Samstag, 14.12.2019

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Minutenlanger Applaus für 26 Jahre OB Franz Stumpf

Hochkarätige Festversammlung würdigte das scheidende Stadtoberhaupt - 31.03.2016 18:32 Uhr

Franz Stumpf wird nach seiner Abschiedsrede im Historischen Rathaussaal von der Festversammlung minutenlang mit Applaus bedacht. In der ersten Reihe von rechts Dekan Günther Werner, Dekan Martin Emge, Innenminister Joachim Herrmann und Ehefrau Johanna Stumpf. © Ralf Rödel


Am Ende versagte Franz Stumpf die Stimme. Er wolle, sagte er, den „neuen Lebensabschnitt“ ebenso beginnen wie 1990 sein Amt. Gerade noch hörbar folgte ein „cum deo“, Lateinisch für „mit Gott“. Dann war er erlöst und nahm dankbar den minutenlangen Applaus der vor ihm aufgestandenen Festversammlung entgegen.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) erwies Stumpf an seinem letzten Tag als OB ebenso die Ehre wie der Chef des Logistik-Konzerns Hegele, Dieter Hegele. Örtliche Behördenchefs waren vollzählig versammelt, aber auch die Bürgermeister aus Nürnberg und Bamberg, Klemens Gsell und Christian Lange (beide CSU), der Oberbürgermeister von Erlangen, Florian Janik (SPD), und die Regierungspräsidentin von Oberfranken, Heidrun Piewernetz. Alle aufzuzählen, hieße den Rahmen zu sprengen.

Ehrenbürger sein zu dürfen, sagte Stumpf, sei eine ganz besondere Würde. Ihm war anzumerken, wie sehr er sich tatsächlich geehrt fühlte. Nur sein Vorgänger Karlheinz Ritter von Traitteur und der frühere Stadtdekan Otto Donner erhielten seit 1945 diese Ehre verliehen. Beim Aufräumen, als ihm zahlreiche Beschwerde- und Beleidigungsbriefe von Bürgern durch die Hände gingen, etliche davon anonym, habe er sich gefragt, worüber er sich in den letzten 26 Jahren "wirklich geärgert" habe. Die Antwort: "Mir ist nichts eingefallen."

Ohne Groll, mit Dank

Hier scheidet einer ohne Groll aus einem Amt, das er gerne noch vier Jahre weiter ausgefüllt hätte, das wurde aus Stumpfs Worten deutlich. Ohne Groll, aber mit Dank: Er bedankte sich bei seiner Frau Johanna ("Sie war recht gesehen alleinerziehend") und den drei Kindern („Sie waren manchmal auch froh, wenn ich nicht da war und dann kein Latein mit ihnen machen konnte“). Er dankte seiner "politischen Ziehmutter" Maria Wagner und Hermann Ammon, beide früher Bürgermeister. Ammon habe nach der Wahl von 1990, als Stumpf den CSU-Kandidaten ausgestochen hatte, "wieder Ruhe ins politische Geschehen gebracht".

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Ein berührender Moment: Abschiedsfeier für Forchheims OB

150 geladene Gäste kamen im März 2016 Forchheimer Rathaus zusammen, um ihren allseits geschätzten Oberbürgermeister Franz Stumpf zu verabschieden. Nach 26 Jahren im Amt wurde ihm an diesem Abend obendrein die Ehrenbürgerwürde für seine langjährige Arbeit verliehen.


Stumpf dankte der Stadtverwaltung. Anders als „manchmal während des Wahlkampfes behauptet“ arbeite diese "hervorragend" und sei "gut ausgebildet", um Ziele abzuarbeiten. Er empfahl seinem Nachfolger, der Verwaltung "am besten selbst die Ziele vorzugeben".

Vorwurf gleitet ab

Stumpfs Nachfolger Uwe Kirschstein (SPD) saß vor dem Redner in der ersten Reihe. An ihn und andere Wahlkämpfer gerichtet sprach Stumpf einen Satz, der ein Stück weit als Vermächtnis, ein bisschen aber auch als Rechtfertigung für den eigenen Stil gelten kann: "Zu glauben, dass in einer Zeit mit hochkomplexen Entscheidungen zuvor immer eine Meinungsumfrage durchzuführen sei, halte ich für den falschen Ansatz." Mit dem Anspruch vom „gläsernen Rathaus" war Stumpf 1990 auf seinem Sessel gelandet. 2016 verlässt er ihn mit dem Vorwurf, "Hinterzimmerpolitik "betrieben zu haben. Stumpf fühlt sich damit jedoch nicht getroffen. Es sei die Aufgabe eines Oberbürgermeisters, Entscheidungen herbeizuführen. Und die Stadträte als gewählte Politiker hätten Entscheidungen zu fällen, sagte er.

