Pläne für Tagespflege liegen auf Eis: Diakonie sagt Kunreuth ab

18.1.2021, 09:00 Uhr
Im Sommer hatte Bürgermeister Ernst Strian das angebotene Grundstück besucht. Auf dem Land der evangelischen Kirche in Richtung Mittelehrenbach hätte die Tagespflege der Diakonie entstehen können. Doch nun kam die Absage des Trägers.

Im Sommer hatte Bürgermeister Ernst Strian das angebotene Grundstück besucht. Auf dem Land der evangelischen Kirche in Richtung Mittelehrenbach hätte die Tagespflege der Diakonie entstehen können. Doch nun kam die Absage des Trägers. © Archivfoto: Petra Malbrich

  Irmgard Ginzel, die sich nun im Ruhestand befindliche Leiterin der Diakoniestation in Gräfenberg und des Tageszentrums in Mostviel, hatte sich für den Bau der Tagespflege eingesetzt und sehr gut strukturierte Pläne hinterlassen. Pläne, die nun offensichtlich nicht mehr forciert werden, wie die Diakonie Bürgermeister Ernst Strian (Demokratie) in einem Schreiben mitteilte.

Mit der momentanen Situation und anderen Prioritäten war der Entschluss begründet worden, erklärte Bürgermeister Strian, für den dieses Schreiben das Aus der Tagespflege in Trägerschaft der Diakonie bedeutet. "Es war so formuliert, dass das Interesse der Diakonie gleich Null ist", erklärt der Kunreuther Bürgermeister.

Wieso, weshalb und warum seien die Fragen, die die Bürger umtreiben. Hat sich die Gemeinde nicht attraktiv genug dargestellt, überlegte der Zweite Bürgermeister Edwin Rank. Denn auch er hatte den Eindruck, dass die Tagespflege sicher sei. Lag es am Grundstück? Das Grundstück am Ortsausgang Richtung Mittelehrenbach war zuletzt im Gespräch. Das gehört der Pfründestiftung der evangelischen Kirche. Eine Linksabbiegerspur hätte noch gebaut werden sollen.

Auch das Grundstück hinter der Kirche war schon vor Jahren als Platz für ein Pflegeheim im Gespräch. Die angebotenen Alternativen waren jedoch von der Diakonie aufgrund deren Ausbaurichtlinien nicht gewünscht. Das sei bei den letzten Gesprächen, die auf Strians Initiative oder seitens der Verwaltung geführt wurden, deutlich gezeigt worden. "Es war klar, dass Angebote gesucht wurden, die das Projekt verzögern. Man hat gemerkt, es fehlt am klaren Weg. Irgendwann muss von einem Ausloten auf ein Wir-machen-etwas gegangen werden", sagt Strian. "Wir hatten als Alternativen sogar angeboten, erst im Jahr 2022 zu beginnen und dann dranzuhängen", erklärt Strian, das Angebot den Grundstock einer Tagespflege nach und nach mit weiteren Pflegeangeboten auszuweiten.

Laufende Kosten zu hoch?

"Auch darauf wurde nicht eingegangen", bedauert der Bürgermeister. Der Bau könne finanziell zwar gestemmt werden, die laufenden Wirtschaftskosten seien das Problem, wurde Strian seitens der Diakonie dann genannt. Wenn die Diakonie gewollt hätte, würde sich der momentane Zeitpunkt des Niedrigzinses anbieten, um das Vorhaben durchzuführen. Dass Grundstücksverhandlungen geführt wurden, sei ihm aber nicht bekannt.

Aus seiner Sicht sind es drei Gründe, weshalb die Diakonie das Projekt Pflege in Kunreuth auf Eis gelegt hat, so Strian: Neben der Corona-Situation und der finanziellen Seite sei es der Ruhestand von Irmgard Ginzel, die als Aktivposten, als Befürworterin und als Motor der Tagespflege in Kunreuth fungierte und somit als Fürsprecherin entfällt. "Die Tagespflege ist für uns aber sehr wichtig und wir werden dieses wichtige Thema weiter forcieren", betont Bürgermeister Strian und meint damit, aktiv nach anderen Interessenten zu suchen, für die das Projekt mehr ist als eine bloße Absichtserklärung.

Die Diakonie Bamberg-Forchheim bestätigt die Absage an die Gemeinde Kunreuth. "Wir haben eine Tagespflege, die in den Planungen schon weiter war, an den Start gebracht", sagt Ute Nickel, Pressesprecherin der Diakonie, über die neue Tagespflege in Heroldsbach. Andere Tagespflegeeinrichtungen, die wie Kunreuth noch am Anfang stehen, seien noch nicht weiter geplant worden. "Die Corona-Pandemie gestaltet die Situation für Tagespflegen äußerst schwierig, weshalb wir aktuell das Thema einer neuen Tagespflege in Kunreuth von unserer Seite aus nicht aktiv vorantreiben", bestätigt sie.

Nach Mostviel verwiesen

Grundkonflikt sei derzeit, was man mit der Tagespflege in Zeiten des Lockdowns macht. "Im ersten Lockdown hatten wir die Tagespflege komplett geschlossen", sagt Nickel und erklärt, dass dies sich natürlich auch finanziell bemerkbar gemacht habe. Zudem dürfen nur bedingt Leute in die Einrichtungen kommen.

Bei akutem Bedarf dürften sich Kunreuther Bürger jedoch an das Tageszentrum in Mostviel wenden. Zwei Menschen könnten noch in Mostviel untergebracht werden. Aufgrund der Vorschriften sei dort das Platzangebot auch nur begrenzt, aber: "Auch die pflegenden Angehörigen sind vorsichtig", sagt Nickel, warum die Angehörigen zögern, ihre zu pflegenden Eltern oder Verwandten in der Einrichtung betreuen zu lassen, selbst wenn es nur für einen Nachmittag wäre. "Die Leute warten die Impfungen ab", sagt die Pressesprecherin.

Außerdem sei das interne Personal aufgrund von Corona damit beschäftigt, das Tagesgeschehen an immer neue Informationen und Regelungen anzupassen. "Das kostet Zeit", entschuldigt sich Nickel. Und auch der Leitungswechsel in Mostviel sei ein Grund, bestätigte sie. "Irmgard Ginzels Nachfolgerin wird noch eingearbeitet und sie sondiert. Das fällt mitten in den Lockdown." Aktiv vorantreiben will die Diakonie das Projekt in Kunreuth nicht. Komplett vom Tisch sei es jedoch nicht.

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