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Neue Saison: Dürfen Kanus auf der Wiesent in der Fränkischen Schweiz fahren?

Der Bund Naturschutz fordert ein Ende der Geheimniskrämerei und eine Beteiligung am Konzept - 16.02.2021 18:52 Uhr

Noch liegt Schnee an den Ufern der Wiesent wie hier an der Ein- und Ausstiegsstelle bei Muggendorf. Doch sobald das Wetter wärmer wird, ist die Ruhe vorbei. Dann werden auch heuer wieder zahllose Menschen in die Fränkische Schweiz kommen und dabei auch auf dem Flüsschen Boot fahren wollen. Nur eine klare Regelung, wann, wie und wo das möglich ist, kann dann den Ansturm reduzieren.

16.02.2021 © Foto: Stefan Hippel


Die zuständige Behörde im Landratsamt Forchheim hätte aber erst gehandelt, so schreibt der BN in einer Mitteilung, nachdem auf die schwierige Lage vor Ort öffentlich aufmerksam gemacht und das Verwaltungsgericht Bayreuth eingeschaltet worden war. Die Behörde hat daraufhin eine Verträglichkeitsprüfung beim Umweltbüro Anuva in Nürnberg in Auftrag gegeben.

Die Fachbehörde für Fischerei hat ihrerseits das Büro SJE Ecohydraulic Engineering aus Stuttgart beauftragt, die Situation der Fische und der Unterwasserpopulation in der Wiesent unter die Lupe zu nehmen. Aus beiden Gutachten soll am Ende ein Konzept für die Wiesent erarbeitet werden, auf dessen Grundlage künftig die Freizeitnutzung und vor allem das Bootfahren auf dem Flüsschen geregelt werden soll.

"Landratsamt kehrt zur Heimlichtuerei zurück"

Am 9. Dezember 2020 hat das Landratsamt in einer nichtöffentlichen Sitzung einen Zwischenstand beider Gutachten vorgestellt. Dazu waren neben dem BN unter anderem Anlieger an der Wiesent, Fischwasserbesitzer, Behördenvertreter, Bootsverleiher und Vertreter der Kommunen geladen.

Ulrich Buchholz

16.02.2021 © Foto: Stefan Hippel


Doch statt die örtlichen Naturschützer an dem weiteren Verfahren zum geplanten Konzept aktiv zu beteiligen, wie von der BN-Kreisgruppe erhofft und vom Verwaltungsgericht Bayreuth auch so gefordert, "kehrt das Landratsamt aktuell leider wieder zur Heimlichtuerei zurück", sagt Ulrich Buchholz, seit sieben Jahren Kreisvorsitzender des Bund Naturschutz in Forchheim.

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Lichterserenade: Eine romantische Nacht am Gestade der Wiesent

Zum 47. Mal hat die Freiwillige Feuerwehr der Stadt die "Lichterserenade" ausgerichtet – eine romantische Nacht am Gestade der Wiesent im unteren Scheunenviertel – an die 2000 Besucher waren von den Darbietungen begeistert; zunächst zogen – von der Ebser Wasserwacht-Jugend eingesetzt - 1000 "Kerzenschiffla" ihre Bahnen. Mit "Sphärenklängen" unterlegt sorgten einmal mehr die Pyrotechniker von "Eventeffects" aus Küps für eine Lasershow mit knalligem Feuerzauber am Nachthimmel.


"Wir wollen die Ergebnisse endlich einsehen können, das wird uns aber wieder verwehrt. Wir fordern daher das Landratsamt Forchheim auf, hier Transparenz und Offenheit zu zeigen. Im Grunde genommen geht es um die Grundlagen für eine weitere Betriebserlaubnis für die Kanu-Verleiher, die im öffentlichen Raum ihr Gewerbe betreiben wollen", so Buchholz. "Wir haben dem Landratsamt hier unsere Mitarbeit schriftlich angeboten und auch um Einsicht in die Unterlagen gebeten, aber wir haben bisher keine Antwort erhalten", zeigt er sich enttäuscht.


Konzept für Kanus auf der Wiesent: "Arbeiten mit Nachdruck."


