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Lebenshilfe Forchheim hat mit Auswirkungen der Corona-Krise zu kämpfen

Das Einschätzen des Abstands fällt den Kindern schwer - 29.05.2020 05:58 Uhr

Die Lebenshilfe Forchheim versucht, mit einem Notprogramm den Alltag in der Hainbrunnenschule, im Integrativen Kindergarten, in der Kinderkrippe und der Heilpädagogischen Tagesstätte zu meistern. Doch dabei gibt es einige Hürden.

© Foto: Udo Güldner


Die Corona-Krise hat die Lebenshilfe Forchheim vor Herausforderungen gestellt. Mit einem Notprogramm versucht man in der Hainbrunnenschule, dem Integrativen Kindergarten, der Kinderkrippe und der Heilpädagogischen Tagesstätte möglichst viele Kinder und Jugendliche zu fördern. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben mit Sorgen und Nöten zu kämpfen.

"Wir hören von vielen Kindern, dass sie traurig sind, weil sie nicht kommen können." Vor allem die menschliche Komponente macht den PädagogInnen schwer zu schaffen. "Am liebsten würden wir alle sofort holen." Doch die staatlich verordneten Einschränkungen machen einen Regelbetrieb wie vor der Corona-Krise unmöglich.

Bislang sind es zwei Gruppen à sechs und sieben Jugendlichen in der Berufsschulstufe und weitere fünf Notgruppen à fünf Kinder, die alle Altersklassen einschließen, die ihr Elternhaus Richtung John F. Kennedy-Ring verlassen. "Bei den übrigen nutzen wir alle technischen Kanäle, um den Kontakt nicht abreißen zu lassen und sie für das "Lernen zu Hause" adäquat auszustatten," so Schulleiterin Susanne Opel.

Im Bereich Krippe, integrativer Kindergarten und Schule findet der Kontakt zwischen Gruppenleiterinnen, Lehrerinnen und Eltern durch Telefonate, Video-Unterricht oder das Versenden pädagogischer Spiel- und Lernmaterialien statt.

Probleme mit der Aufmerksamkeit

Nun aber müssen Katrin Heinlein und ihre Kollegin Nina Dietz in ihren zwei Gruppen alles ganz anders machen. Keine Gruppenarbeit mehr, die das gemeinschaftliche Lernen fördert. Kein "Helft Euch gegenseitig" oder "leiht Euch etwas aus". Was die Jugendlichen über Jahre gelernt haben, sollen sie nun anders handhaben. Für die Lehrer heißt es: Möglichst keine unmittelbare Nähe mehr bei der Einzelbetreuung der SchülerInnen. Dafür der pädagogisch nicht immer sinnvolle Frontalunterricht.

"Da gibt es Probleme mit der Aufmerksamkeit, weshalb es nötig ist, mehr Bewegungspausen einzubauen." Aber auch da lauert der Teufel im Detail. Damit man auf dem Pausenhof nicht auf andere Schülergruppen oder Mitarbeiter stößt, muss mehr abgesprochen und organisiert werden als früher. Auch bei den Kleinen darf der "Rädchenhof" mit all den Fahrzeugen wie Bobbycar oder Tretroller nicht von einer anderen Gruppe gleichzeitig genutzt werden. Sport in der Turnhalle ist schon gar nicht erlaubt.

Auch die Dinge, die die jungen Menschen zwischen 16 und 19 Jahren in der Berufsschulstufe verstärkt lernen sollen, können so nicht mehr vermittelt werden. Denn eigentlich geht es im lebenspraktischen Unterricht darum, auf das spätere Dasein vorbereitet zu sein. Hauswirtschaftliche Fähigkeiten wie gemeinsames Einkaufen, Kochen oder Wäschewaschen gehören dazu. "All das können wir nun nicht mehr so trainieren."

Durch die Hygieneschleuse

Man versuche, sich mit der nicht ganz leichten Situation zu arrangieren. Keine Schwierigkeiten bereitet das Nutzen der Hygieneschleuse vor Betreten der Hainbrunnenschule und die Maskenpflicht im Gebäude. "Sie sind aber froh, wenn sie die Abdeckung im Klassenzimmer abnehmen dürfen." Dafür habe jeder seinen eigenen Ablagekorb. Es gibt aber auch schöne Stunden. So haben die Großen den Schulgarten als neuen Pausenhof für sich entdeckt.

Am schwierigsten fällt es, den gebotenen Abstand einzuhalten: "Unsere SchülerInnen geben sich alle große Mühe, ihnen fällt es aber schwer, eineinhalb bis zwei Meter richtig einzuschätzen," so Katrin Heinlein. Viele folgten ihren Impulsen, geben High Five oder umarmen sich."

Menschen mit Förderbedarf geistige Entwicklung sind es gewohnt, dass sie körperliche Nähe spüren. Das sei bisher auch Teil des engagierten Konzeptes gewesen, so Susanne Opel. Die Leiterin der Hainbrunnenschule hadert damit, dass die familiäre Atmosphäre unter den Corona-Einschränkungen leidet.

Fortschritte gehen verloren

Ebenso schmerzt es, dass die therapeutischen Angebote im Hause nicht oder nur per Video fortgeführt werden konnten. "Es besteht die Gefahr, dass die Fortschritte, die durch unsere Ergo-, Logo- und Physiotherapeuten erzielt worden sind, nun wieder verloren gehen." Das schadet den Menschen mit Handicap und lässt auch den Ergotherapeuten Stefan Schütz nicht kalt.

Fast unmöglich wird es in der Integrativen Kita. Da muss Gruppenleiterin Vera Auer jetzt zusätzlich zu den üblichen Hygienemaßnahmen mit Schutzmaske wickeln, füttern, spielen, anziehen und betreuen. "Wie soll man sie ohne Nähe in den Mittagsschlaf begleiten oder ihr übermäßiges Bedürfnis zu kuscheln befriedigen?" Die Kinder verstehen nicht, warum nur ein Teil der Kinder die Kita besucht, sie vermissen ihre gewohnten Spielkameraden. Die Eltern berichten, dass die Kinder, die nicht in der Notallbetreuung sind, sich zuhause nach ihrem üblichen Kita-Alltag sehnen. Die Kinder wüssten zwar, dass etwas anders ist als sonst, aber in diesem Altern sei es schwer, ihnen das mit allen Konsequenzen verständlich zu erklären.

Nach und nach werden jetzt weitere Lockerungen bei den Betreuungsmodalitäten eingeführt. Wie es weitergehen soll, wenn auch all die übrigen Kinder und Jugendlichen wieder intensiv und individuell betreut und gefördert werden sollen, weiß auch Stefan Schütz nicht. "Wir planen derzeit von Woche zu Woche," so der stellvertretende Leiter der Heilpädagogischen Tagesstätte.

Die Räumlichkeiten und das Personal seien begrenzt. Aufgrund der kleinen Gruppen, die durch die Hygienemaßnahmen vorgegeben sind, werde es dann wohl darauf hinauslaufen, dass die Kinder abwechselnd kämen: Eine Woche zu Hause, eine Woche in der Lebenshilfe. "Für Kinder und Eltern ist dies alles andere als eine befriedigende Lösung."

UDO GÜLDNER

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