Landwirte als Partner für den Landschaftsschutz

18.6.2013, 00:00 Uhr
Gebietsbetreuer Andreas Niedling erläutert das Bewässerungssystem.

Gebietsbetreuer Andreas Niedling erläutert das Bewässerungssystem. © Stefanie Hattel

Drei Mal im Jahr lassen die Landwirte die Wehre herunter. Das Wasser der Trubbach staut sich, fließt in die Seitenkanäle ab und erreicht über Zuleitungsgräben die umliegenden Wiesen. „So ist die Wasserversorgung und damit der Graswuchs gesichert“, erklärt Andreas Niedling, Gebietsbetreuer des Landschaftspflegeverbands, das aus dem 18. Jahrhundert stammende Grabensystem.
„Im Sommer wäre es für die Landwirte sonst schwierig, an frisches Heu für ihr Vieh zu kommen.“ Dank der Bewässerung bringen es die Landwirte auf drei Wiesenschnitte im Jahr. „Für voralpine Gegenden ist das gar nichts“, meint Niedling.

Schotter unter dem Lehm

Doch die Böden in der Fränkischen Schweiz sind karg: „Es gibt hier nur eine dünne Lehmschicht. Darunter stößt man sofort auf Schotter“, erklärt Niedling. Nährstoffe hält so ein Boden kaum, einziges Düngemittel ist der Schlick, den das Trubbachwasser anschwemmt.
Niedlings Blick schweift über das weitläufige Wiesenmosaik zwischen der Pinzberger und Reuther Zweng. Frisch gemähte Wiesen grenzen an Wiesen, die hoch stehen. Einige Parzellen weiter liegen frische Heubahnen zum Trocknen, auf einem Feld nebenan tuckert ein Traktor. Den Zeitpunkt der Mahd, wie der Wiesenschnitt im Fachjargon heißt, legt das Bayerische Vertragsnaturschutzprogramm fest.
Denn nur, wenn die Wiesen zeitversetzt gemäht werden, bleibt das Mosaik erhalten. Die Landwirte sind seine wichtigsten Partner im Schutzgebiet, betont Andreas Niedling. „Ohne naturnahe Landwirtschaft sähe es hier nicht so aus.“ Und es wäre ungleich stiller.
Denn über dem Wiesengrund liegt schon die ganze Zeit ein dichtes Band aus Vogelstimmen. Goldammer, Braunkehlchen und Mönchsgrasmücke hört der Zoologe Niedling heraus. „Manchmal geht man in die Ackerflure hinein und hört nichts mehr“, fährt der Biologe fort. Beim Wachtelkönig weiß man von zwei gesicherten Bruten.

Geschütztes Gebiet

Um die anderen Agrarvögel, wie Niedling sie nennt, steht es nicht besser: sechs Bruten beim Braunkehlchen, elf beim Blaukehlchen. Um ihren Lebensraum zu sichern, wurden die Wässerwiesen zum FFH-Schutzgebiet erklärt.

FFH — Fauna-Flora-Habitat ist Teil des europäischen ökologischen Verbundnetzes Natura 2000. Der Europäische Sozialfonds setzte ebenfalls Gelder zum Erhalt der Kulturlandschaft frei. Die Auflagen, die mit der Förderung verbunden sind, gelten aber nicht nur für Landwirte.

Kritik an Hundehaltern

Die meiste Überzeugungsarbeit muss der Gebietsbetreuer bei den Freizeitnutzern leisten: Ab April dürfen die landwirtschaftlichen Flächen nicht mehr begangen werden. Wer sich nicht daran halte, seien Hundehalter, die ihre Tiere frei laufen lassen, oder Radfahrer, die abseits der Wege fahren, meint Andreas Niedling und zeigt mit dem Finger nach rechts: Auf der Wiese nebenan zeichnet sich ein neuer Trampelpfad ab, und prompt fährt ein Radfahrer die Bresche entlang.

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