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Poxdorf: Tuning-Szene mit einem Faible für schicke Wagen

"Die Kurvenfreunde": Weit weg von Schrauber-Klischees und Raser-Image - 19.06.2019 10:00 Uhr

Mit einem Kratzer im Lack fing alles an: Einst waren Daniel Sussmann (links) und Steffen Wellein Geschäftskunden, mittlerweile haben sie eine Tuning-Community gegründet. © Foto: Nina Eichenmüller


Von der Landstraße aus fällt einem die orangene Werkstatt am Ortsrand von Poxdorf direkt ins Auge. Auf einem schwarzen Banner steht in weißer Schrift "4Clean Detailing". Hinter dem Rolltor stehen vor einem BMW M4 Competition, Daniel, Steffen und Dominik. Sie betrachten das Auto, das Daniel seit ein paar Tagen so aufpoliert, dass man sich darin spiegeln könnte.

Die drei Jungs gehören der Forchheimer Tuning-Szene an. Sie legen ihre Autos tiefer, so dass die Straße und die Stoßstange des Autos nur wenige Zentimeter trennen. Sie verpassen ihren Autos auffällige Felgen oder heben es durch gemusterte und farbige Folierung ab. "Bei uns steht die Optik im Vordergrund. Es geht keinem darum, der Schnellste zu sein", so Daniel Sussmann.

Vor einigen Jahren begann er in einer kleinen Garage neben der Arbeit Autos von Bekannten einen Feinschliff zu geben. Er putzte, polierte und verschönerte die Autos mit ausgefallenen Folien. Mittlerweile hat er sich mit Hilfe von Freunden und Familie eine eigene Firma aufgebaut. Waschen, polieren, wachsen sind die Grundleistungen, die er anbietet. Von größeren Eingriffen, wie dem Tieferlegen, lässt Daniel die Finger. Für solche Veränderungen leite er seine Kunden zu Profis in dem Bereich weiter.

"Das Tunen an unseren eigenen Autos ist für uns einfach dieser Reiz, aus einem Standard-Fahrzeug etwas Besonderes zu machen und es vom Rest abzuheben. Es geht darum anders als die Masse zu sein. Beim Tunen holen wir die Perfektion aus den Autos heraus", so Daniel Sussmann.

Ihr Faible für auffällige Optik erkennt man direkt, wenn man die Freunde ansieht – ihre Arme und Beine zieren zahlreiche Tattoos, durch die nur an einzelnen Stellen blanke Haut blitzt. Immer wieder erwähnen sie, wie dankbar sie um die Freundschaften sind, die durch die gemeinsame Liebe zu den Autos entstanden sind. Steffen Wellein war damals Daniels erster Kunde. Er sollte einen Kratzer aus dem Kotflügel des Seat Leon Cupra herauspolieren, wobei Daniel den Lack des Autos erwischte. "Ich weiß noch ganz genau wie Steffen innerlich gekocht hat, aber trotzdem nett war und meinte, dass jeder am Anfang mal Fehler macht. Seitdem ist zwischen uns eine enge Freundschaft entstanden", erzählt Daniel Sussmann.

Mittlerweile haben sie eine Tuning-Community gegründet: Die Kurvenfreunde. Seit fünf Jahren schrauben sie gemeinsam an ihren Autos, präsentieren ihr Werk bei Treffen und tauschen sich über die neusten Trends aus. Um nicht bis nach München oder Coburg für ein Auto-Treffen fahren zu müssen, haben die Kurvenfreunde in Forchheim schon das ein oder andere Event organisiert.

"Auf den Treffen ist jedes Mal so eine tolle Atmosphäre, jeder zeigt wie viel Herzblut und Arbeit er in sein Auto gesteckt hat. Man ist stolz darauf mit dem selbstverdienten Geld und den eigenen Händen, das aus dem Auto herausgeholt zu haben", erzählt Daniel.

Umso mehr ärgert es die Freunde, wenn man sie in eine Schublade mit "Rasern" steckt. "Wir wollen mit unseren Treffen von diesem Klischee wegkommen, dass wir rücksichtslose Raser wären. Uns geht es nicht um Schnelligkeit, sondern rein um die Optik der Autos", erklärt Steffen.

Im letzten Jahr veranstalteten sie das Treffen auf dem Obi-Parkplatz. Der Chef der Obi-Kette, die Stadt Forchheim sowie die Forchheimer Polizei hätten sie bei dem Treffen unterstützt und die Organisation für gut befunden. "Leider stellte sich dann die Bamberger Polizei an den Kreisverkehr gegenüber und zog über 15 Autos aus dem Verkehr und kontrollierte, ob jeder Aufkleber und alle Details auch ordnungsgemäß eingetragen waren", so Daniel Sussmann. Nach einem halben Jahr Organisation und großem Aufwand, die Tuning-Szene in ein besseres Licht zu rücken, verbreitete sich nun wieder das Bild der illegalen Raser-Szene.

Sie selbst würden bei jeder kleinsten Veränderung an ihren Autos zum TÜV fahren und es abnehmen lassen, für die anderen Teilnehmer könnten sie jedoch nicht sprechen: "Der Sinn unserer ganzen Veranstaltung ging dadurch komplett unter. Wir wollten ein schönes Miteinander haben, die Autos anschauen und uns austauschen, aber durch solche Aktionen werden wir bei den nächsten Treffen deutlich weniger Teilnehmer haben, weil alle denken, dass bei uns so stark kontrolliert wird", erklärt Steffen Wellein.

Mit den Treffen wollen die Freunde nicht nur sich selbst, sondern auch der Gesellschaft etwas Gutes tun: "Wir haben jedes Mal eine Tombola mit Werbegeschenken dabei. Das Geld, das wir dadurch einnehmen, spenden wir zum Beispiel an die Lebenshilfe in Forchheim oder das Tierheim. Das letzte Mal haben wir selbst noch etwas draufgelegt und konnten 1000 Euro überreichen", so Steffen Wellein.

Die Freunde wollen aus ihren Treffen ein Zukunftsprojekt machen, ein größeres Netzwerk entwickeln und den Leuten in Forchheim Events bieten. "Es ist ein Hobby wie Fußballspielen. Die Fußballer wollen auf dem Platz zeigen, dass sie etwas können und die Besten sind und wir wollen auf den Treffen zeigen, was wir optisch aus den Autos gemacht haben. Da muss man einfach unterscheiden zwischen Rasern und Tunern", sagt Daniel Sussmann.

NINA EICHENMÜLLER

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