Mittwoch, 20.11.2019

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Neue Wölfe im Tierpark Hundshaupten: Rabea nicht mehr allein

Zwei Jungtiere aus Dessau leben seit Juli streng getrennt von Leitwölfin - 06.10.2019 15:21 Uhr

Die 13 Jahre alte Leitwölfin Rabea ist aus Sicht der Tierpfleger in Hundshaupten deutlich agiler geworden, seitdem sie nicht mehr allein ist. Ihre früheren Gefährten sind gestorben, die neuen Wölfe Ilja und Iwan leben seit Juli im Nachbargehege und sind noch streng von Rabea getrennt.


Mit eingezogenem Schwanz nähert sich Ilja dem Fressen. Ein Rippenbogen leckeres Rindfleisch liegt vor dem jungen Wolf, nur drei Meter entfernt. Drum herum: vier tote Wachteln, in jeder Himmelsrichtung eine. Doch Ilja zögert, senkt den Kopf, wittert, weicht zurück, läuft nochmal hinter die Büsche. Wie sind die beiden Menschen auf der Brücke einzuschätzen, die ihn unverwandt anstarren? Er weiß es nicht. "Gehen wir ein Stück weiter und benehmen uns wie normale Besucher", sagt Daniel Schäffer.

Sandra Weber und Johannes Pohl kurz vor der Fütterung der Wölfe. Aus Sicherheitsgründen müssen sie immer zu zweit sein, wenn sie ins Gehege gehen. © Foto: Giulia Iannicelli


Gesagt, getan. Nun stört niemand mehr in Blickrichtung des Fleisches. Ilja schleicht sich heran, packt den Fleischbrocken und schleppt ihn auf einem der ausgetretenen Pfade seines Geheges in den hinteren Bereich: "Wahrscheinlich bringt er es jetzt seinem Bruder Iwan", meint Daniel Schäffer. Der Leiter des Wildparks Hundshaupten erläutert dem Reporter das Ritual der Fütterung. Ilja und Iwan, zwei vierjährige Brüder aus Dessau, sind neu in Hundshaupten. Sie belegen den einen Teil des Wolfsgehege, 7000 Quadratmeter groß.

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Seit über drei Jahren allein

Auf der anderen Seite der Besucherbrücke lebt Rabea, eine 13-jährige Leitwölfin, seit mehr als drei Jahren allein. Ihre alten Gefährten Tristan und Jaskow, mit denen sie sich das Gehege in Hundshaupten seit Ende 2011 teilte, sind gestorben. Zunächst war erwogen worden, bis zum natürlichen Ableben von Rabea zu warten, ehe neue Wölfe geholt werden, so Schäffer.

Jungwolf Ilja schnuppert an seinem Fressen. Gleich schnappt er zu und schleppt das Rindfleisch weiter ins Innere seines Geheges, wo auch sein Bruder Iwan nervös umherläuft. © Foto: Giulia Ianncelli


Aber die alte Dame denkt überhaupt nicht daran, das Zeitliche zu segnen: "Seitdem die beiden Jungs hier sind, haben wir das Gefühl, dass auch Rabea wieder sehr viel agiler wurde", sagt Schäffer.

Das Fütterungsritual läuft so ab: Die beiden Tierpfleger Sandra Weber und Johannes Pohl betreten den Bereich unter der Brücke, der beidseitig mit Maschendrahtzaun gesichert ist. Hier öffnen sie eine Pforte, laufen ins Gehege und legen Fleisch und Wachteln zuerst bei Rabea ab, sie ist die Ranghöchste. Danach werden die "beiden Jungs" bedacht.


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Was ist das für ein Gefühl, wenn der Wolf nur wenige Meter daneben steht? Sandra Weber überlegt kurz: "Man muss einen gesunden Respekt vor dem Tier haben, aber ansonsten ist das einfach meine tägliche Arbeit." Aus Sicherheitsgründen müssen die Pfleger bei dieser Arbeit immer zu zweit sein.

