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Nach zweimonatiger Odyssee durch Franken: Labrador gerettet

Hündin in einer Futterfalle von Tierschützern gesichert - 06.04.2020 12:34 Uhr

Die Hündin ist endlich eingefangen: Der Labrador mit Andrea Schmidt (links) und Christioph Reh, Tierschutzbeauftragte und Oberkommissar der Polizei Erlangen Land (rechts). © privat


Das Tier gilt als "Fundsache". Die Hündin ist gechipt, aber nicht registriert, sodass der Besitzer bislang nicht ermittelt werden konnte. Eine Suchanzeige ging in den vergangenen Wochen auch nicht ein. Das lässt nur zwei Möglichkeiten zu: "Entweder der Labrador kommt von sehr weit her oder der Besitzer wollte sich des Hundes entledigen", erklärt Reh, der Tierschutzbeauftragte der Polizei Erlangen-Land, der bei der Sicherung am Samstag dabei war.

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Diese Sicherung war fast ebenso abenteuerlich wie die Odyssee der Hündin. "Es war das Können vom Suchhundeteam. Sie haben 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche unermüdlich gearbeitet", lobt Christoph Reh die überragende freiwillige Arbeit von Andrea Schöpfel und ihren ehrenamtlichen Tierschützern.

Bereits im Februar wurde Andrea Schöpfel gebeten, bei der Suche nach dem Labrador, der damals noch in der Gräfenberger Gegend unterwegs war, zu helfen. Die Hündin war zutraulich. Bereit gestelltes Futter nahm sie nicht an und sobald man die Hand nach ihr ausstreckte, rannte sie davon. "Kein Hund ist gerne alleine draußen und kämpft ums Überleben", sagt Schöpfel aus Gunzenhausen, die hier übernahm.

Die abenteuerliche Route der Hündin: Die roten Sterne markieren Orte, an denen sie gesehen wurde. Grün markiert sind die Stellen, wo Futter aufgestellt wurde. Gelb: die Hündin in der Lebendfalle. © privat


Nach den gemeldeten Sichtungen fertigte sie eine Karte an, um die Route des Labrador Mädels verfolgen zu können. Zu dem Zeitpunkt war die Hundedame bereits in Igensdorf und der Gegend um Neunkirchen am Brand herum unterwegs. Schließlich lief sie immer weiter Richtung Bubenreuth und Erlangen. Die Karte zeigt, dass sich der Labrador dort die meiste Zeit aufgehalten hat. Trotzdem sorgten die oft bis zu täglich 25 Meldungen der mitfiebernden Bürger teils für Verwirrung. "Eine Zeit lang dachten wir, es sind zwei Labradore unterwegs", erzählt Andrea Schöpfel. Denn zeitgleich gingen bei der Tierschützerin eine Sichtungsmeldungen aus Gräfenberg und Erlangen ein.

An den Stellen, an der die Hündin am häufigsten gesehen wurde, stellten Andrea Schmidt und Ines Becker dann Futterstellen auf. Diese waren videoüberwacht. Sieben Stellen wurden von den beiden Erlanger Mitarbeiterinnen täglich angefahren und mit Leckereien bestückt. Doch der Labrador schien keinen Hunger zu haben, haben doch viele Bürger entlang der Reiseroute des Labradors Futterstellen aufgestellt oder versuchten ihn selbst zu fangen. Das gutgemeinte Verhalten war für die Sicherung jedoch kontraproduktiv. "Nadja hat dann Flyer verteilt und die Menschen gebeten, den Hund in Ruhe zu lassen, damit er gesichert werden kann", erklärt Schöpfel. Das hat geholfen. Denn durch die Fangversuche rannte die Hündin auf die Straße, die sie sonst immer mied.

