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Nach dem Abriss folgt der Wiederaufbau: Forchheim im Jahr 2020

Großprojekte und Sensationen: Forchheim wird erwachsen - 31.12.2020 15:36 Uhr

Die zentrale Baustelle, im Herzen der Stadt: Die Generalsanierung des Rathauses startete 2020. Doch das ist nur eines von vielen Großprojekten. 

09.12.2020 © Pauline Lindner


Blicken wir kurz zurück. Wir schreiben den 1. Mai 2012 und in der Überschrift in den Nordbayerischen Nachrichten heißt es: „Forchheim reißt sich ab“. Damals machte Altes Platz für Neues. Kräne standen für einen Aufbruch und tun es auch 2020 wieder. Machen wir uns auf zu einem Spaziergang durch die Gassen der Stadt, die gerade dabei sind, ihr Gesicht zu verändern.

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Forchheim baut sich neu auf: Diese Projekte verändern die Stadt

Es sind genau 32.447 Menschen, die nach den neuesten Zahlen in Forchheim leben. Und diese Zahl wird weiter steigen. In der Stadt vollzieht sich ein Wandel, so schnell wie selten in den vergangenen Jahrzehnten.


Setzen wir uns für einen Moment auf die Bank am Wiesentufer am Marktplatz. Nicht nur das Restaurant auf der gegenüberliegenden Uferseite ist neu und belebt endlich wieder eine Ecke, die zwischenzeitlich ausgestorben war. Neben uns erstrahlt ein ehemals trister Bau in neuem, hellem Weiß. Das Fachwerkhaus an der Ecke Wiesent/Lohmühlgäßchen. Was dort geschehen ist, ist sinnbildlich für die gesamte Entwicklung der Stadt und über die Einzelmaßnahme hinaus bedeutend. Warum? Schlicht, weil mit jedem Euro, der von privater oder öffentlicher Seite in die Bausubstanz investiert wird, die Stadtentwicklung und Wahrnehmung Forchheims enorm profitiert.

Ganz banal: Ein ansteckendes Feuer

Wie ansteckend und deshalb bedeutend ein Einzelengagement sein kann, zeigt sich am Beispiel des Fachwerkhauses. Jeder einzelne von uns bleibt kurz stehen, nimmt den bekannten Raum neu wahr, sieht bisher Unbeachtetes, schätzt den (neuen) Wert. Vor allem aber animiert es uns Menschen, an diesem Wandel teilzunehmen.

Das fängt ganz banal damit an, dass es vor herausgeputzten Fassaden und gepflegten Straßenabschnitten beispielsweise schwer fällt, Müll auf der Straße oder Schmierereien an Gegenständen zu hinterlassen. Oder: Dass eine Initialzündung an einer Stelle ein regelrechtes Feuer entfacht, das sich auf die Umgebung ausweitet. Tatsächlich ist das auch im Lohmühlgäßchen der Fall. Auch der benachbarte Bau aus dem Jahr 1899 erhält von der Hornschuchallee und vom Lohmühlgäßchen aus gesehen ein neues Gesicht. In die verwaiste Lotto-Annahmestelle soll wieder neues Gewerbe einziehen.

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Fachwerk aus dem Mittelalter: Die ältesten Häuser Forchheims

Brände und Kriege haben sie überlebt: In den ältesten Häusern Forchheims steckt jahrhundertelange Geschichte. Sieben Gebäude stammen aus dem Zeitraum zwischen 1341 und 1400. Wir haben ihre Geschichte herausgesucht.


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Gang durch die Jahrhunderte: Ein Rundgang auf der Rathaus-Baustelle in Forchheim

Diese Gefahren sind schon mal gebannt: Handwerker haben in den vergangenen Wochen den Rathausdachstuhl von ungesunden Schmutz befreit, also dekontaminiert. Die Zimmerleute errichten gerade das Notdach für die eigentliche Sanierung des historischen Dachstuhls. Ein guter Zeitpunkt für Architekt Stephan Fabi und die Bauherren, sprich: Stadt und Stadtrat, sich auf der Baustelle umzusehen. Die NN waren dabei.


Lassen Sie uns durch das schmale Gässchen weiter laufen. Wir kommen in der Hornschuchallee an. Die Allee passt derzeit nicht in das Bild der sich wandelnden Stadt. Die Allee hat an Charme eingebüßt, Stillstand macht sich breit. Gemüsehändler, Metzger, Lebensmittelladen - sie haben geschlossen. Für immer. Das Leben in der Allee, der gesunde Bäume fehlen, hat abgenommen. Seit den 70er Jahren gibt es Pläne, aus der Allee auch wirklich eine werden zu lassen. Doch das Projekt wird seitdem immer wieder verschoben.

Forchheim strotzt und protzt

Dafür strotzt und protzt Forchheim an anderen Stellen. Zu sehen am Rathausplatz. Die Generalsanierung des Rathauses zum Haus der Begegnung hat Fahrt aufgenommen. 23,3 Millionen Euro fließen in den Bau, um ihn in eine Kultur- und Begegnungsstätte zu verwandeln. Drohte das Projekt phasenweise zerredet zu werden, zeugt der Baustellenstart 2020 von einer neuen Epoche.

