Alte Pläne des 1. FC Nürnberg entdeckt

Max Merkel: Als der Club 1968 in Unterleinleiter zu weiteren Höhenflügen ansetzen wollte

7.9.2021, 15:37 Uhr
NN-Reporter Rudolf Kroack steht auf dem Autodach und fotografiert Max Merkel bei seiner Autogrammstunde in Unterleinleiter. 

NN-Reporter Rudolf Kroack steht auf dem Autodach und fotografiert Max Merkel bei seiner Autogrammstunde in Unterleinleiter.  © Och, NNZ

Schlagzeilen machten die Artikel in den Tageszeitungen vom 14. Mai 1968: Clubtrainer Max Merkel baut in einem kleinen Juradorf und: MM wird Wahlbürger. Heute gefragt, erinnern sich nur noch wenige „Ladarer“ an das dann sang- und klanglos gescheiterte Projekt. Denn erstens folgte nach dem Meisterjahr der Abstieg des FCN und MM wurde in die Wüste geschickt. Und zweitens, war die Infrastruktur der Gemeinde den hochtrabenden Plänen offensichtlich nicht gewachsen.

Und das ist aus dem Bild und Text des NN-Reporters (siehe oben) in der Zeitung geworden. 

 

Und das ist aus dem Bild und Text des NN-Reporters (siehe oben) in der Zeitung geworden.    © Och, NNZ

Es gab noch nicht mal einen Abwasserkanal. Den ersten Bauabschnitt hatte der 1966 neugewählte Bürgermeister Ernst Löw für 1968 angekündigt. In mehreren NN-Berichten sind die „Teerung“ der Ortsstraßen und die Kanalisation als Hauptaufgabe für die Verwirklichung des Projekts auf der „Wacht“ genannt, dort, wo Max Merkel Trainingsgelände und Wohnsitz in einem realisieren wollte. Das Gesundheitsamt hatte den schlechten Zustand der Infrastruktur Unterleinleiters damals mehrfach gerügt.

Hängen blieb nach dem „großen Max“ der Name "Strehl"

So bleibt eigentlich nur die Autogrammstunde mit Max Merkel im Schulhof, die den damaligen Schülern im Gedächtnis geblieben ist. Und, dass der damalige NN-Berichterstatter Rudolf Kroack dafür auf das Dach seines VW-Käfers geklettert ist. Aber müssten im Archiv der Gemeinde – im Beschlussbuch – nicht Aufzeichnungen zu den Plänen von Merkel zu finden sein? Bürgermeister Alwin Gebhardt nahm sich zwei Stunden Zeit. Nach langer, erfolgloser Suche wollte Gebhardt schon entmutigt am letzten Aktenschrank aufgeben – aber genau da befanden sich in der untersten Mappe die vermuteten Zeitungsberichte.

Trainingsplatz, 35 Ferienhäuser, Hotel, Schwimmbecken, Eislaufbahn und mehr

Das alles ist zwar Schnee von vorgestern, aber Bilder bezeugen es: In seinem Mercedes chauffierte der Gastronom und Gemeinderat Hans Knoll Bürgermeister Ernst Löw und Max Merkel hinauf auf die „steinreichen“ Felder, wo die Bauträger aus Schwabach das Vorhaben darstellten: Trainingsplätze für den Club, 35 Ferienhäuser, ein Hotel, überdachtes Schwimmbecken - im Winter als Eislaufbahn nutzbar - sowie eine Tennis- und Minigolfanlage. Die Planung der Anlagen sei fertig, es bestünden bereits Anfragen nach Ferienwohnsitzen, tönten die Bauträger. Nur war da gleichzeitig vom Widerstand der oberfränkischen Regierung zu lesen. Befürchtet wurde eine vom Dorf abgehängte Siedlung in unberührter Natur.

Vizebürgermeister Holger Strehl (links) und Bürgermeister Alwin Gebhardt (rechts).

Vizebürgermeister Holger Strehl (links) und Bürgermeister Alwin Gebhardt (rechts). © Athina Tsimplostefanaki, NN

Freilich hatte der damalige Vereinspräsident Walter Luther Vorbehalte. Das Trainingszentrum sei zu weit von Nürnberg entfernt. Doch das Präsidium war da schon angezählt und wenn sich der „große Max“ das Wort nahm, dann hatte das Gewicht. Hängen blieb von diesem letzten Meisterschaftsjahr des Clubs 1968 die Leistung des Mittelstürmers Heinz Strehl, der mit seinen 18 Toren einen wesentlichen Beitrag lieferte. Der gebürtige Kalchreuther war auch vier mal in die Nationalmannschaft einberufen worden, erzielte da vier Treffer und war bei der Weltmeisterschaft in Chile 1962 Ersatzspieler.

Der Club-Spieler und Vizebürgermeister Strehl

Der Gemeinderat Unterleinleiter wählte Holger Strehl – beruflich Pressesprecher des Landratsamts Forchheim – 2020 zum Vizebürgermeister. Alleine der hierzulande eher seltene Name Strehl verführte geradezu zur Frage, ob nicht vielleicht eine Verwandtschaft besteht?. „Ja, aber nur eine weitläufige.“ Es bestünden zwei Strehl-Linien – die von Heinz Strehl in Plech und die eigene von den Eltern Rudi und Margot in Walkersbrunn. Eigene Erinnerungen an Begegnungen hat Holger Strehl nicht, denn der erkrankte Heinz Strehl war schon 1986 verstorben. Das war Holger Strehl gerade fünf Jahre alt.

Mehr über das Verhältnis zu Max Merkel ist in der Biografie von Heinz Strehl zu lesen: „Ich unterwerfe mich jeder von Trainer Merkel auferlegten Tortur, weil ich weiß, dass er für mich und die Mannschaft nur das Beste will. Auf seine Art ist Max Merkel so gerecht wie kein anderer Trainer“.

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