Dass der Hund dem Verkehr zum Opfer fällt, war eine der großen Sorgen von Schöpfel und Reh. Doch auch dass die Jäger ihre Nerven behielten, war wichtig. Christoph Reh hat deshalb entlang der Route alle Jäger informiert und die zuständigen Dienststellen auf dem Laufenden gehalten. Letztendlich zeigte sich anhand der Videoaufnahmen an der Futterstelle am Exerzierplatz ein Erfolg. Nicht nur Vögel, ein Marder, ein Igel oder gar ein Fuchs holten sich das Steak oder den gekochten Schinken, sondern eben auch der gesuchte Labrador. Jeder der Beteiligten wusste, es musste schnell gehen, um dort die Lebendfalle platzieren zu können.

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Dazu brauchten die Tierschützer eine Genehmigung von der Stadt, der dieser Platz gehört. Das war am Freitag um 14 Uhr unmöglich. Den Tierfreunden lief die Zeit und mit ihr der Hund davon. "Ich habe drei Stunden lang versucht, einen Verantwortlichen zu erreichen. Der 13. Anruf brachte die Lösung. Der 14. Anruf wäre die Handynummer von Florian Janik gewesen. Ich hätte ihn wohl beim Abendessen stören müssen", erzählt Reh die Brisanz der Handlung. "Nur mit der Unterstützung der beiden Erlanger Stadträte Jörg Volleth und Helmut Wening und dem Kollegen Tobias Nägel konnte der Kontakt zu den Verantwortlichen hergestellt und die Genehmigung für das Abstellen der Lebendfalle erwirkt werden", so Reh.

Die Falle wurde von Schöpfels Mitarbeiterin Sandra Lieke aus Lichtenfels hergefahren. Die von der Kamera übertragenen Bilder gingen bei Katja Culbertson ein. Die ersten um 14.30 Uhr am Samstag, kurz nachdem die Lebendfalle aufgebaut war. Die Labradorhündin wurde um 20.42 Uhr gefilmt. Da saß das Mädel vor der Falle und schnupperte. Das Futter lockte. Zehn Sekunden später saß die Hündin drin, die Falle ging zu.

"Sie hat kurz gebellt", weiß Andrea Schöpfel, die einen Freudenschrei ausstieß, als sie von diesen Livebildern erfahren hatte. Die Erlanger Helferin Andrea Schmidt und Christoph Reh fuhren dann zur Falle. Zusammen mit weiteren Helfern luden sie den Käfig samt Hund auf einen Anhänger und fuhren zum Erlanger Tierheim. "Mir fiel ein Stein vom Herzen", sagt eine überglückliche Andrea Schöpfel. Das Futter und die Benzinkosten, ebenso die Lebendfallen kaufte Schöpfel alles aus ihrem privaten Geldbeutel. Eine größere Lebendfalle möchte sie nun anschaffen, denn es vergeht keine Woche, in der nicht ein Hund gesucht wird. Geld erhält die Hundesuchhilfe Franken nicht, da sie kein eingetragener Verein sind. Über ihre Arbeit kann sich jeder ein Bild auf der Facebookseite Hundesuchhilfe Team Franken verschaffen.

Bei guter Gesundheit

Trotz aller Strapazen scheint die junge Labradordame, die von Schöpfel auf eineinhalb, höchstens zwei Jahre geschätzt wird, nicht abgemagert zu sein. Im Gegenteil. Eher wird vermutet, ein Rüde hat an der hübschen Hündin Gefallen gefunden. Das wird jedoch erst in den nächsten Tagen untersucht werden.

Bürger, die den Hund gerne ein Zuhause geben möchten, haben sich bereits gemeldet. "Hoffentlich kommt sie in gute Hände", wünscht sich Reh. "Sollte der Hund doch ausgesetzt worden sein, werde ich entsprechende Ermittlungen einleiten. Das Tierschutzgesetz sieht ein Bußgeld von bis zu 25.000 Euro dafür vor", so der Beamte. Das Labradormädel jedenfalls war für Schöpfel und Team eine Herausforderung. "Diese Maus wird mir immer in Erinnerung bleiben", sagt Schöpfel überglücklich.

Petra Malbrich

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