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Viel Glas und schwebende Räume: So sieht das Rathaus Forchheim einmal aus

Es ist das größte Projekt der Stadt. Nach aktuellem Stand fließen 22,7 Millionen Euro in die Generalsanierung des Rathauses, aus dem später das „Haus der Begegnung“ werden soll. Reisen Sie mit uns in die Zukunft: Wir schreiben das Jahr 2023 und treten durch eine große gläserne Türe in das Rathaus ein.


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Schädel und Knochen in unbekanntem Raum in Forchheim entdeckt

Es sind sensationelle Entdeckungen: Unter der Spitalkirche in Forchheim in der Bamberger Straße haben Archäologen einen bisher unbekannten Raum entdeckt - mit menschlichen Schädeln und Knochen.


Forchheim nimmt sich mittlerweile als das wahr, was es ist und wozu es sich an manchen Stellen noch entwickeln muss: als Oberzentrum. Dafür holt die Stadt Rückstände auf. Doch das kulturelle Leben wird nicht nur im Herzen der Stadt am Rathausplatz pulsieren. Die gewachsene und professionalisierte Kulturszene der Stadt erhält mit dem neuen Kolpinghaus oder dem Katharinenspital den dringend benötigten Freiraum. Auch wenn die Planungen erst am Anfang stehen, der Startschuss ist gegeben. Nicht zum Selbstzweck, sondern zum Wohl der gesamten Bürgerschaft über die Grenzen der Stadt hinaus. Forchheim ist dann wirklich ein Oberzentrum, wenn die Stadt auch zum Zentrum des Lebens für Bürger aus anderen Gemeinden wird.

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Wie sieht die Zukunft des Kolpinghauses aus?

Das Kolpinghaus ist 1899 als Gesellen-Hospiz gebaut worden, wurde von Beginn an aber auch für kulturelle Zwecke genutzt.


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Forchheim: Sensationelle Grabungsfunde im Rathaus

Der Andrang war groß, als das Forchheimer Stadtbauamt zusammen mit den Denkmalschützern über Funde und wissenschaftliche Erkenntnisse im Rathaus informierte. Die Funde sind, da sind sich die Spezialisten einig, "eine Sensation für eine Innenstadtgrabung".


Schnurstracks weiter zur Betonwüste

Bei all dem müssen wir einen Schwenk zu den historischen Sensationen dieses Jahres machen. Gezeigt haben sie sich gleich an mehreren Stellen. Mit europaweit seltensten Funden unter dem Boden der Rathaushalle, einem bis dato unbekannten Raum unter dem Katharinenspital, bisher unentdeckten frühzeitlichen Siedlungsresten im Norden der Stadt oder erstmals ausgegrabenen Stadtmauerresten: Forchheims Geschichte musste 2020 freilich nicht komplett neu gechrieben, aber um wesentliche Kapitel ergänzt werden. Dass sich die Vergangenheit in dieser Intensität gezeigt hat, ist einzigartig und Spiegelbild einer baureichen Zeit. Die Mehrheit der Stadträte sieht das auch so und will das historische Erbe sichtbar bewahren - digital wie analog.

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Neue Erkenntnisse über Forchheim: Archäologische Grabungen am VfB-Gelände

Weil die Sportvereinigung Jahn Forchheim in den Norden der Stadt zieht, haben Archäologen den Boden auf Spuren der Vergangenheit untersucht und sind fündig geworden.


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Forchheims historischer Boden: So laufen die Grabungen an der Birkenfelderstraße

Bis Weihnachten wollen die Archäologen ihre Dokumentationsarbeit an der Birkenfelderstraße in Forchheim abgeschlossen haben: Auf dem 3300 Quadratmeter großen Areal des künftigen Wohngebiets "Statthäuser" (ein Projekt der Sparkasse) graben die Wissenschaftler Teile der Forchheimer Festungsanlagen aus dem 18. Jahrhundert aus. Wir haben die Arbeiten begleitet.


Der Weg führt weiter, schnurstracks zur Betonwüste. Dem Paradeplatz. 2020 ist an dieser Stelle zwar alles beim Alten geblieben, doch im Hintergrund sind die Planungen, aus der Wüste eine lebendige Oase zu zaubern, weitergegangen. Auch das ist Forchheim im Jahr 2020: Dort, wo sich sichtbar nichts verändert, ist meist im Hintergrund einiges geschehen, damit sich bald etwas ändert. Die Neugestaltung des Paradeplatzes ist ein solches Beispiel. Fazit: Forchheim wandelt sich, bemerkt und unbemerkt von der großen Öffentlichkeit. Neue Straßen, neue Wohnhäuser, neue Plätze: Die Stadt, so fühlt es sich an, wird erwachsen, ohne ihren Charme der Jugendzeit zu verlieren.

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