Nach 8 Jahren

Rewe am Paradeplatz Forchheim schließt: Das sind die Hintergründe

Datum: 20.12.2019, Abrechnung: Pauschale Motiv: Philipp Rothenbacher, Portrait, Porträt, Mitarbeiterportrait, NN-Redakteur, Verlag Nürnberger Presse, VNP
Philipp Peter Rothenbacher

Nordbayerische Nachrichten Forchheim-Ebermannstadt

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23.6.2021, 17:01 Uhr
Die Tage des Rewe-Marktes am Forchheimer Paradeplatz sind gezählt: Am 14. August ist der letzte Verkaufstag.

Die Tage des Rewe-Marktes am Forchheimer Paradeplatz sind gezählt: Am 14. August ist der letzte Verkaufstag. © Eduard Weigert

Unter dem letzten Tagesordnungspunkt "Sonstiges" wollte CSU-Rat Markus Schmidt am Dienstagabend von OB Uwe Kirschstein (SPD) wissen, ob an den Gerüchten, die seit Wochen in der Stadt wabern, etwas dran sei. "Ich bin beunruhigt", so Schmidt, "denn sollte es wirklich so sein, dass Rewe den Mietvertrag gekündigt hat, dann haben wir ein Problem – weil wir diesen Nahversorger in der Stadt brauchen".

Kirschstein erwiderte: "Jetzt bringen Sie mich in ein Dilemma." Ja, auch er habe "etwas gehört", aber es handle sich dabei nun mal um ein "Vertragsverhältnis eines Privatanbieters". Nichtsdestotrotz: Man habe bereits "eine gute Lösung, die wir mit dem Anbieter abgestimmt haben", erklärte der OB.

Und die Lösung heiße: "Es gibt wieder einen Nahversorger am Paradeplatz." Wer, wie, wo und wann – darauf wollte Kirschstein im öffentlichen Teil der Stadtratssitzung zunächst nicht eingehen.

Leere Regale kündigen den bevorstehenden Auszug an.

Leere Regale kündigen den bevorstehenden Auszug an. © Philipp Rothenbacher

Dass im Rewe am Paradeplatz schon länger etwas im Gange ist, blieb den wenigsten verborgen: Die integrierte Metzgerei verschwand während der Corona-Krise, zwischenzeitlich wurde auch die "Brothaus"-Filiale im Eingangsbereich geschlossen, immer mehr leere Regale im Einkaufsmarkt selbst haben die Kunden stutzig gemacht.

Und auch Erinnerungen dürfte es bei den Forchheimerinnen und Forchheimern geweckt haben, denn lange Zeit gab es an dieser Stelle schlicht gar keinen Nahversorger: Vor Rewe hatte der Discounter Norma eine Filiale am Paradeplatz betrieben, war aber ausgezogen, als die Häuserzeile für den heutigen Neubau wich.

Die Stadt hatte sich schwer getan, einen Nachfolger zu finden. Es vergingen mehrere Jahre, bis es in Forchheims Innenstadt wieder eine neue Einkaufsmöglichkeit gab. Anfang Mai 2013 schließlich öffnete der Rewe-Markt seine Schiebetüren. Wieso diese nach etwas über acht Jahren wieder geschlossen werden? Vor Ort wurde unserer Redaktion von einem Filial-Sprecher mitgeteilt, dass man dazu keine Auskünfte erteilen könne – und auf die Pressestelle der Rewe GmbH verwiesen.

Zu geringe "Kundenfrequenz"

Dort teilt eine Konzernsprecherin mit: "Der letzte Verkaufstag des Rewe-Marktes am Paradeplatz in Forchheim wird der 14. August sein." Der Grund der Schließung sei, "dass der Markt sich nicht so entwickelt hat, wie wir es erhofft hatten". Die Kundenfrequenz am Standort "ist einfach zu gering".

Auch das benachbarte Tiefgarargen-Parkhaus sei "nicht optimal für Einkäufe, da es über keine Aufzüge verfügt". Was aus den Angestellten der Filiale wird? "Unsere Kauffrau Angelika Wittmann, die den Markt am Paradeplatz betrieben hat, hat allen Mitarbeitern das Angebot gemacht, sie in ihren zweiten Markt in Neunkirchen zu übernehmen", so die Konzernsprecherin. Und "das haben meines Wissens auch alle Mitarbeiter angenommen".

Wer zieht ein?

Was ebenfalls bleibt, ist nun die Frage, wer auf den rund 810 Quadratmetern Verkaufsfläche nachfolgen wird. Und ab wann. Auch hier brodelt die Gerüchteküche, die Rede ist unter anderem von einer Filiale der "Ein-Euro-Laden"-Kette Tedi. Am Mittwoch teilte eine Rathaus-Sprecherin mit: "Die Stadt Forchheim kann weder einen Termin noch eine Nachfolge bestätigen." Hier liefen die Gespräche noch. "Bis zu deren Abschluss bitten wir um Geduld."

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