Merklein-Gelände Forchheim: "Planer soll in sich gehen"

18.4.2018, 06:00 Uhr
Die Gärtnerei Merklein an der Beethovenstraße in Forchheim ist Geschichte. Wo einst Blumen und Gemüse wuchsen, sollen Häuser in die Höhe wachsen.

Die Gärtnerei Merklein an der Beethovenstraße in Forchheim ist Geschichte. Wo einst Blumen und Gemüse wuchsen, sollen Häuser in die Höhe wachsen. © Foto: Edgar Pfrogner

Im September war das Leben in der Beethovenstraße noch in Ordnung: Zwar vergoss man die eine und auch andere Träne darüber, dass die Gärtnerei Merklein nach mehr als 80 Jahren ihren Laden und die Gewächshäuser zum Jahresende hin zusperrte und auf dem knapp 4000 Quadratmeter großen Areal künftig statt Spinat und Dahlien Häuser sprießen sollten.

Doch die Stadträte des Bauausschusses zeigten sich beim Ortstermin am 25. September und auch in der anschließenden Sitzung durchweg angetan von den Bebauungsplänen. "Es bleiben viele Grünflächen frei", hörte man damals, als "gefällig" bezeichnete man die "gelungene Planung" und Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD) lobte: "Da ist dem Planer ein ganz toller Entwurf gelungen." Der Vorbescheid auf den Bau wurde damals einstimmig durchgewunken.

Doch dem lauen Septemberlüftchen, das damals wehte, kam am Montag in der Sitzung des Bauausschusses ein gewaltiger Sturm entgegen. Was war passiert? In der Zwischenzeit hatte der Planer gewechselt, alle vorhandenen Pläne, die damals den Räten und dem Bauamt vorlagen, sind Makulatur.

Sechs Häuser und Tiefgarage

Der neue Bauträger plant statt der 13 nun 31 Wohnungen. Fünf Mehrfamilienhäuser mit einer Länge von jeweils 16 und einer Breite von 11,50 Metern und ein Haus mit 19 Metern Länge und ebenfalls 11,5 Metern Breite können sich die Planer nun vorstellen. Eine Tiefgarage soll Platz für rund 50 Autos schaffen. Die Nachbarn sind darüber alles andere als erfreut. In einem Brief an das Bauamt, der unserer Redaktion vorliegt, sorgen sie sich, dass ihr gewachsenes Wohngebiet durch die Bebauung negativ beeinflusst wird, sie fürchten durch die zusätzlichen Autos Verkehrsbehinderungen und Belästigungen und nicht zuletzt Durchfeuchtungen und Setzungen ihrer Häuser durch den Bau einer Tiefgarage. Zur Vorstellung des Bebauungskonzepts wurden die Anwohner am 29. März ins Bauamt geladen. Geändert hat das an der Situation freilich nichts.

Dass Bauordnungsamtsleiter Stefan Schelter nun die Neuplanung des anderen Antragstellers "als geringfügig anders" vorstellte, ging im Stimmengewirr von Anwohnern und Stadträten fast ein wenig unter. Markus Schmidt (CSU) vermutet mit Ironie in der Stimme einen "Zahlendreher" von 13 auf 31. Einen Verkehrskollaps sieht Schmidt kommen, schließlich führe auch die Stadtbuslinie direkt am Bauvorhaben vorbei. Die Tiefgarage sehe er zwar positiv, aber "die hätten wir bei 13 Wohnungen gar nicht gebraucht". "Viel zu viel" sei das Ganze, so Schmidt. Er gab dem Bauwerber den Rat, "in sich zu gehen".

"Maximierung an Fläche"

Einzig Erwin Held (FW) konnte Gefallen an der Planung finden: "Wir reden hier von sinnvoller Nachverdichtung. Die Häuser passen optimal rein." Gleichzeitig machte er aber auch keinen Hehl daraus, "dass mir das erste besser gefallen hat." "Viel zu viel", meinte auch Thomas Werner, 15 bis 20 Wohnungen hielte er für vorstellbar, so der CSU-Stadtrat, der die Parksituation rund um die Kreishandwerkerschaft anmahnt: "Das wird durch die Tiefgarage in keiner Weise gelöst."

Auch Sebastian Körber (FDP) hält die Bebauung für "viel zu dicht. Das ist Maximierung an Fläche, die man dort rausquetschen kann. Das fügt sich städtebaulich überhaupt nicht ein". Dem folgte auch Holger Lehnard (CSU), der den aktuellen Plan ablehnte: "Das passt nicht in die Gegend." Manfred Mauser (FBF) war erbost: "Mit 13 Häusern hat man uns damals gelockt", schimpfte er, "so nicht." Albert Dorn (SPD) mahnte nochmals die Bedenken der Bewohner an: "Die Argumente der Anwohner hat der Bauwerber mit Nonchalance vom Tisch gewischt."

"Die Stimmung ist nicht gut für Ihre Planung", gibt Bürgermeister Franz Streit (CSU) das Wort an einen Sprecher des Bauunternehmens. Die nachbarschaftliche Bebauung habe man als Maßstab für die Bebauung genommen, betonte der Planer und warnte das Plenum: "Wenn wir ein Drittel der Bebauung ’runternehmen, dann gibt’s auch keine Tiefgarage." Bei zwei Gegenstimmen (Erwin Held und Franz Streit) wurde der Antrag abgelehnt.

0 Kommentare