Regner


Wie berichtet, hatten Christine und André Sareng ihren Modeladen in der Forchheimer Apothekenstraße am Montag trotz Lockdowns um 10 Uhr geöffnet. "Durch den Lockdown stehen wir an der Wand", erklärte André Sareng auf NN-Nachfrage. Mit der Aktion wolle man "ein Zeichen setzen" und zeigen, wie ernst die Lage ist.


Kommentar: Solidaritätsaktionen ja, aber bitte ohne Regelverstoß


Allerdings versammelten sich dabei fünf bis sechs Personen im Laden, nicht alle trugen eine Mund-Nasen-Bedeckung und hielten auch nicht den Abstand von mindestens 1,5 Metern untereinander ein. Noch am Vormittag wurde "Christine Damenmode" wieder geschlossen. Die NN-Redaktion erhielt zahlreiche E-Mails von Lesern, unter anderem mit dem Vorwurf, dass die Redaktion den Laden denunziert habe.

Aufruf: "Sich daran zu halten"

Dabei hat die Redaktion die Polizei gar nicht gebeten, eine Streife in das betreffende Geschäft zu schicken. Vielmehr ist es ein normaler Teil einer Recherche, bei offiziellen Behörden nachzufragen, wie die Regelungen ausfallen und was sie im konkreten Einzelfall bedeuten. Vor Ort äußerte ein Beamter: "Ich finde das auch widerlich, dass wir vorgeschickt werden, damit die Presse was zum Berichten hat."

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Laut Jochen Prinzkosky, Leiter der Polizeiinspektion Forchheim, sollte "damit keinesfalls eine generelle Kritik an der Pressearbeit einhergehen". "Ebenso wenig ist die Mitteilung über einen möglichen Verstoß durch die Redaktion zu kritisieren", teilt er mit. Die Regelungslage als solche und die zu treffenden Maßnahmen seien zudem eindeutig gewesen, weshalb der Laden schließen musste.

Handelsverband distanziert sich

"Der Handelsverband distanziert sich von solchen Verstößen", teilt Thorsten Becker, Geschäftsführer des Handelsverbands Bayern für den Bezirk Oberfranken, mit. 900 Mitglieder und 3600 bis 3800 Verkaufsstellen vertritt der Verband in Oberfranken."Wir haben unsere Mitglieder dazu aufgerufen, sich an den Lockdown und die Bestimmungen zu halten", sagt Becker. Mit einem Rechtsbruch sei niemandem geholfen.

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"Wir hoffen zuallererst, dass die Sterbe- und Infektionszahlen sinken." Vorerst müsse der Handel mit Einschränkungen leben: "Wir hoffen, dass wir im Februar die Geschäfte mit Auflagen öffnen können, wenn die Infektionszahlen gesunken sind."

Bis dahin versuchten viele Ladeninhaber, mit "Click & Collect" Umsätze zu erzielen. "99 Prozent unserer Läden, von ganz groß bis klein, bieten diese Möglichkeit jetzt an – auch solche, die vorher nie darüber nachgedacht haben und hoffen, dass die Kunden ihnen die Treue halten", sagt Becker. Die übrigen ein Prozent denken, dass es ihnen nichts bringe und würden gleich zulassen, so Becker.

"Auf die Lage aufmerksam machen"

Auch die Händlervereinigung HeimFOrteil hat in den Sozialen Medien ein Foto zur Aktion "Wir machen auf_merksam" mit folgenden Worten veröffentlicht: "Teilt diesen Beitrag, um die Politik auf die Lage des Einzelhandels aufmerksam zu machen. Und unterstützt weiterhin eure Lieblingsläden in unserer schönen Stadt! Danke."

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"Es ist sehr wichtig, dass der Handel auf seine Situation und die Existenzbedrohung aufmerksam macht – aber einfach aufzusperren und keine Maske zu tragen – das ist meiner persönlichen Meinung nach kontraproduktiv", sagt Petra Dietzel, Vorstandsmitglied der Händlervereinigung HeimFOrteil und Inhaberin von La Boutique. Der Verein HeimFOrteil und seine 52 Mitglieder hätten sich noch nicht über eine gemeinsame Position zu dieser Aktion der Ladenöffnungen abgestimmt, sagt Dietzel.

"Hat sich die rechte Szene zunutze gemacht"

Sie selbst findet, das sendet ein "falsches Signal": "Wer bei so einer Aktion nicht auf Maske und Abstand achtet, wirkt wie ein Querdenker oder Corona-Leugner." Ähnlich war es einem Rosenheimer Sporthändler ergangen: "Er hatte zur Aktion ,Wir machen auf_merksam"‘ aufgerufen. Und als er merkte dass die rechte Szene sich das zunutze macht, hat er einen Rückzieher gemacht", sagt Dietzel. Auch zahlreiche Medien berichteten.

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Dietzel bietet über "Click & Collect" - wie andere Händler im Kreis Forchheim - aktuell in ihrem Geschäft "La Boutique" an, dass Kunden per WhatsApp, Facebook, Instagram und E-Mail Waren bestellen. "Das ist zwar nur ein Bruchteil der Umsätze, aber es wird gut angenommen, wir sind zufrieden", sagt Dietzel.

Nur mit FFP2-Maske

Seit Montag ist in Bayern "Click & Collect" erlaubt: Kunden können Ware per Telefon oder online bestellen und im Laden abholen. Für die Abholung gilt laut Bayerischem Innenministerium: Der Betreiber hat sicherzustellen, dass ein Mindestabstand von 1,5 Metern zwischen den Kunden eingehalten wird. Personal, Kunden und Begleitpersonen haben in den Verkaufsräumen, auf dem Gelände, Eingangs-, Warteflächen und zugehörigen Parkplätzen alle eine FFP2-Maske zu tragen.

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Der Betreiber muss ein Schutz- und Hygienekonzept ausarbeiten und darin insbesondere Maßnahmen vorsehen, die eine Ansammlung von Kunden vermeiden. Empfohlen werden zum Beispiel gestaffelte Zeitfenster für die Abholung. Nachdem der Modeladen in der Apothekenstraße vormittags wieder schließen musste, steht noch aus, wie es weitergeht. "Es wurde eine Ordnungswidrigkeitenanzeige aufgenommen", teilt Holger Strehl, Pressesprecher des Landratsamts mit. Der Regelsatz bei Verstößen von Ladeninhabern liege bei 5000 Euro, allerdings werde immer im konkreten Einzelfall die Handhabung entschieden.

"Keine Grauzone, sondern ganz klar verboten"

Wie ginge das Landratsamt mit weiteren Verstößen um? "Aktuell ist uns nichts bekannt. Wenn der Polizei etwas auffiele oder Bürger bei der Polizei anrufen, würden wir Rücksprache halten und im Einzelfall entscheiden, wie wir agieren", so Strehl. Ein Hilfeschrei der Händler sei nachvollziehbar. "Aber wenn jemand einfach seinen Laden öffnet, ist das keine Grauzone, sondern ganz klar verboten. Und wer keine Maske trägt und keinen Abstand hält: Da gibt es kein Verständnis mehr", so Strehl.

Der Laden "Christine Damenmode" in Forchheim hat nach der Schließung auf seiner Instagram-Seite verkündet: "Hatten heute unsere Türen geöffnet. Wohl nicht lange da auf Anweisung der Regierung wir wieder schließen mussten. Wir werden am 18.1. um 10.00 Uhr wieder öffnen."

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