Samstag, 21.09.2019

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Neue Hornschuchallee für Forchheim: Viele Vorschläge, wenig Gegenliebe

Oberbürgermeister kann sich Fußgängerzone vorstellen - 23.08.2019 18:00 Uhr

Die Hornschuchallee bietet Platz zum Flanieren, bietet nach der Meinung vieler aber noch zu wenig Aufenthaltsqualität. © Foto: Patrick Schroll


Drei Stunden. Ein blockierter Parkplatz. Und es folgt ein Aufschrei im Internet. So geschehen, als die Grüne Jugend Forchheim mit einer angemeldeten Aktion ihre Ziele für eine schönere Hornschuchallee formulierte (wir berichteten). Mehr Grün, mehr Platz für Fußgänger und Fahrradfahrer, dafür weniger für Parkplätze. Das waren einige Vorschläge der jungen Politikergeneration. Sie sind nicht neu und werden teils auch vom Oberbürgermeister der Stadt geteilt.

Uwe Kirschstein (SPD) spricht aber ausdrücklich von seinen persönlichen Ideen, denn sie werden nicht von allen Bürgern und Geschäftstreibenden in der Allee geteilt. So könnte sich Kirschstein sehr gut vorstellen, die Straße "im Umgriff in die Fußgängerzone" aufzunehmen und einen Radweg durchführen zu lassen. Das bedeute, die Straße wäre für den Autoverkehr gesperrt.

Tote Bäume, schiefe Straßenlampen, wild wucherndes Grün

So ließe sich stärker der Allee-Charakter mit Bäumen herausarbeiten und der bisher von Parkplätzen beanspruchte Platz schöner gestalten – "die Aufenthaltsqualität steigern", wie es der OB sagt. Denn er meint: "Wer sich gerne in der Allee aufhält, gibt auch sein Geld aus." Und weil die Straße aktuell keinen Allee-Charakter, dafür aber tote Bäume, ungeordnet verteilte Sitzbänke, schiefe Straßenlampen und wild wucherndes Grün zwischen dem Kopfsteinpflaster hat, ist die Straße seit Jahren ein Thema bei Bürgern, Händlern und Stadträten.

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Die Bürger der Stadt haben im Rahmen des Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzeptes (Isek) bereits vor Jahren ihre Vorstellungen für eine schönere Allee zusammengetragen. Der Stadtrat hat das Konzept 2017 abgesegnet (siehe Infokasten). Dort wird die Hornschuchallee als Leitprojekt geführt. Als eines, das "für die Stadtentwicklung besonders bedeutsam" ist.

Neues Leben für das Kolonnenhaus

Fast in der Mitte der Allee steht das für das Straßenbild prägende Kolonnenhaus, 1927 vom Bayerischen-Roten-Kreuz gebaut. Heute ist die Volkshochschule mit Seminar- und Büroräumen sowie das Sport- und Kulturamt des Landkreises in dem städtischen Gebäude eingemietet.

Ziehen VHS und die Ämter in den Landratsamtsneubau (geplante Fertigstellung Herbst 2020) um, könnte das Haus für die Proberäume der Musikschule Forchheim genutzt werden, so Kirschstein. "Als Haus der Musik wäre das eine weitere Perle in der Innenstadt." Im Isek heißt es dazu: "Die Nutzungen und Nutzer des historischen Rathauses und der Hornschuchallee 20 fungieren somit als Frequenzbringer für die Innenstadt."

Die Kulisse mit dem Fachwerkensemble im Hintergrund steht und Sitzplätze sind auch schon vorhanden. Doch beim Straßenbild sieht die Stadt noch Verbesserungsbedarf. © Foto: Patrick Schroll


In welchem Umfang und wann das Landratsamt die Räume verlässt, ist noch offen, sagt Kathrin Schürr, Pressesprecherin des Amtes. Der Plan ist, die Büroräume in den Neubau am Streckerplatz zu integrieren. Hingegen blieben die Unterrichtsräume im Erdgeschoss des Kolonnenhauses, für die es laut Schürr großen Platzbedarf gibt, erhalten. Doch noch ist vieles im Fluss.

Am Stadtentwicklungsplan Isek hängen jedenfalls enorme Fördermittel für Forchheim. Ein großer Isek-Streitpunkt zwischen den Stadtratsfraktionen war damals die angedachte Abkopplung der Hornschuchallee vom Verkehr gewesen. Und der OB befürchtet, dass das noch immer ein großer Streitpunkt ist. "Die Idee, die Durchfahrt zu kappen, war nicht in Isek hineinzubringen", sagt Kirschstein.

