Landkreis Forchheim: Sind unsere Radwege dem Trend gewachsen?

29.4.2021, 11:31 Uhr
Gerhard Krahl an der Obi-Kreuzung in Forchheim-Süd, einer jener Kreuzungen, wo Radler bis zu fünf Ampeln abwarten müssen, um einmal die Straße queren zu können.

Gerhard Krahl an der Obi-Kreuzung in Forchheim-Süd, einer jener Kreuzungen, wo Radler bis zu fünf Ampeln abwarten müssen, um einmal die Straße queren zu können. © Foto: Lea-Verena Meingast

"Es reicht natürlich nicht", sagt Gerhard Krahl vom Fahrradclub Forchheim (ADFC) auf die Frage, ob die Infrastruktur im Landkreis der wachsenden Zahl an Radfahrern gewappnet ist.


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Sein Kollege Frank Wessel unterscheidet zwischen Freizeit-Radrouten einerseits und Radwegen für den Alltag auf der anderen Seite. Erstere seien ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für den Tourismus, "da hat der Landkreis schon vor 20 Jahren ein Netz hingestellt". Alltagsradler aber hätten Wessel zufolge auf ihrem Weg zur Arbeit oder dem Supermarkt andere Bedürfnisse: Sie wollen weniger schöne Landschaften erleben, sondern möglichst schnell und sicher von A nach B kommen. Was diese Alltagswege angeht, attestiert Wessel dem Landkreis Forchheim "noch ganz erheblichen Nachholbedarf."

Komplizierte Zuständigkeiten

Wobei das Landratsamt längst nicht für alle Radwege im Landkreis zuständig ist. An Bundes- und Staatsstraßen werden diese in der Regel vom Staatlichen Bauamt Bamberg geplant und gebaut, auf Gemeindestraßen und in Ortsdurchfahrten haben meist die Kommunen den Hut auf. Der Landkreis selbst ist für Radwege an Kreisstraßen verantwortlich – und zusätzlich auch für die Verkehrssicherheit der Wege entlang von Staats- und Bundesstraßen, wie Petra Dittrich erklärt. Sie arbeitet als Fachbereichsleiterin Verkehr im Landratsamt.

Einige der ADFC-Kritikpunkte beziehen sich auf genau diese Verkehrssicherheit. Krahl wünscht sich zum Beispiel weiße Randmarkierungen für Geh- und Radwege, damit Radfahrer sich nachts besser orientieren können, wenn entgegenkommende Autos blenden. Andernorts in der Region gebe es diese bereits. "Rechtlich sind solche Markierungen nicht vorgesehen", lautet jedoch die Antwort Dittrichs.

Auch fordert der ADFC, dass parallel zu Vorfahrtsstraßen verlaufende Radwege an Einmündungen ebenfalls Vorrang bekommen. Dittrich hält entgegen, dass dies zwar für jede Einmündung geprüft werde, außerorts in der Regel aber nicht gemacht werde, denn: "Da ist es für die Sicherheit der Radfahrer besser, wenn man sie unterordnet."

Neues Mobilitätskonzept

Krahl sieht es zudem als Problem an, dass Radwege zu oft an Gemeindegrenzen enden würden. Seiner Meinung nach fehlt es hier an Koordination. Eine Lücke, die der Landkreis mit einem "Konzept für nachhaltige Mobilität" füllen möchte, wie dessen Klimaschutzmanager Dominik Bigge erklärt. In diesem Jahr werde mit der Erarbeitung begonnen, fertig sein soll es 2022. Wo gibt es Lücken im Radwegenetz? Braucht der Landkreis Forchheim schnelle Radwege und wenn ja, wo? Das soll laut Bigge im Rahmen des Konzepts geklärt werden. Seine Einschätzung zur Fahrradfreundlichkeit des Landkreises: "Touristisch sind wir sehr gut ausgestattet, und beim Alltagsverkehr machen wir uns gerade Gedanken."


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Krahl hat noch einen weiteren Vorschlag, um die Koordination im Landkreis zu verbessern: "Der ADFC will einen Radverkehrsbeauftragten", und zwar als zusätzliche Stelle beim Landratsamt. Krahls bisherige Erfahrung ist nämlich, "dass es eigentlich niemanden gibt, den man direkt ansprechen kann, und der sich um Probleme kümmert".


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