Nur Bongos überstehen fetzige Nummern

1.4.2019, 08:00 Uhr
In der Kneipe Lohmühl‘ hatten „Soul Jam“ aus Bamberg die Basecap auf und rissen das Publikum, wie zu sehen, mit ihrer Mischung aus Rap, Rock und Dialekt mit.

In der Kneipe Lohmühl‘ hatten „Soul Jam“ aus Bamberg die Basecap auf und rissen das Publikum, wie zu sehen, mit ihrer Mischung aus Rap, Rock und Dialekt mit. © Foto: Udo Güldner

Die NN haben sich auf den Weg durch die Innenstadt gemacht und viele gut gelaunte Menschen, großartige Musikgruppen und hochmotivierte Helfer des Vereins Megafon und des Jungen Theaters getroffen.

Immer wieder laufen einem fröhliche Menschen über den Weg. Sie kommen aus dem Paletti, in dem gerade noch genug Platz war, um auf wenigen Quadratzentimetern das Gegenüber zu umschlingen. Vielleicht weil man an der hart umkämpften Bar keinen Platz mehr bekommen hat.

Vorne auf einer improvisierten Bühne fachen die "BBQChiefs" mit brandheißem Blues die Glut an. Ein Feuer, das nur mit kühlen Getränken unter Kontrolle gehalten werden kann. Manch einer nutzt die Möglichkeit und feiert einen Junggesellinnen-Abschied oder ein Klassentreffen.

Rap, Rock, Dialekt

Andere sind als Pärchen unterwegs oder wollen im Laufe des Abends noch eines werden. Kontaktscheu jedenfalls sollte man in der Lohmühl’ nicht sein. Dort haben "Soul Jam" aus Bamberg die Basecap auf. Am Zapfhahn kommt man gar nicht hinterher, so begeistert zeigt sich das junge Publikum von der Mischung aus Rap, Rock und Dialekt.

Bei Lucky Schmidt kann man sich dann etwas erholen. Die Musikerlegende hat sich im Feinkostgeschäft Karnbaum niedergelassen, um einige seiner eigenen Kompositionen aus sieben Jahrzehnten Rock und Jazz in die Tasten zu träumen. Wenn ihm da nicht ständig Bekannte, Freunde und Weggefährten in die Quere kämen, mit denen er über die alten Zeiten oder das Leben an sich philosophiert. Wie in seiner Musik, eben nur ohne Töne.

Wenige Meter weiter jenseits der Wiesent gelingt es dem neu formierten Trio um Alex Feser, die hellhörigen Räume des "Checkout" mit akustischen Songs nicht zu überfordern. Wo einst die Jam Sessions für volles Haus gesorgt haben, sind der Forchheimer Gitarrist und seine beiden Kollegen aus Spanien und Ecuador nun mit Cowboy-Klassikern unterwegs.

Wer keine der begehrten Eintrittskarten ergattern konnte, flüchtet sich mit einem Bierchen vor das Lokal und sucht, den einen oder anderen Song durch die Wand aufzuschnappen. Bei Hardrock-Formationen wie "Rocktide" ist das auch kein Problem. Sie haben für die ganz harten Jungs mit ihren Lederjacken, die als Markenzeichen des Schlößla gelten dürfen, noch härteren Rock dabei. Eine Belastungsprobe für Mensch und Material sind auch die fetzigen Nummern im "Gringo". Bei "The Superflys" in der Alten Wache reißen die Gitarrensaiten gleich reihenweise. Nur die Bongos überstehen die rhythmischen Handgreiflichkeiten. Für einen Flirt mit weiblichen Gästen bleibt aber immer noch Zeit.

Das Currywoschdhaus liegt für wenige Stunden nicht mehr am Paradeplatz, sondern an den Ufern des Mississippi. Wo einst Muddy Waters in Clubs und Bars für Geld alles spielte, was unterhaltsam war. Die "Main Isar Bloozeboyz" kommen aus Würzburg und München, machen mit Dobro-Gitarre und Mundharmonika aber auch nichts anderes. Sehr zum Vergnügen des Publikums, das sich köstlich darüber amüsiert, dass da im Blues vor den Folgen des Alkohols gewarnt wird. Derlei Stimulanzien braucht die großkalibrige Spaßkanone McEbel nicht, um im Stadtlockal die Gäste als Ein Mann-Blues-Band zu unterhalten. Deren Begeisterung über fabelhafte Johnny Cash-Covers bekommen die Holztische hautnah zu spüren. Freiwillig verlässt hier keiner den Raum, nur Nikotinhang oder Harndrang zwingen dazu.

Auftritt im Regenwald

Als sich das KneipenFETZT dem Ende zuneigt und die vielen ehrenamtlichen Helfer bereits mit den Aufräumarbeiten begonnen haben, treibt es die Tanzwütigen in den Kronengarten. Der besondere Charme des 50-er Jahre-Saals ist im Halbdunkel kaum zu bemerken. Dafür aber ist die Luftfeuchtigkeit durch hunderte, heißblütige Gäste so hoch, dass "Blechhulza" auch im Regenwald hätten auftreten können. Nicht einmal die Neue Deutsche Welle bringt Abkühlung.

Ähnliche klimatische Verhältnisse sind im Gasthaus am Marktplatz zu erleben. Dort haben "Jimby Jones" ihre Zuhörer mit ausgelegten Ramones-Shirts gehörig in die Irre geführt. Denn was das Quartett dann in die Mikrofone singt, sind keine knallharten Punkrocksachen, sondern ganz entspannter Reggae, der selbst die Kohlensäure im Bier beruhigt.

Nach sechs Stunden ist das KneipenFETZT in friedlicher Atmosphäre mit der "Jamily" im Jungen Theater zu Ende. Kaum zu glauben, dass es nur von Ehrenamtlichen wie Ulli Raab, Gerhard Weiß, Jan Rüther und Claus Mainhardt auf die Beine gestellt worden ist.

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