Licht in ein dunkles Kapitel der Fußballgeschichte

25.2.2013, 11:00 Uhr
Der Pakt des DFB mit dem NS-Regime sei keine historische Zwangsläufigkeit gewesen, so Dietzfelbinger.

© Marquard Och Der Pakt des DFB mit dem NS-Regime sei keine historische Zwangsläufigkeit gewesen, so Dietzfelbinger.

Den regionalen Bezug stellte Haas mit dem 2006 in Gräfenberg gegen die Nazi-Aufmärsche gegründeten Bürgerforum und dem Gräfenberger Sportbündnis her, in dem inzwischen 6000 Mitglieder aus neun Sportvereinen organisiert sind. Nach Gegenaktionen und Aufklärungsaktionen hätten die Neonazis aufgegeben, seien mit einer neuen Strategie im Umkreis aber weiter aktiv.

Für Fairness, Respekt und Toleranz im Sport war das Sportbündnis schon 2011 — nach Bayern München, Werder Bremen und anderen Vereinen — mit dem Julius-Hirsch-Preis ausgezeichnet worden. Julius Hirsch nahm als Nationalspieler 1912 an den Olympischen Spielen in Stockholm teil, war mit Karlsruhe und danach Fürth Deutscher Meister. 1943 wurde er in Auschwitz ermordet und steht stellvertretend für viele verfolgte jüdische Fußballer.

Tiefer in der Geschichte schürfte Eckart Dietzfelbinger. Angesichts der antisemitischen Haltung schon im frühen Mittelalter, der nie akzeptierten jüdischen Kultur nach der Französischen Revolution und einer nur auf dem Papier gestandenen Toleranz in Zeiten der Weimarer Republik sei die Judenablehnung nicht alleine den Nationalsozialisten zuzuschreiben. Das „Dritte Reich“ habe jedoch den modernen Antisemitismus begründet.

"Rasches Entfernen"


Menschen wie Walther Bensemann, 1900 einer der Gründer des DFB und Herausgeber des Kicker, FC-Bayern-Präsident Kurt Landauer und FCN-Trainer Jenö Konrad mussten 1933 mit der Machtergreifung Hitlers den Hut nehmen.

„Der FCN geht am Juden zu Grunde, gib deinem Trainer eine Fahrkarte nach Jerusalem“, drohte schon 1932 das Hetzblatt „Der Stürmer“. Auf Druck des NS-Regimes unterzeichneten mit Nürnberg und Fürth 14 Vereine eine Resolution, in der sie das „rasche Entfernen“ der Juden aus den Vereinen ankündigten. Ab 1933 und bis 1938 durften jüdische Mannschaften nur noch unter sich spielen. Das bereitwillige Paktieren des Deutschen Fußball-Bundes mit dem NS-Regime sei keine historische Zwangsläufigkeit, seine Funktionäre — hier nannte Dietzfelbinger Präsident Felix Linnemann und Reichstrainer Otto Nerz — hätten sich auch anders verhalten können.

Länger als andere Institutionen habe der DFB dieses Kapitel seiner Geschichte verdrängt. Erst nach dem eindringlichen Appell von Bundespräsident Johannes Rau habe der Fußball-Bund seine Rolle während der NS-Diktatur untersuchen lassen.

Bis 7. März

Die 2003 von dem Historiker Nils Havemann verfasste Studie „Fußball unterm Hakenkreuz“ mit der Deutung, die DFB-Funktionäre seien im Grunde nur unpolitische Fußball-Enthusiasten gewesen, überzeuge nicht. In einer Zeit, in der Rechtsextreme gegen farbige Fußballer hetzen und damit den Rassenhass in die Stadien tragen, müsse die Aufarbeitung der Fußballgeschichte fortgesetzt werden. Einen „klugen Beitrag“ leiste dazu die Ausstellung, betonte Eckart Dietzfelbinger. Nach Voranmeldung ist die Schau bis 7. März zu besichtigen.

Keine Kommentare