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Ostereier in der Luft: Über fränkische Bräuche zum Osterfest

Osterbrunnen-Expertin und Kreisbäuerin über Osterbräuche in Zeiten von Corona - 12.04.2020 07:32 Uhr

Der wohl berühmteste Osterbrunnen der Fränkischen Schweiz in Bieberbach. Dieses Jahr ist das Schmücken coronabedingt ausgefallen.

04.04.2018 © Roland-Gilbert Huber-Altjohann


"Früher lag oft auch Schnee. Da waren die bunten Eier gut zu sehen", erinnert sich Barbara Pickelmann. Heute lebt die 60-Jährige in Bieberbach, aufgewachsen ist sie in der Gegend rund um Pottenstein. Als Kind hat das Eierwerfen zur Ostertradition gehört. "Dafür haben sich die Kinder aus der Nachbarschaft getroffen."

Barbara Pickelmann aus Bieberbach denkt gern an das Eierwerfen als Kind zurück.

10.04.2020 © Foto: Barbara Pickelmann


Auch wenn sie den Brauch aus Kindertagen heute nicht mehr pflegt – Ostern ist ein wichtiges Fest im Leben von Barbara Pickelmann geblieben. "Es ist ein hohes christliches Fest für unsere Familie", sagt sie. Dabei zeigt der mit Ostereiern festlich geschmückte Balkon am Hause Pickelmanns nur einen Bruchteil ihres Engagements.

Staunende Gäste aus aller Welt

Seit 1982 schmückt der Brauchtumsverein Club 22 jährlich mit Tausenden Eiern den Bieberbacher Osterbrunnen. Pickelmann ist Club-Vorsitzende. Von der Mühe der Arbeit und der Pracht des fertig geschmückten Brunnens lassen sich Gäste aus aller Welt in das gerade mal 300 Einwohner kleine Dorf in den Bann ziehen - wie auch unser Video aus dem Jahr 2018 zeigt. Dieses Jahr macht Corona den Aktiven einen Strich durch die Rechnung, trotz aller getroffenen Vorbereitungen. Der Brunnen soll weder die Massen anlocken, noch sollen sich die Club-Mitglieder beim Schmücken zu nahe kommen.

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Die vorbereiteten Girlanden parken gerade zwischen. "Wenn alles ausgestanden ist, treffen wir uns mit den Vereinsmitgliedern und verstauen die Eier bis nächstes Jahr." Etwa sechs Familien sorgen jährlich für 300 bis 400 neue Eier, die sie ausblasen und bis zum Jahresende sammeln. Ab Januar wird Tag und Nacht gemalt, um die zerbrechlichen Kunstwerke an den Brunnen zu bringen.

"Gehört zum fränkischen Jura"

Auch für Kreisbäuerin und Vize-Landrätin Rosi Kraus aus Ühleinshof sind die fehlenden Brunnen dieses Jahr ein Einschnitt. "Sie gehören zur Tradition im fränkischen Jura einfach dazu", sagt sie. Diese Zeiten, sie sind "eine Erkenntnis, dass nicht alles selbstverständlich ist". Für Kraus steht fest: "An dieses Ostern wird man sich lange erinnern."

Für Kreisbäuerin und Vize-Landrätin Rosi Kraus gehört das Eier-Suchen dazu – auch für ihre schon erwachsenen Kinder.

10.04.2020 © Foto: Rosi Kraus


Tradition, das ist für Kraus das Osternest. Eine mit Schokolade und buntgefärbten Eiern versteckte Überraschung, verstaut in einer Backform, die mit echtem Moos ausgelegt ist – Kindheitserinnerungen der Landwirtin. "Ostern ist wie Weihnachten, eine traditionelle Zeit mit Feiertagen", sagt Kraus. "Das drücke ich auch mit Schmücken im Haus aus."

