Pretzfeld: Katholiken schlucken "lutherisches" Bier

15.7.2017, 17:00 Uhr
Öku-Festbier mit (von links) Karl-Heinz Penning, Georg Meister, Mike Schmitt, Matthias Haag und Florian Stark.

Öku-Festbier mit (von links) Karl-Heinz Penning, Georg Meister, Mike Schmitt, Matthias Haag und Florian Stark. © Pauline Lindner

Genau zum Jahrestag soll es nicht mehr um Trennung und Abgrenzung gehen, sondern um ökumenisches Miteinander. Dieses gipfelt im „Ökumenischen Kirchenvolks-Fest“ am 31. Oktober in der Ebermannstadter Stadthalle.

Und dieses Ereignis wirft schon heute seine Schatten. Zumindest in den Ortsteilen von Pretzfeld, in dessen Brauereien und in den regionalen Getränkemärkten. Denn die beiden Pfarrer von Pretzfeld haben sich in Zusammenarbeit mit den Brauern Mike Schmitt (Nikl-Bräu), Georg Meister (Unterzaunsbach) und Karl-Heinz Penning (Hetzelsdorf) auf ein „ökumenisches Bier“ verständigt. Matthias Haag ist für die evangelischen Kirchengemeinden Hetzelsdorf und Wannbach zuständig, sein katholischer Kollege Florian Stark betreut St. Kilian und daneben noch Unterleinleiter und Moggast. In Sachen Gemeinsamkeit werden sie vom Ökumenerat aller örtlichen Pfarreien unterstützt.

Eines der Mitglieder aus dem Tal wusste, dass es durchaus noch gebräuchlich ist, davon zu sprechen, man gehe ein lutherisches Bier trinken, wenn man zur Brauerei Penning-Zeisler in Hetzelsdorf will. Durch die früheren Herrschaftsverhältnisse sind die vielen Ortsteile auch heute noch konfessionell gespalten. Die Trubach war einst die Grenze zwischen dem katholischen Hochstift Bamberg und den Landen der Markgrafen von Brandenburg-Bayreuth.

Die drei Brauer (zwei Protestanten und ein Katholik) wählten ihre besten Sorten und vertreiben sie nun unter dem gemeinsamen Etikett mit dem Bild des Reformators und des Papstes Franziskus. „...und es geht gemeinsam weiter!“ lautet der aufgedruckte Slogan. Wenn das nicht ein „Hinschlucker“ ist.

Das mit dem Ökumene-Festbier hat seinen guten Grund und dazu zitiert Stark Martin Luther, der besonders das Bier seiner Ehefrau Katharina von Bora liebte: „Ich sitze hier und trink mein Bier und das Evangelium geht um die Welt.“ Für Penning ist das Ganze eine „Superidee“. Er sagte gleich zu, weil der Anstoß von beiden Pfarrern kam und Bier „eine übergreifende, verbindende Sache“ ist.

Und weil das Öku-Bier süffig ist, setzt jeder noch eins drauf. Pfarrer Stark reformiert dazu das Wort des Propheten Micha: „Schmiedet die Schwerter zu Flaschenöffnern!“ Zuletzt verrät Pfarrer Haag noch ein Geheimnis: Er ist ein Verehrer des altaramäischen Gottes Dink-El. Damit spielt er darauf an, dass Brauer Penning außer dem Öku-Festbier auch einen Sud aus Dinkel herstellt.

 

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