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Beim Krebsefischen an der Wiesent

Amerikanische Signalkrebse sind aggressiv und machen heimischen Arten den Lebensraum streitig. "Artenschutz durch Aufessen" heißt deswegen die Devise. Wir waren beim Krebse-Fischen an der Wiesent dabei.


Die Ergebnisse beider Gutachten sollen als Grundlage für die Schifffahrtsgenehmigung dienen, die für das gewerbliche Bootfahren auf der Wiesent nötig ist. "Wir haben aber die Befürchtung, dass das Landratsamt im Frühjahr für die Bootsverleiher kurzfristig eine Schifffahrtsgenehmigung erteilt, obwohl gerade das Gutachten im Fischbereich sehr kritisch war", sagt Buchholz. So habe vor allem das Büro SJE das gewerbliche Kanufahren sehr viel kritischer gesehen als das private Bootfahren. "Wir befürchten, dass gerade diese Aussage unter den Tisch fällt."

Wie viele Brutpaare?

Nicht ganz erklären kann sich Ulrich Buchholz auch die im Dezember in der Sitzung gemachte Aussage des Umweltbüros Anuva, dass es nach wie vor acht Brutpaare des Eisvogels an der Wiesent gebe. Unklar sei hier, ob die Anuva-Mitarbeiter die seltenen Vögel tatsächlich beobachtet hätten oder ob man die Zahl nur so annehme. Der Naturschutzwächter, der an der Wiesent ständig vor Ort sei, weiß aktuell nur von drei Brutpaaren, berichtet Buchholz. Über diese Diskrepanz müsse doch im Vorfeld eines Konzeptes geredet werden, findet er.

Christian Kiehr, der Vorsitzende der Ortsgruppe Ebermannstadt-Wiesenttal, ist ebenfalls äußerst besorgt. "Auch immer mehr Anrainer und Fischwasserbesitzer sind mit der Dauerbelastung auf der Wiesent nicht mehr einverstanden. Sie wenden sich an den BN und wollen wissen, wie die Wiesent künftig besser geschützt werden kann", sagt er.

"Die Zeit drängt"

Die Zeit drängt, sagen die BN-Vertreter. Das Frühjahr steht vor Tür und die Kanuverleiher wollen wissen, ob und wann und unter welchen Auflagen sie wieder Kanus verleihen dürfen. Der BN befürchtet, dass das Landratsamt die dafür nötige Schifffahrtsgenehmigung in einer Nacht- und Nebelaktion erlässt und so wieder Fakten schafft, ohne dass die – gerichtlich verfügte – Beteiligung des BN erfolgt ist. Der BN weist darauf hin, dass das Flusssystem Wiesent Bestandteil des europäischen Natura- 2000-Schutzgebiets "Wiesenttal mit Seitentälern", Nummer 6233-371, sowie des Vogelschutzgebiets Nummer 6233-471 ist. Und die Naturschützer zitieren aus dem dazu gehörigen Managementplan: "Als eine der beliebtesten Freizeitregionen Nordbayerns sieht sich der Naturraum der Fränkischen Schweiz einem enormen Druck seitens der Heerscharen von Besuchern ausgesetzt. Kletterer, Mountainbiker, Kanufahrer, Wanderer dringen in sensible Lebensräume ein und stören und gefährden die heimische Tier- und Pflanzenwelt durch mechanische Beeinträchtigungen, Vermüllung und Lärmemissionen."

Der BN hat zwei weitere Dokumentationen ausgegraben: Eine Kartierung im Auftrag des Landratsamtes Forchheim im Jahre 2018 habe ergeben, dass der früher an der Wiesent typische Bewohner Eisvogel inzwischen kaum noch anzutreffen sei, der Zwergtaucher fehle inzwischen völlig.

Ein Gutachten des Instituts für Vegetationskunde und Landschaftsökologie Hemhofen, erstellt im Auftrag des Landratsamtes, dokumentiere zudem einen schlechten Zustand der Unterwasservegetation, unter anderem verursacht durch ständige Störungen durch Paddelschlag.

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