PCR-Tests teuer und rar

Rote Corona-Ampel: Unternehmer im Landkreis Forchheim müssen planen

Jana Schneeberg
Jana Schneeberg

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8.11.2021, 18:21 Uhr
Ins Café oder Restaurant dürfen inzwischen nur noch Geimpfte, Genesene oder PCR-Getestete mit negativem Ergebnis.

© Foto: Giulia Iannicelli Ins Café oder Restaurant dürfen inzwischen nur noch Geimpfte, Genesene oder PCR-Getestete mit negativem Ergebnis.

Im Gegensatz zu vielen anderen Intensivstationen in Bayern liegt aktuell kein Covid-19-Patient auf der des Klinikums Forchheim-Fränkische Schweiz, erklärt Geschäftsführer Sven Oelkers. Zuletzt verzeichnete der Landkreis aber zwei neue Todesfälle. Und auf der Isolierstation sind es 17 Personen, die positiv auf das Corona-Virus getestet wurden. Dazu zwei Verdachtsfälle. "Angesichts der rasant steigenden Zahlen auf der Isolierstation ist es zu befürchten, dass die Zahl Patienten, die auf die Intensivstation verlegt werden müssen, ebenfalls steigen wird", erklärt der Klinik-Geschäftsführer.

In vielen anderen Kliniken ist das längst der Fall - und das auch der Grund dafür, dass die Corona-Ampel in Bayern gestern von gelb auf rot gesprungen ist. Das wiederum bringt so einige Neuerungen mit sich. Zum Beispiel für Sport- und Kulturveranstaltungen im Innenraum. Denn hier gilt die 2G-Regel. "Wir haben am kommenden Wochenende zwei Veranstaltungen im Programm", sagt Martin Borowski, Leiter des Jungen Theaters. Die Karten dafür seien bereits verkauft. "Nun müssen wir die Karteninhaber über die neue Regelung informieren", erläutert er. Immerhin rechnet er nicht mit übermäßig vielen Absagen. "Die Erfahrungen aus den vergangenen Wochen haben gezeigt, dass die meisten Besucher geimpft sind."

Neu ist auch, dass Unternehmen ihren Mitarbeitern jetzt nicht nur auf Wunsch zwei Mal pro Woche einen Selbsttest zur Verfügung stellen müssen, sondern erstmals abfragen, wer von den Kollegen geimpft, genesen oder aktuell getestet ist. "Die Führungskräfte sind verpflichtet, die Nachweise zu kontrollieren und dies auch zu dokumentieren", erklärt Katrin Schürr, Pressesprecherin des Landratsamtes. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf Personen, die ungeimpft sind. Sie müssen sich zwei Mal pro Woche mit den vom Arbeitgeber bereitgestellten Schnelltestes selbst testen - im Vier-Augen-Prinzip. "Wenn der Vorgesetzte das nicht selbst kontrollieren will und auch niemand anders sich bereit erklärt, braucht man eventuell einen Schnelltest einer Teststation", so Schürr.

Eine Besonderheit gilt, seit die Ampel auf Gelb gesprungen ist, für körpernahe Dienstleistungen wie Friseure und auch für die Gastronomie. Wer nicht geimpft oder genesen ist, braucht hier einen negativen PCR-Test. "Das gilt für Kunden und für Personal", erklärt die Landratsamts-Sprecherin und fügt an. "Und das kann schnell teuer werden."

Das hat auch Georg Hötzelein, Inhaber des gleichnamigen Berggasthofes in Regensberg und Kreisvorsitzender des Branchenverbandes Dehoga, bereits ausgerechnet. "Wenn man pro PCR-Test mindestens 80 Euro zahlt und davon zwei pro Woche braucht, sind das 640 Euro - im günstigsten Fall." Die Frage, die für ihn dabei noch nicht geklärt ist, lautet: Wer zahlt das? "Für den Arbeitgeber sind das enorme Personalkosten, aber für den Einzelnen ist es kaum leistbar", sagt er und urteilt: "Wahrscheinlich müssen die Betriebe in den sauren Apfel beißen.

Genauso wie bei Gästen, die aufgrund von 3G-plus ihren Besuch absagen. "Noch spüren wir nichts, aber dafür ist es wohl alles noch zu frisch", meint Hötzelein. Er rechnet jedoch damit, dass einige Familien- oder auch Weihnachtsfeiern mindestens "deutlich kleiner ausfallen", weil diejenigen, die sich vorher mit einem PCR-Test testen lassen müssen, sich das nicht leisten wollen oder können. Das spüren bereits die Friseure. Laura Gottstein vom Friseur Weber in Forchheim sagt zwar: "Die meisten unserer Kunden sind geimpft". Aber: "Diejenigen, die jetzt einen PCR-Test brauchen, sagen in der Regel den Termin ab."

Selbst wer bereit ist, den teuren PCR-Test zu bezahlen, bei dem könnte es am Termin scheitern. Denn viele Angebote gibt es im Landkreis Forchheim nicht. Im größeren Stil im Grunde nur das Testzentrum der Malteser in der Hirtenbachhalle in Heroldsbach. Dort spürt man die gestiegene Nachfrage bereits deutlich. Und das, obwohl der PCR-Test 89 Euro kostet. "Aktuell können wir uns vor Anfragen kaum retten", erklärt Adrian Grodel, Pressesprecher der Malteser in Bamberg. Das führt dazu, dass Termine, die es nur nach E-Mail-Anfrage (E-Mail:testzentrum-oberfranken@malteser.org) gibt, inzwischen fast eine Woche Vorlaufzeit benötigen. Die Hilfsorganisation versuche zwar im Moment, weitere Testkapazitäten aufzubauen, "aber so leicht und schnell ist das nicht machbar". Daher bittet Grodel darum, "nur planbare Testtermine, zum Beispiel für Urlaubsreisen oder Familienfeiern, zu vereinbaren". Diejenigen, bei denen ein Selbsttest positiv ausgefallen ist, sollten sich an ihren Hausarzt wenden.

Beim Testzentrum des Landkreises in der Forchheimer Ruhalmstraße erhalten nur noch diejenigen einen (kostenlosen) PCR-Test, bei denen das Gesundheitsamt selbigen angeordnet hat. Das müssen derzeit häufig Familien mit Kindern nutzen, denn die Zahl der infizierten Kinder und Jugendlichen steigt. "Die Meldungen aus den Schulen nehmen zu", erklärt auch Forchheims Schulamtsleiterin Cordula Haderlein. Aus diesem Grund hatte das Kultusministerium neben der vorübergehenden Wiedereinführung der Maskenpflicht auch empfohlen, dass die Schülerinnen und Schüler am Montagmorgen gleich einen Selbsttest in der Schule machen.

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