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Sonntag, 19.05.2019

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Offenes Podium im JTF ist Publikumsliebling

Großer Andrang: Nicht jeder Zuschauer fand einen Sitzplatz - 18.03.2019 12:00 Uhr

Der Kinderzirkus Mozzarella aus Erlangen, unter der Regie des Burker Lehrers Fritz Dittrich, bezauberte die Zuschauerinnen und Zuschauer des Offenen Podiums mit Kunst und Poesie. © Foto: Udo Güldner


Es kommt nicht oft vor, dass man in den heiligen Hallen unter der Kasernstraße plattdeutsche Lieder hört. Schon gar nicht solche, die Hannes Wader einst auf der Zunge hatte. Erst ein waschechter Ostfriese wie Friedrich Bekaan macht das "Dat du min leevsten büst" möglich.

Mit dem Gitarristen Hermann Buchfelder aus Forchheim und Bassist Roland Zimmermann aus Eggolsheim bildet er die Zwei-Drittel-Rentnerband "Roland & Friends". Die hat sich vor zwei Jahren zusammengetan, um ihrem Idol Bob Dylan zu huldigen. "Wir spielen aber alles von ABBA bis Zappa", so Zimmermann. Später wird Hermann van Veen mit "Was sollen wir trinken sieben Tage lang?" das eine oder andere musikalische Fass aufmachen, bis das Publikum trunken vor Glück Zugaben herbeiklatscht.

Erlanger Gymnasiasten machen Zirkus

Der unumstrittene Höhepunkt des Abends ist der Auftritt des Schulzirkus "Mozzarella", den man vom ZirkArt-Festival und Kooperationen mit dem Kinderzirkus Buckenhofen in Erinnerung haben mag. Ein Dutzend Schüler des eigentlich naturwissenschaftlichen Marie-Therese-Gymnasiums Erlangen erzählen mit Bällen, Keulen, Ringen oder Stöcken ein akrobatisches Märchen. Ausgedacht haben sich die abwechslungsreiche Geschichte um eine einradfahrende Prinzessin und einen umwerfenden Jonglier-Wettbewerb mitten im Wald die Q12-Schülerinnen Charlotte Moritz und Annika Münster. Wobei im Hintergrund seit 23 Jahren Fritz Dittrich aus Burk die Fäden zieht.

Der Kinderzirkus Mozzarella aus Erlangen. © Udo Güldner


Den Lehrer für Sport, Wirtschaft und Ethik sieht man auf der Bühne aber nicht. Dort erfreuen, verblüffen, begeistern die Jugendlichen mit viel Geschick, Poesie und Humor die Zuschauer. Nach einer halben Stunde, wie im Flug vergangen, sind die Drei-Käse-Hochs ganz groß herausgekommen.

Einziger Solo-Künstler ist Eberhard Wilhelm, ehemaliger Leiter der Städtischen Sing- und Musikschule. Freilich hat er seine Gitarre im Arm und einige Klassiker aus dem "Great American Songbook" in petto: "Mit diesen Songs bin ich aufgewachsen." Dass dabei auch die eine oder andere klassische Melodie "gekonnt geplündert" wurde, zeigen "I’m always chasing rainbows", durch Judy Garland berühmt geworden, und Bob Dylans "Full moon in empty arms". Dahinter stecken ein fantasievolles Impromptu Chopins, eine träumerische Reverie Debussys und das hochromantische zweite Klavierkonzert Rachmaninoffs.

Etwas lang geriet das Interview des Journalisten Michael "Mike" Wuttke mit seinem Freund Günther Hübschmann. Der 77-jährige Forchheimer erzählte von seiner Zeit als Ministrant in St. Martin. Vom legendären Mesner Erwin Kist, der den Messwein milliliterweise eingeschenkt habe, vom Stadtpfarrer Johann Fiedler und seinen Kurzgottesdiensten und vom Hype um Heroldsbach, der vor sieben Jahrzehnten tausende Pilger an den Ort vermeintlicher Marienerscheinungen gelockt hatte.

Löwenzahn nennen sich Sänger Markus Godde und Schlagzeuger Cedric Müller aus Ebermannstadt, Gitarrist Tristan Chamberlain aus Weilersbach und Pianist René Lehmann aus Niedermirsberg © Udo Güldner


Ihren ersten Auftritt außerhalb des Gymnasiums Ebermannstadt hatten vier Jungs, die sich seit drei Jahren "Löwenzahn" nennen. "Weil wir mit unserer Musik auch nicht nur den Umkreis erreichen wollen." Zwei machen gerade Abitur, die anderen studieren beziehungsweise sind in einer Ausbildung. Sänger Markus Godde und Schlagzeuger Cedric Müller aus Ebermannstadt, Gitarrist Tristan Chamberlain aus Weilersbach und Pianist René Lehmann aus Niedermirsberg haben es mit sanften Cover-Versionen der Punkrock-Band "Green Day", in denen sie zerbrochenen Träumen hinterhertrauern.

Oder sie lassen sich von einer Springflut an Akkorden über die Bühne tragen, die der Liedermacher Vance Joy ausgelöst hat. Nur wenn sie verträumt sind, zählen sie mit der Rockband OneRepublic die Sterne über sich. Wäre der Schlagzeuger an diesem Abend nicht indisponiert gewesen, das Konzert hätte auch noch den letzten vom Fußboden gerissen. 

UDO GÜLDNER

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