Bewusst Zeit für die Familie

Feiern lässt sich Ostern in diesem Jahr coronabedingt nur eingeschränkt. Schwestern und Schwägerinnen treffen sich bei den Pickelmanns in Bieberbach normalerweise jährlich abwechselnd zum Mittagessen und Kaffeetrinken. "Man nimmt sich bewusst Zeit und einen Tag für die Familie heraus, um sich bewusst zu unterhalten", sagt die 60-Jährige. Dieses Jahr nurmehr zu viert. Ohne die Tochter. Die lebt in Wien und darf nicht nach Hause reisen. Dennoch will Pickelmann an ihrer Familientradition festhalten, so gut es eben geht. Das gibt Halt und das Gefühl, dass doch alles wie immer ist.

Dazu zählt der Osterstrauch im Haus. "In diesen Zeiten gibt er Lebensfreude", sagt sie. Geht es doch beim Osterfest genau darum: um die Frohe Botschaft. Zum festen Ritual gehört an Karfreitag freilich der Fisch als fleischlose Variante im Hause Pickelmann. Zu Ostern kommt mittags der Lammbraten auf den Tisch. "Das sind Rituale, die ich mit Ostern verbinde."

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An Karfreitag ist es bei den Kraus der frisch gebackene Karpfen vom Gasthaus des Vertrauens gewesen, der auf dem Tisch landete. "Sonntag und Montag kochen wir gemeinsam in der Familie." Ihr zwei Töchter wohnen einmal mit im Haus und einmal in der Nachbarschaft. Der Sohn feiert mit seiner Familie in Oldenburg. Sauerbraten mit Blaukraut und am Montag ein Überraschungsmenü, gekocht von einer ihrer Töchter – so lautet der Speiseplan.

Erwachsene Kinder auf Nestsuche

In Zeiten von Corona ist Essen, sind Lebensmittel aus der Region wieder in Mode, sagt Landwirtin Kraus. "Die Direktvermarkter sind gut gefragt", sagt die Kreisbäuerin, die sich auf 38 Hektar um fast 100 Kirschbäume kümmert, Sommergerste oder Erbsen sät.

Kulinarisch gehört für Barbara Pickelmann das selbstgebackene Osterbrot wie der Spaziergang oder ein Ausflug an Ostermontag dazu. Der Gottesdienstbesuch fällt aus und wird ins heimische Wohnzimmer verlegt. Die kirchliche Osterfeier verfolgt die Familie über den Fernseher. "Die österliche Freude, wird jedem gut tun", ist Pickelmann überzeugt.

Tradition kennt kein Alter

Auch ihren längst erwachsenen Kinder zaubert sie ein Lächeln ist Gesicht – ganz traditionell. Die Basis sind Getreidekörner, die nach dem Keimen den buntgefärbten Ostereiern ein Bett aus frischem Grün bereiten. "Ich habe das aus meiner Kindheit übernommen, weil es eine schöne Geste war", sagt Pickelmann. "Ohne Osterei ist es kein Ostern." Weder für Barbara Pickelman, noch für ihre Kinder. "Auch wenn mein Sohn weit über 30 Jahre ist. Zu Ostern freut er sich über ein gefärbtes Osterei."

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Die Tradition kennt auch bei Familie Kraus kein Alter. An Ostern dürfen die erwachsenen Kinder ihr Nest suchen. "Beim Eierfärben mit Naturfarben wie Rote Bete sind auch die großen Kinder noch dabei", sagt Kraus. Das wird traditionell am Gründonnerstag erledigt. Apropos Grün: "Wir haben ein Huhn, das legt grüne Eier. Färben ist da schon erledigt." Nächstes Jahr springt die Tradition der versteckten Nester auf die nächste Generation über. "Dann bekommt auch mein Enkel sein erstes Nest", sagt Kraus. Noch ist er zu jung, um zu Krabbeln. Doch in einem Jahr sieht seine Welt ganz anders aus.

Was sich über die Generationen bei Barbara Pickelmann nicht gehalten hat, ist das Werfen der Eier in die Höhe. Dabei hatte der Wurf einst eine der wichtigsten Entscheidungen überhaupt herbeigeführt, erklärt Pickelmann: "Wessen Ei zerbrochen ist, durfte es als erstes essen."

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