Paradeplatz: Ein neuer Mittelpunkt für Forchheim

5.4.2019, 05:29 Uhr
Nicht jeder Bürger findet, dass die Mariengruppe auf den Paradeplatz passt. Gespannt darf man auch sein, wie sich der Gewinner des Architekten-Wettbewerbs die künftige Verkehrsführung auf der Südseite des Platzes vorstellt. Foto: Roland Huber

Nicht jeder Bürger findet, dass die Mariengruppe auf den Paradeplatz passt. Gespannt darf man auch sein, wie sich der Gewinner des Architekten-Wettbewerbs die künftige Verkehrsführung auf der Südseite des Platzes vorstellt. Foto: Roland Huber

Mal sehen, was am Ende herauskommt. Die Ideen jedenfalls, die neun Architekten aus ganz Europa im September präsentiert hatten, waren ziemlich unterschiedlich. Da wollte ein Planer zum Beispiel daran erinnern, dass Forchheim das Tor zur Fränkischen Schweiz ist und griff das Thema Klettern auf. Das Resultat: Eine künstliche Felsenlandschaft auf der Seite der Kommandantur.

Japanisches Kirschblütenfest in Forchheim?

Statt nur ein paar Bäume am Rand wachsen zu lassen, verwandelten manche Entwürfe den Paradeplatz fast in einen kleinen Wald. Würde der Plan eines der Architekten Wirklichkeit, könnte man künftig im Frühjahr ein japanisches Kirschblütenfest feiern, wenn die 15 Zierkirschen rosa blühen. Ein einziger Entwurf arbeitete ganz ohne neue Bäume, setzte stattdessen lieber auf Bequemlichkeit mit riesigen Sitzmöbeln.

Unterschiedliche Auffassungen gab es auch beim Thema Wasser: Sprudler aus dem Boden, die man bei Bedarf absenken kann und damit eine Bühnenfläche erhält oder sogar ein richtiger Brunnen? Alle Experten wollen dem Platz mehr Struktur geben, bei manchen wird er dadurch kleinteiliger, die meisten setzten aber darauf, dass bei Bedarf auch wieder eine ausreichend große Bühnenfläche für Veranstaltungen zur Verfügung steht; zum Beispiel durch Bäume in verschiebbaren Containern oder eben den Wassersprudlern zum Einfahren. Ebenfalls im Fokus: Die Verbindung zwischen Markt- und Paradeplatz, manche wollten auch die Nürnberger Straße gestalterisch einbeziehen und ließen das Bächla über den Platz weiterfließen.

Bäume, Sitzmöbel und ein bisschen Wasser

Im Prinzip geht es um zwei Funktionen, die der Paradeplatz künftig besser erfüllen soll: Die Aufenthaltsqualität soll gesteigert werden (Bäume, Sitzmöbel, Wasser . . .), und es soll geklärt werden, was mit dem Verkehr passieren soll — bei dem Thema haben nicht nur die Architekten unterschiedliche Ansichten, da kommen auch die Bürger seit eh und je in Fahrt. Die Planer wollen den motorisierten Verkehr auf jeden Fall eindämmen, entweder durch eine Einbahnstraße, eine shared-space-Regelung (alle Verkehrsteilnehmer sind gleichberechtigt) oder indem nur noch der ÖPNV fahren darf. Manche Bürger dagegen, allen voran viele Händler rund um den Platz, plädieren dafür, dass Auto, Motorrad und Co. auch weiterhin südlich des Paradeplatzes fahren dürfen, sie fürchten die Bequemlichkeit des Kunden, der ohne Parkplatz vor der Tür nicht anrückt.

Im September hatten die Forchheimer mehrere Wochen lang die Möglichkeit, die Entwürfe nicht nur genau zu begutachten, sondern auch ihre eigenen Anregungen beizusteuern. 90 schriftliche Anmerkungen hat die Stadt damals gesammelt. Bewegt hat die Forchheimer unter anderem die Mariengruppe, die sich vielleicht auf dem Marktplatz besser macht. Das Sparkassengebäude zwischen Markt- und Paradeplatz hätten manche lieber durch eine Markthalle ersetzt gewusst, E-Bike-Aufladestationen mitsamt Radschließfächern waren ein Thema, die Touristenbusse und -ströme ebenfalls und einig waren sich die meisten Bürger, die sich einbrachten: Der Platz soll vor allem den Forchheimern mehr Spaß und Freude bringen.

Siegerentwurf wird am Freitag vorgestellt

Zusammen mit eigenen Anmerkungen aus Verwaltung und Stadtrat hatten die Planer also einige Hausaufgaben zu erledigen. Dabei ging es vor allem auch um die Verkehrsführung. So sollen die Busse künftig alle südlich des Paradeplatzes halten und die Planer sollten sich Gedanken über Parkplätze entlang der Nürnberger Straße machen, heißt es von Seiten des Stadtbauamts.

Am Donnerstag sah sich das Preisgericht, bestehend aus Fachleuten und Mitgliedern der Verwaltung und des Stadtrats die frischen Pläne an und entschied sich für einen Siegerentwurf, der am Freitagvormittag präsentiert wird.

Mit dem Erstplatzierten, eventuell auch mit dem Zweiten und Dritten wird die Stadt Gespräche führen, so Claudia Stumpf vom Bauamt. Weil der Umbau des Platzes inklusive Verkehrsführung nicht nur Beilage, sondern schon eines von Forchheims künftigen Hauptgerichten sein wird und sich keiner an einer zu großen Portion verschlucken will, soll das Projekt häppchenweise angegangen werden. Für 2020 sind laut Bauamt Mittel im Haushalt bereitgestellt, um die Zutaten zu kaufen (Planung und Ausschreibung). Wann es tatsächlich los geht, ist noch nicht klar.

Idee ist schon alt

Mit dem Umbau der Hauptstraße in eine Fußgängerzone Ende der 80er Jahre gab es in Forchheim bereits Pläne, auch den Paradeplatz angenehmer zu gestalten. Ein Wettbewerb wurde ausgelobt, die Ergebnisse aber verschwanden in der Schublade. Es fehlte an finanziellen Mitteln, heißt es vom Bauamt der Stadt.

Der jetzige Anlauf startete Ende 2017 mit dem Beschluss des Stadtrats, einen Wettbewerb auszuschreiben. 25 Entwürfe aus ganz Europa (auch aus Forchheim) gingen ein. Im September 2018 traf sich das Forchheimer Preisgericht erstmals und wählte neun Entwürfe aus, die im ehemaligen Modehaus Heilmann präsentiert worden sind. Danach hatten die Bürger zwei Wochen die Chance, ihre Ansichten mitzuteilen und die neun Planer haben die Entwürfe überarbeitet. Von 9. bis 24. April werden nun die Siegerentwürfe gezeigt.

1 Kommentar