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Sonntag, 18.08.2019

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Mit «Coaching» in Beruf starten

Initiator stellte Idee vor - Helfer für Hauptschüler mit schlechten Noten gesucht - 17.05.2008

Wirtschaftsliberaler oder Sozialromantiker, Visionär oder Pragmatiker - in keiner Schublade hat Peter Held so richtig Platz. Mal ärgert er sich über «acht Milliarden Euro, die uns die 352 000 arbeitslosen Jugendlichen, die wir durchfüttern müssen, jedes Jahr kosten.»

Dann spricht er Sätze, die aus einem Lehrbuch für Sozialpädagogik stammen könnten: «Viele Jugendliche haben kein Ziel und keine Richtung in ihrem Leben. Wir müssen uns aber um sie kümmern, denn jeder ist für sich wertvoll.» Seine Argumentation ist so logisch, so banal und eingängig, dass sich niemand ihr entziehen kann. Wenn der Mann im beigen Pullover seine ruhige Stimme senkt und in das andächtig nickende Publikum blickt, weiß er, dass er wieder neue Mitstreiter für seine Mission gefunden hat.

Diese Mission heißt «Schülercoaching» und wurde von Held vor drei Jahren in Cadolzburg ins Leben gerufen. «80 000 Jugendliche verlassen jedes Jahr die Hauptschule ohne qualifizierten Abschluss. Und diese Leute sind doch nicht alle zu dumm. Denen sagt nur niemand, was sie alles erreichen können, wenn sie sich anstrengen», erklärt Held. Seine Lösung ist so einfach wie überzeugend: Ehrenamtliche «Coaches» begleiten die Schüler von der siebten Klasse bis in die Berufsausbildung, nicht als Nachhilfelehrer, sondern als Freund und Berater.

«Bevor die jungen Leute Erfolg in Schule und Ausbildung haben können, müssen wir erstmal ihre Persönlichkeit aufbauen, ihre Motivation und ihren Leistungswillen anregen», erläutert Held. Das Projekt setzt in der siebten Klasse an, rechtzeitig vor der Pubertät, bevor die Schüler auf bestimmte Freundeskreise festgelegt sind und auf jede Autorität allergisch reagieren. Zunächst werden Einzelgespräche mit den Schülern geführt, um herauszufinden, ob sie bereit sind, einen «Coach» zu akzeptieren.

Wenn sie ja sagen, treffen Mentor und Schützling zum ersten Mal aufeinander und sprechen über ihre gemeinsamen Ziele. Dann holen sich die Schüler die Einwilligung der Eltern ein. «Ohne Unterstützung der Eltern hat das Modell keinen Sinn. Erst wenn alle an einem Strang ziehen, kann es funktionieren», erklärt Held.

Selbstwertgefühl steigt

Dann beginnt das «Coaching»: «Sie treffen sich einmal wöchentlich, gehen Eis essen oder ins Kino und sprechen miteinander über Probleme. Allein, dass jemand da ist, der zuhört und sich Zeit nimmt, steigert das Selbstwertgefühl der Schüler enorm.» In einem zweiten Schritt sollen die «Coaches» ihre Schützlinge auch in der Schule unterstützen: Sie bringen ihnen eine organisierte Arbeitsweise bei, arrangieren Nachhilfeunterricht und überwachen, dass die Hausaufgaben gemacht werden.

Der Zeitaufwand ist überschaubar: «Einmal in der Woche sollten sie zwei Stunden mit dem Kind verbringen und öfters mit ihm telefonieren», sagt Held. Ist der Schulabschluss geschafft, helfen die Mentoren bei der Berufswahl und der Suche nach einem geeigneten Ausbildungsplatz.

Damit die Mentoren bei ihrer Arbeit nicht auf sich allein gestellt sind, treffen sie sich jeden Monat einmal untereinander und tauschen ihre Erfahrungen aus. «Deswegen ist es wichtig, dass mindestens zwölf Menschen bei dem Projekt mitmachen. Je mehr Beispiele man hat, desto mehr lernt man», sagt Held aus Erfahrung. Zudem werden die Lebensberater von einem Psychologen oder einem Sozialpädagogen professionell betreut.

Helds Modell hat in mehreren umliegenden Landkreisen bereits beachtliche Erfolge erzielt: «Von den Kindern, die ich bisher betreut habe, wäre bestimmt die Hälfte ohne solche Unterstützung unter die Räder gekommen. Mit «Coaching» dagegen erreichen sie bei der Mehrzahl eine signifikante Veränderung der Persönlichkeit und bessere Noten auch ohne Nachhilfe», erläutert Held.

Wenn es nun an die Adalbert-Stifter-Schule (AST) exportiert wird, könnte die Erfolgsgeschichte weitergehen: «Ich schätze, dass die Hälfte von unseren über 200 Schülern ein «Coaching» braucht. Wir haben riesigen Bedarf und freuen uns über jede Unterstützung», meint Andreas Kehl, Konrektor der AST. Noch mangelt es daran aber: Die zwölf Forchheimer «Coaches» sind noch lange nicht gefunden. Peter Held wird am 11. Juni noch einmal über das Projekt sprechen. Zeit und Ort werden in den NN angekündigt.

Weitere Informationen zum Projekt «Schülercoaching» beim Bamberger Basis-Institut unter Telefon (09 51) 9 86 33 35 oder per E-Mail an stefanie.ulrich@basis-institut.de 

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