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Neuer Kreisel, neue Brücke: Gute Nachrichten für Radler im Kreis Forchheim

Mitunter gefährliche Situation zwischen Hausen und Kersbach soll sicherer werden - 23.04.2021 08:00 Uhr

Die aus dem Jahr 1975 stammende Kreisstraßen-Brücke über die Autobahn A73 zwischen Hausen und Kersbach soll einem beleuchteten Ersatzneubau weichen, der einen richtigen Radweg erhält – 2,50 Meter breit und mit Schutzplanken zwischen Straße und Radweg.

22.04.2021 © Eduard Weigert


Die scherzhafte Anspielung auf den vieldiskutierten Kersbacher Kreisel konnte man sich im Bauausschuss des Kreistages nicht verkneifen: „Ich dachte mir schon: Das ruft nach Kunst!“, meinte Landrat Hermann Ulm (CSU) lachend, nachdem sein Parteikollege Edwin Dippacher bat, bei diesem Kreisverkehr doch lieber auf moderne Kunst zu verzichten. 

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Noch aber existiert „dieser Kreisverkehr“ südlich von Forchheim, zwischen Hausen und Kersbach, nur in den Plänen des Kreistiefbauamts. Die Rede war von dem Ort, an der die Äußere Nürnberger Straße (amtlich: Staatsstraße 2244, im Volksmund: alte B4) und die Kreisstraße gen Kersbach aufeinandertreffen. Eine „Unfallhäufungsstelle“ bezeichnete Tiefbauamts-Chef Dieter Els die mangelhaft ausgebaute Kreuzung. 

Immer mehr Lkw

Die Planungen, dort einen Kreisverkehr zu errichten, gibt es schon länger und das nicht nur, weil es hier häufig kracht: Michael Hümmer vom Tiefbauamt sprach von rund 9500 Fahrzeugen am Tag, die im Jahresdurchschnitt die Kreuzung passieren – und der Schwerlastverkehr habe sich („Stichwort Simon Hegele und Siemens) zwischen 2005 und 2015 gar verdoppelt. 

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Von seinen Dimensionen her ist der geplante Kreisverkehr fast identisch mit dem Kersbacher Kreisel (Außendurchmesser: 40 Meter), seine Fahrbahn soll mit sieben Metern breit genug sein, damit ihn auch die größten Sattelzüge problemlos passieren können. Die voraussichtlichen Gesamtkosten bezifferte Els mit etwa einer Million Euro. Er geht aber davon aus, dass der Landkreis nur rund 370.000 Euro berappen muss, die „größtenteils förderfähig sind“; den Löwenanteil trägt das Staatliche Bauamt Bamberg. Und: Im Zentrum des Kreisels ist ein zwei Meter hoher Hügel vorgesehen – der, um auf eventuelle Befürchtungen einzugehen, „normal und nicht zu unterhaltsintensiv“ bepflanzt werden soll. 

Eine "Unfallhäufungsstelle" ist die Kreuzung der Kreis- und der Staatsstraße zwischen Hausen und Kersbach. Hier soll ein Kreisverkehr Abhilfe schaffen.

22.04.2021 © Eduard Weigert


Von größerer Bedeutung als die Gestaltung der Verkehrsinsel war jedoch, dass auch die vorhandenen Rad- und Gehwege an den Kreisverkehr angeschlossen werden sollen, samt Querungshilfen. Denn die Kreisstraße nach (beziehungsweise von) Kersbach verändert nur wenige Hundert Meter östlich des geplanten Kreisels ebenfalls ihr Gesicht – zumindest in fernerer Zukunft.

46 Jahre hat die dortige Brücke über die A73 schon auf dem Buckel und für Fahrradfahrer ist sie ein Graus. „Untragbar“ nannte Dippacher die Zustände. Deshalb will der Landkreis einen nächsten Lückenschluss im südlichen Radwegenetz vollziehen: Barrierefrei, radler- und spazierfreundlich soll es werden zwischen dem geplanten Kreisel und der Bahn-Brücke – mit Anschluss zum neuen S-Bahn-Halt Kersbach. Dafür muss auf halbem Weg aber die alte A73-Brücke, die zwischen den Geländern gerade einmal 9,50 Meter breit ist, für einen Ersatzneubau weichen, auf dem auch Radler sicher Platz haben. 

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Die Pläne hierfür stellte Berno Baumann vor, zuständig für Brücken in der Bayreuther Dienststelle der Autobahn GmbH des Bundes (seit 2021 die Rechtsnachfolgerin der ehemaligen Autobahndirektion Nordbayern). Demnach soll der Brücken-Neubau fit für Schwerlastverkehr gemacht werden, mit einer Breite von rund 7,50 Metern zwischen den Fahrbahnborden. Und dazu gesellt sich auf der Südseite der Brücke ein 2,50 Meter breiter Geh- und Radweg. 

Der Überbau der gesamten Brücke soll eine Stützweite von knapp 50 Metern besitzen und auch eine Straßen- beziehungsweise Radwegbeleuchtung ist vorgesehen. Über die genauen Gesamtkosten des Großprojekts von Kreis und Bund kann momentan nur spekuliert werden, doch bislang ist eine Summe von 6,2 Millionen Euro realistisch. Tiefbauamts-Chef Els ging von etwa 1,9 Millionen Euro aus, die dabei der Landkreis zu tragen hätte – nach Abzug der möglichen Fördermittel verblieben geschätzte 760.000 Euro. 

Weil für den Brückenneubau noch viel Arbeit in Sachen (Vor-)Planung, Grunderwerb und Umweltschutz (zum Beispiel die Umsiedlung von Eidechsen) anstehe, wollte Baumann keinen exakten Zeitplan nennen. Als frühesten Termin für den Beginn der Maßnahme prognostizierte er 2023 und dann „in der Regel ein Jahr für Abriss und Neubau“.

Schneller dürfte es beim Kreisverkehr gehen: Hier sei der Grunderwerb im Wesentlichen schon abgeschlossen, so Els, bald könne die Ausschreibung in Angriff genommen werden. Beide Projekte segnete der Ausschuss zuletzt einstimmig ab – auch, wenn Torsten Gunselmann (CSU) anmerkte, dass man sich inzwischen in einen „Landkreis der Kreisverkehre“ verwandle.

PHILIPP ROTHENBACHER

 

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