Nisthilfen anbieten

Rauch- und Mehlschwalben auf Heimatsuche

12.10.2021, 10:00 Uhr
Drei junge Mehlschwalben, die aus ihrem Nest gesprungen sind, wurden nun per Hand hochgepäppelt.

Drei junge Mehlschwalben, die aus ihrem Nest gesprungen sind, wurden nun per Hand hochgepäppelt. © Michael Zimmermann, NN

Die beiden deutschlandweit gefährdeten Schwalbenarten und ihre Nester stehen unter Schutz. Seit 2017 würdigt der bayerische Naturschutzverband LBV deshalb gemeinsam mit seinem bundesweiten Partner NABU Naturfreunde, die Schwalbennester an oder in ihren Gebäuden zu erhalten. „Es ist wichtig, dass wir Brutplätze anbieten und eventuell neue Nistmöglichkeiten mit Kunstnestern schaffen. Außerdem sollten wir nicht vergessen, den gesamten Lebensraum schwalbenfreundlich zu gestalten, damit die Vögel auch genügend Nahrung für ihren Nachwuchs finden. Das kann bereits im eigenen Garten beginnen“, sagt die LBV-Biologin Angelika Nelson.

Fassaden zu glatt

Rauch- und Mehlschwalbe stehen seit 2004 in Bayern und Deutschland auf der Vorwarnliste für bedrohte Arten. Die Gründe für die anhaltenden Bestandsrückgänge sind vielfältig: Mangel an Insektennahrung und zunehmend fehlende Nistmöglichkeiten durch Modernisierung sind die Hauptgründe. „Die Fassaden von Neubauten - häufig Zweckbauten aus Stahl und Glas - sind zu glatt. Hier halten die Nester nicht und oft fehlt der schützende Dachüberstand“, weiß die LBV-Biologin.

Doch auch im ländlichen Bereich gehen die Nistmöglichkeiten für diese gefährdeten Arten zurück. „Nach Umbau und Modernisierung alter Gebäude und Höfe sind die Fassaden oft ungeeignet für Mehlschwalbennester oder die Vögel werden vergrämt“, sagt Angelika Nelson. Den nahverwandten Rauchschwalben mit dem tief gegabelten Schwanz macht zusätzlich die Veränderung der Viehhaltung zu schaffen. Moderne Ställe ohne Einflugmöglichkeiten oder mit starker Durchlüftung berauben sie ihrer Nistplätze. Auch fehlt es den Schwalben an Baumaterial für die Nester und offene, zur Jagd geeignete Flächen schwinden.

Seit 2017 melden Naturfreunde das Vorhandensein von Nestern für Rauch- und Mehlschwalbe an ihrem Wohnhaus, an der Garage, in der Scheune oder an einem landwirtschaftlichen Betrieb dem LBV. Sie erhalten dafür eine Plakette, die ihr Gebäude als schwalbenfreundliches Haus auszeichnet. „Bisher hat der LBV bayernweit 1000 Häuser ausgezeichnet, allein in diesem Jahr sind uns schon 209 Gebäude gemeldet worden“, berichtet Angelika Nelson. Darunter sind fünf Gebäude mit je mehr als 50 Nestern der Rauchschwalbe und sieben Gebäude mit jeweils mehr als 50 Nestern der Mehlschwalbe. Im Durchschnitt werden dem LBV an einem Gebäude 12 bis 13 Nester der jeweiligen Art gemeldet.

Fünf Schutzmaßnahmen

„Jede und jeder Einzelne kann diese beiden Schwalbenarten mit der Bereitstellung von Nistplätzen wirksam und einfach schützen, damit sie weiterhin nach dem alljährlichen Zug wieder unsere Nähe suchen“, rät Angelika Nelson. Von diesen fünf Schutz- und Hilfsmaßnahmen profitieren sowohl Mehl- als auch Rauchschwalben:

1. Nester nicht entfernen, denn sie stehen unter Schutz und werden wieder verwendet.

2. Stört der herunterfallende Kot, kann etwa 60 Zentimeter unter dem Nest ein Kotbrett angebracht werden.

3. Abbrechen der Nester und Mangel an Baumaterial kann durch das Bereitstellen von feuchten Lehm- und Erdstellen verhindert werden.

4. Anbieten von Nisthilfen in geeigneter Lage, die für beide Schwalbenarten im Fachhandel erhältlich sind.

5. Zudem trägt der Erhalt einer naturnahen Umgebung zur Stabilisierung der Schwalbenbestände bei. Dazu gehört die Erhaltung und Neuanlage von Dorfteichen, eine naturnahe Gartenpflege, heimische Sträucher und Bäume sowie die Renaturierung von Mooren.

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