Zuerst ein neuer Paradeplatz

Seine Idee, die Straße verkehrstechnisch zu beruhigen, begründet er mit Zahlen. "60 Prozent der Autofahrer nutzen die Hornschuchallee, um einfach durchzufahren, also als Abkürzung. Sie kaufen nicht ein und liefern keinen Beitrag für den wirtschaftlichen Erfolg der Geschäfte." Für Kirschstein ist die Straße aber nicht zur Abkürzung geschaffen worden. "Wir haben die Willy-Brandt- und Adenauerallee für die Hauptumfahrung der Innenstadt."

Im Dezember habe die Stadt ein Planungsbüro beauftragt, einen Blick auf die Verkehrsströme in der Stadt zu werfen. "Eventuell ergeben sich daraus neue Hinweise auch für die Hornschuchallee", sagt Kirschstein. Die Diskussion ist demnach noch nicht abgeschlossen. Zeit, die Isek-Pläne nochmal zu prüfen, bleibt. Bis die Hornschuchallee neu gestaltet wird, werden demnach noch Jahre vergehen. Ein konkretes Jahr ist noch nicht bekannt.

"Viele Baustellen" in der Stadt

"Wir können nicht alles gleichzeitig machen", sagt Kirschstein beim Blick auf die "vielen Baustellen" in der Stadt. Eine der größten in den nächsten Jahren dürfte die Neugestaltung des Paradeplatzes werden (wir berichteten). Nach einem Architekturwettbewerb laufen derzeit die Ausschreibungen für die Arbeiten. In mehreren Bauabschnitten und über mehrere Jahre erhält der zentrale Platz ein neues Aussehen. Ein Baubeginn steht noch nicht fest.

Bleibt es also auf unbestimmte Dauer beim Status Quo in der Hornschuchallee? Kleine, kosmetische Korrekturen sollen möglich sein, sagt der OB. "Wir stehen im engen Austausch mit den Händlern." Sie haben laut Stadtmanagerin Elena Büttner auch den ein oder anderen Wunsch auf ihrem kurzfristigen Wunschzettel. Ein Thema seien beispielsweise die verbeulten Bügel vor den Parkplätzen.

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Büttner, die auch über die neue Händlergemeinschaft HeimFOrteil eng im Austausch mit den Geschäftstreibenden steht, sagt: "Wir müssen uns sehr tief mit dem Thema Hornschuchallee beschäftigen." Dass Stellschrauben gedreht werden sollen, um die Straße attraktiver zu gestalten, wünschen sich letztlich viele in der Stadt. Manche auch schon seit Jahrzehnten.

Hohe Verkehrsbelastung

Im Bereich der heutigen Hornschuchallee befand sich einst der Schweine- und Viehmarkt und eine Marktzone, die später durch den Paradeplatz erweitert worden ist, heißt es im Isek-Konzept. Von einer umgestalteten Allee verspricht sich die Stadt eine Stärkung der Innenstadt.

Stadteigene Verkehrszählungen machten deutlich, dass unabhängig der guten Umfahrungsmöglichkeiten das tägliche Verkehrsaufkommen trotz Verkehrsberuhigungsmaßnahmen in der Nord-Süd-Richtung durch die Innenstadt – und somit der Allee – mit 6 000 bis 10 000 Fahrzeugen noch immer sehr hoch ist. Ein bereits im Oktober 2014 beschlossenes Verkehrskonzept des Stadtrates ist im Dezember 2018 vergeben worden und soll für die künftige Straßenführung in der Allee Erkenntnisse liefern.

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Die Achse Bamberger Straße, Hornschuchallee, Markt- und Paradeplatz, Nürnberger Straße hat große Gestaltungsdefizite, heißt es im Isek. In den Straßenräumen dominiert das Kfz-Geschehen und Fußgänger haben nur wenig Platz. So soll am Ende eine große Perlenschnur stehen. Sie verläuft durch die Forchheimer Innenstadt entlang der Achse Paradeplatz-Hornschuchallee-Bamberger Straße.

Aufenthaltsqualität verbessern

Ideen für eine neue Hornschuchallee gibt es bereits seit Jahrzehnten. In den 1990er Jahren wurde der Bereich als potenzielle Fußgängerzone gesehen. 2001 lautete der Vorschlag, einen verkehrsberuhigten Bereich einzurichten. 2017, bei der Verabschiedung des Isek-Konzepts, schlägt die Stadtverwaltung vor, die Durchfahrmöglichkeit der Hornschuchallee auf Höhe Hausnummer 34/35 (Engstelle nahe Marktplatz) aufzuheben, kann sich damit aber nicht durchsetzen.

Fazit im Isek-Konzept: "Letztlich verfolgen alle Planungsvorschläge der letzten Jahrzehnte den Ansatz, die innerstädtischen Straßen vom Kfz-Verkehr zu entlasten und die Qualitäten für einen Aufenthalt zu verbes-sern. Diesen Ansatz gilt es mit Nachdruck weiterzuverfolgen und umzusetzen." 

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