Bürgermeister Franz Streit (CSU), Stumpfs Freund seit Kindertagen, drückte es so aus: „Basisdemokratie darf nicht mit Verantwortungsverweigerung verwechselt werden.“ Und Minister Herrmann fügte an: "Man kann nicht jede Frage so lange diskutieren, bis alle einer Meinung sind.“ Er zitierte Goethe: "Es ist nicht genug zu wollen, man muss auch tun. Es ist nicht genug zu wissen, man muss auch anwenden.“ All dies trifft aus Sicht des Nachbarn aus Erlangen auf Stumpf zu. Die "zupackende Art“, so Herrmann an den Parteifreund gerichtet, "ist typisch für dich“.

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Eine Forchheimer Ära namens Franz Stumpf

Vom Rathausjuristen zum Oberbürgermeister, der mehr als ein Vierteljahrhundert an der Spitze der Stadt stand: Franz Stumpf hat Forchheim für die Wirtschaft geöffnet und internationale Unternehmen angesiedelt, gleichzeitig war er stets bodenständig und ein Forchheimer durch und durch. Auch nach seiner Zeit als OB blieb er - beispielsweise als Kreis- und Bezirksrat - ein Mitgestalter der Lokalpolitik. Hier sind die Bilder, die die Ära Stumpf einfangen sollen.


Neben vielen anderen Eigenschaften bewundert Franz Streit an Franz Stumpf die Fähigkeit, "unterschiedliche Interessen zusammenzuführen“ und aufgrund seiner "geistigen Flexibilität“ neue Situationen zu erkennen und sich darauf einzustellen nach der Maxime: "Was ist machbar, was nicht.“

Ein Grußwort der Dankbarkeit sprach im Namen der französischen Partnerstadt Le Perreux der Vorsitzende des dortigen Partnerschaftskomitees, Alain Duhamel. Aus der Hand der Gattin des (verhinderten) Bürgermeisters Gilles Carrez, Claudine Carrez, erhielt Franz Stumpf die Goldmedaille der Stadt Le Perreux verliehen. Ebenfalls mit Abordnungen vertreten waren die Partnerstädte Rovereto, Pößneck, Gherla und Roppen.

Dieter Walda gab als Personalratsvorsitzender einen interessanten Einblick in die Schockstarre, mit der die Personalversammlung kurz vor Weihnachten zu kämpfen hatte, als OB Stumpf gerade vor diesem Publikum seinen gesundheitlich bedingten Rückzug verkündete: "Es war für Sekunden Stille im Saal." Dann: Ergriffenheit, Tränen in den Augen, bei nicht wenigen, so Walda.

Ob er loslassen kann?

Er dankte Stumpf im Namen des Personals für die "faire und vertrauensvolle Zusammenarbeit“, für die „immer soziale Einstellung“ und das "stets offene Ohr“ für die Nöte und Probleme einzelner. Dann sprach er einen Satz, den wohl jeder im Saal unterschreiben konnte: "Ich hoffe, dass Sie loslassen können.“

Auch zum Alt-Oberbürgermeister wurde Franz Stumpf auf Beschluss des Stadtrates ernannt. Dabei, sagte sein Freund Streit, „bist du noch gar nicht so alt“. 66 wird er im Sommer. Streit und Stumpf hatten so gehofft, der Tag des Abschieds komme erst in vier Jahren "und wir hätten dann sagenhafte 30 Jahre OB Stumpf gefeiert“, so Streit. Doch mit für ihn ungewohnten lateinischen Merksätzen hakte der Bürgermeister ab, was nicht zu ändern ist: "Tempus fugit, die Zeit rast davon.“ Nun empfiehlt er dem anderen Franz: "Carpe diem“, also: Nütze die Zeit.

 

ULRICH GRASER (Text) UND RALF RÖDEL (Fotos)

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