Neues Kochbuch über den Landkreis Forchheim

15.2.2017, 10:00 Uhr
Biotope tischen die Studierenden mit ihrer Professorin (4. v. re.) in ihrem Naturschutz-Kochbuch in der Gereonskapelle auf. Bisher ist es nur ein Entwurf.

Biotope tischen die Studierenden mit ihrer Professorin (4. v. re.) in ihrem Naturschutz-Kochbuch in der Gereonskapelle auf. Bisher ist es nur ein Entwurf. © Foto: Udo Güldner

Etwas essen, um es zu erhalten? Kochen für seltene Arten und gefährdete Biotope? Was auf den ersten Blick paradox klingen mag, entfaltet bei näherem Hinsehen seine eigene Logik. "Es sind alles menschengemachte Biotope, die ohne schonende Nutzung einfach verschwinden," so Viviane Franz (22) aus Berlin. Also haben sich die Projektteilnehmer erst einmal kundig gemacht, was im Landkreis Forchheim an schützenswerten Lebensräumen zu finden ist, und was dort an essbaren Tieren und Pflanzen vorkommt.

Dabei sind sie auf Kalkscherben- und Sandäcker gestoßen, auf denen besonders Wintergetreide gedeiht. "Feuchtwiesen und Magerrasen eignen sich für die Beweidung, um Milch- und Milchprodukte sowie Fleisch zu erzeugen," erläuterte Lana-Samira Anklam (23) aus Goslar. Abgerundet wird das pflanzliche Angebot noch durch tierische Produkte wie Fisch und Wild, die in Still- und Fließgewässern, sowie im Wald leben. Nicht zu vergessen die Hecken mit ihren Früchten.

"Wir haben in der Nähe auch schon erste Ansätze", weiß Johannes Mohr, im Landratsamt für die ökologische Entwicklung zuständig. Der Biologe erzählt vom "Naturschutz-Karpfen", der bereits im Aischgrund schwimme. Weniger Fische im Teich brauchten kaum Kraftfutter, kaum Chemie und fast keine Technik. "Das nützt der Umwelt und dem Verbraucher." Der müsse eben bereit sein, dafür etwas tiefer in die Tasche zu greifen.

Die betreuende Professorin Dr. Christina von Haaren (62) vom "Institut für Umweltplanung" kennt die Region bereits aus dem Vorjahr. "Da hatten wir ein Master-Projekt zu Streuobstwiesen." In dieser Nische sei der Landkreis Forchheim bereits sehr weit, wenn der Fokus auch auf der Regionalität und nicht so sehr auf dem Naturschutz liege.

Ein halbes Jahr haben Lea Jacobs (21) aus Koblenz, Tabea Stanke (19) aus Hildesheim und Henrike Philipps (21) aus Lüneburg mit ihren Studienkollegen sich auch mit den invasiven Arten befasst, also mit Pflanzen und Tieren, die aus aller Welt den Weg hierher finden und dabei angestammte Arten verdrängen. "Am besten ist es, diese einfach aufzuessen," lautet das Fazit Marleen Stemwedels (22) aus Hannover. Das "Naturschutz-Kochbuch" vereint Rezepte für Löwenzahn-Sirup, Feldahorn-Salat oder Butterplätzchen mit Mehlbeere. Aus den Blüten und Blättern des im Himalaya heimischen Drüsigen Springkrauts wird Gelee, die jungen Triebe des zähen, kaum ausrottbaren Japanischen Staudenknöterichs werden geschmort.

Bei der Präsentation rieten die Zuhörer zu deutlich mehr Rezepten, zu einer Ausdehnung auf die gesamte Fränkische Schweiz und zu einem flankierenden Social-Media-Auftritt. Weil es sich um einen Zwischenbericht handelt, bleibt noch Zeit und Gelegenheit für Ergänzungen.

Chance in der Gastronomie?

Für die Vermarktung sehen die Nachwuchswissenschaftler die Chancen in der Direktvermarktung, der Gastronomie und im Einzelhandel. "Am besten mit einem Etikett, damit die Verbraucher erkennen können, durch welche Produkte einmalige Biotope geschützt werden," schlug Lukas Göttgens (30) aus Vorwerk vor.

Kaufen kann man das Rezeptbuch und das Quartett bislang noch nicht. "Das sind Prototypen, die erst noch weiterer Überarbeitung bedürfen", so Maike Senne (23) aus Hannover. Aber einige schmackhafte Häppchen konnten die Besucher in der Gereonskapelle schon einmal kosten.

Viel Zeit bleibt den Studierenden vor ihrer Rückreise nach Niedersachsen nicht, wie Anna Mittelstaedt (23) aus Oldenburg anfügt: "Wir haben einen Tag, um den Landkreis, den wir nur von Karten und Bildern kennen, mit eigenen Augen zu sehen."

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