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Vorkehrungen für Zusammenkunft getroffen

Als Ilja, der etwas braunere und etwas agilere der beiden Jungwölfe, seine Zähne ins Fleisch haut, ertönt ein schriller Pfiff. Sandra Weber hat ihn mit einer Pfeife erzeugt. Die Wölfe sollen so daran gewöhnt werden, dass Pfiff und Fütterung miteinander zusammenhängen.

Kommen Ilja und Iwan irgendwann mit Rabea zusammen? Das ist noch nicht ausgemacht, erklärt der Tierparkchef. Aber die Vorkehrungen dafür sind getroffen. Wenn die begehbare Box unter der Brücke einseitig geöffnet werden würde, könnten sich Rabea und die beiden Männchen durch den Zaun buchstäblich beschnuppern.

Dann werde man sehen, sagt der Tierparkleiter, ob sie sich verstehen oder nicht und ob gegebenenfalls die Box in beide Richtungen geöffnet wird. Wie lange dauert das? "Wir geben keine Zeitvorgabe", so Schäffer. Es könnte auch sein, dass die drei nie "vergesellschaftet" werden. Es wird einfach abgewartet, was passiert.

Ein "hoher Schauwert"

"Zum Glück zeigen sich die zwei Neuen sehr gerne", freut sich Schäffer. Wölfe haben natürlich einen "hohen Schauwert". Wobei Iwan deutlich zurückhaltender zu sein scheint. Während sein Bruder schon an der Beute nagt, hält sich Iwan noch im Gebüsch verborgen und läuft zunächst im großen Bogen um das leckere Mahl herum. Drei Wölfe in Hundshaupten: Könnte es nicht sein, dass ab und an ein wilder Wolf von der anderen Seite des Zaunes hereinschaut? Immerhin ist der Veldensteiner Forst, in dem ein sechsköpfiges Rudel lebt, nicht weit entfernt. Ausgeschlossen ist das nicht, sagt Schäffer. Aber davon bekommen die Menschen im Tierpark natürlich nichts mit.

Vier Zoo-Tierpfleger sind im Tierpark Hundshaupten angestellt, außerdem zwei Auszubildende und, ganz neu, zwei junge Leute, die ihr Freiwilliges Ökologisches Jahr im Tierpark ableisten: "Dafür hatten wir mehr Bewerber als Stellen", stellt Schäffer fest. Er klingt zufrieden.

Den Besucherrekord von 2018 mit über 150.000 Menschen wird der Park in diesem Jahr wohl nicht erreichen. Aber die 100.000er Marke wurde schon vor geraumer Zeit gerissen: "Jetzt kommt es auf das Wetter im Oktober an."

"Sensibilisierung der Öffentlichkeit"

Geht es nach Daniel Schäffer, dann wird es im Tierpark Hundshaupten bald auch Waschbären zu sehen geben. Über eine Million dieser einst aus Nordamerika eingeschleppten Tiere leben wild in Deutschland. Warum sollen sie dann in Hundshaupten hinter Gittern gezeigt werden? Schäffer: "Zu unseren Aufgaben gehört auch die Sensibilisierung der Öffentlichkeit."

Im Falle der Waschbären gehe es darum, Verständnis für deren Bekämpfung zu wecken: "Sie haben keine natürlichen Feinde." Die Beutetiere sind nicht auf sie eingestellt und weil sie gut klettern können, nehmen Waschbären daher Nacht für Nacht unzählige Vogelnester aus.

Diese Fragen berühren schon den Bereich Umweltbildung, dem sich der Tierpark verpflichtet sieht. Seitdem das Grüne Klassenzimmer eingerichtet wurde (2015) nahm die Zahl der Führungen von Klassen, Kindergeburtstagen und anderen Gruppen sehr stark zu: von 35 Führungen im ganzen Jahr 2017 bis 180 Führungen 2019 allein bis September. Die drei Wölfe sind dabei natürlich einer der Höhepunkte. Zum Glück zeigen sie sich ja gern.

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