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Öko-Kampagne erfasst die Fränkische Schweiz

29-Fränkische-Schweiz-Gemeinden wollen eine leistungsstarke Ökomodell-Region werden - 04.08.2019 08:30 Uhr

„Alles was Odem hat, lobe den Herren!“ Dabei ist der Klimanotstand laut dem Pegnitzer Bürgermeister Uwe Raab längst eine beunruhigende Tatsache. Engagiert beschwor der Kommunalpolitiker jeden einzelnen zu aktiver Mitarbeit in der Ökomodellregion. © Foto: Martin Glas


Der Verein "Zukunft Gößweinstein" hatte eingeladen. Vorsitzender Klaus-Dieter Preis war hoch zufrieden, dass so viele Menschen aus den beiden ILEs "Wirtschaftsband A 9 – Fränkische Schweiz" und "Fränkische Schweiz aktiv" Interesse an der Initiative zeigten. Auch Bürgermeisterin Christiane Meyer aus Ebermannstadt und ihr Pegnitzer Amtskollege Uwe Raab, der auch Sprecher beider ILEs ist, waren gekommen.

Uwe Raab gab zu Beginn ein engagiertes Statement ab, in dem er gestand, dass ihm angst und bang werde, wenn er sich die aktuellen Vorträge der Klimaforscher Harald Lesch und Hans Joachim Schnellhuber vergegenwärtige. Denn systematisch zerstöre der Mensch die globalen Lebensgrundlagen und im Zuge bester betriebswirtschaftlicher Gewinnmaximierung hetzen alle mit offenem Visier in die Katastrophe.

"Menschheit hat Budget überschritten"

Die Menschheit habe ihr Ressourcenbudget überschritten und fahre bereits auf Felge, so Raab. Kommunen, auch in Deutschland, hätten bereits den kommunalen Klimanotstand ausgerufen.

Deshalb hätten sich die 29 Kommunen der beiden ILEs entschlossen, mit der Fränkischen Schweiz als Ökomodellregion eine Bewerbung zu starten, die erfolgreich gewesen sei. Nun müsse man soweit kommen, das landwirtschaftliche Betriebe in der Fränkischen Schweiz vermehrt auf ökologische Bewirtschaftung umstellen. Dafür brauche es laut Raab eine bessere Vernetzung von Erzeugern, Verarbeitern, Verbrauchern und den Großküchen der Region. Der Gast aus Pegnitz kündigte die Gründung einer Steuerungsgruppe an, die schon einmal getagt hatte. Es solle in Arbeitsgruppen in enger Verzahnung mit den politischen Verantwortlichen aus allen Mitgliedsgemeinden Gemeinsames auf den Weg gebracht werden. Es müsse sich jetzt ein Projektmanagement bilden, so Raab.

Alleskönner und Verhandler

Nach seiner festen Überzeugung braucht die Ökomodellregion eine Bürolösung. Denn eigenes Personal dafür einzustellen sei viel zu aufwendig. Man brauche die Alleskönner, die in Gummistiefeln im Acker beim Bauern stehen und dessen Sprache sprechen und wiederum solche Mitarbeiter, die geschickt mit Behörden und Ministerien verhandeln können.

Dafür haben die beiden ILEs vorerst ein jährliches Budget von 100 000 Euro, das zu 75 Prozent vom Freistaat gefördert wird. Wie Uwe Raab bekannt gab, erfolgte die Ausschreibung für ein Büro am 31. Juli. Sieben Büros wurden angeschrieben. Am 1. November — wenn es nach Raab geht, bereits am 1. Oktober — will man mit praktischer Arbeit beginnen.

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Atemberaubende Schönheiten: Die Fränkische Schweiz von oben

Aus bis zu 2.500 Metern Höhe blickte Tom Schneider, Fotograf aus Ebermannstadt, bei einer Fahrt mit einem Heißluftballon auf Dörfer, Natur und wunderschöne Ecken der Fränkischen Schweiz und des Landkreises Forchheim.


Aufgebaut werden soll dann von einem externen Projektmanager ein funktionierendes Netzwerk mit Akteuren aus verschiedenen Organisationen, Institutionen, Behörden, Gruppierungen, Verbänden, Kommunen, Verwaltung und Politik.

Erste Projekte genannt

Als erste Projekte der Ökomodellregion Fränkische Schweiz kündigte Uwe Raab ein ökologisches Getreidelager an, zusätzlich die Gründung von Erzeuger- und Verbraucher- Gemeinschaften, Bioprodukte für die Produzenten von Gemeinschaftsverpflegungen, eine Streuobst-Allianz und die Anpflanzung der Sylphie-Becherpflanze anstatt der Vermaisung.

In Zusammenarbeit mit dem Fränkischen Theatersommer will man eine Aufklärungskampagne starten: "Warum Bio?", sollen die Mitarbeiter plausibel erarbeiten und beantworten. Weiterhin sei die verstärkte Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit wichtig, damit die Bevölkerung aller 29 Fränkische Schweiz Gemeinden von der gesunden Bioernährung der vor Ort erzeugten Bioprodukten überzeugt werde.

Man müsse, so Uwe Raab, nun bewusstseinsbildend und beispielhaft vorangehen und auch so handeln. Dazu brauche es eine breite Phalanx vernünftiger Akteure. Für den Pottensteiner Lehrer im Ruhestand, Dieter Hoch, der maßgeblicher Initiator der Ökomodellregion ist, sind die 100 000 Euro ein lächerlicher Betrag.

"Das ist ein Witz für 29 Gemeinden, denn wir bräuchten für jeden Betrieb, der auf Bio umstellen will, eine Anschubfinanzierung von 50.000 Euro", so Hoch. "Da muss ein Aufschrei nach München gehen, sonst sind die Ökomodellregionen nichts weiter als ein ökologisches Feigenblatt", rief Hoch in den Saal.

29 Gemeinden schaffen viel

Uwe Raab meinte, dass es so manchem nicht schnell genug gehe und sich viele eine höhere Bezuschussung wünschten: "Lasst uns doch erst einmal starten, ich spreche dann gerne mit Ministerin Kaniber über mehr Fördergelder", versprach der Pegnitzer den Besuchern.

Gößweinsteins Bürgermeister Hanngörg Zimmermann betonte, das man heute nicht hier wäre, hätte es diese Förderung des Freistaats nicht gegeben. "Mit 29 Gemeinden können wir ein Vielfaches aus den 100.000 Euro herausholen", betonte Zimmermann. Dies sieht auch Klaus-Dieter Preis von "Zukunft Gößweinstein" so.

Die Kommunen müssten noch was drauf legen und dann der Freistaat: "Das Thema Ökomodellregion treibt die Menschen um. Ich bin fasziniert davon, dass in unserer Region so viele dafür unterwegs sind. Die Zeit ist da, die Zeit ist reif und es wäre eine Katastrophe, wenn die Ökomodellregion ein Papiertiger wird", betonte Preis. Noch in diesem Herbst will er zu einer Nachfolgeveranstaltung einladen, um zu sehen, was sich bis dahin schon getan hat. 

THOMAS WEICHERT

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