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Routinen in der Corona-Krise: Das ist in den Schulen im Kreis Forchheim los

Drei Wochen ohne Unterricht und die Sorge um die Abschlüsse - 02.04.2020 20:00 Uhr

Zwei Grundschülerinnen arbeiten zuhause ihren Lernplan für die vergangene Woche ab. Die Lehrer berichten, dass sich die Schülerinnen und Schüler schon wieder auf den Unterricht in der Schule freuen. © Claudia Freilinger


Eltern, die im Homeoffice zu Ersatzlehrern ihrer Kinder wurden, klagten reihenweise. Zu unstrukturierte Aufgabenverteilung, zu viel auf einmal, keine klaren Ansagen, was wann erledigt sein muss und mangelnde Kommunikation waren die Hauptkritikpunkte.

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Nicht alle Probleme werden überall inzwischen ausgeräumt sein. Doch in Woche drei hat sich eine gewisse Routine eingestellt, für Schüler, für Eltern und für Lehrer, die angesichts der Herausforderung mancherorts den Sprung ins digitale Klassenzimmer wagten. Die NN zogen eine nicht repräsentative Stichprobe.

„Dass die Situation für alle Beteiligten momentan nicht gut ist, ist klar“, sagt Alexander Pfister, Rektor der Grund- und Mittelschule in Eggolsheim. „Es ist natürlich besser, wenn der Stoff von den Lehrern im Klassenzimmer vermittelt wird und die Eltern nicht als Hilfslehrer einspringen müssen.“ So kann er es gut nachvollziehen, wenn ihm Eltern erzählen, dass sich der Nachwuchs beschwere, dass er manches nicht versteht, was Mama oder Papa ihm da erklären wollen. „Ich habe inzwischen schon von mehreren Eltern gehört, dass sich die Kinder wieder auf die Schule freuen“, erzählt er. Und auch seine Kollegen tun das. „Wir vermissen Euch“, haben die Lehrerinnen der Drittklässler ans Fenster des Klassenzimmers geschrieben.

Auffangstation für Hefte

Dennoch: Angesichts der außergewöhnlichen Situation ist der Rektor überzeugt davon, dass seine Kollegen das Beste herausholen. Per Mail, über die bayerische Schulplattform Mebis (die allerdings anfangs immer wieder hakte) und per Telefon halten sie Kontakt mit ihren Schülern und deren Eltern. Die jüngeren Schüler geben ihre Hefte und Arbeitshefte, in denen sie Aufgaben gelöst haben, regelmäßig zur Kontrolle ab. „Dazu haben wir eine Art Auffangstation eingerichtet, in die die Hefte gelegt werden“, erklärt der Schulleiter. Die Rückmeldung der Eltern, die er bis jetzt bekommen habe, sei sehr gut. Beschwert habe sich noch niemand.

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Was er toll findet: „Es werden Sachen angestoßen, an die sich die Kollegen vorher nicht so herangetraut haben.“ Will heißen: Digitales Lernen, das bisher im Unterricht eher weniger zum Einsatz kam, wird jetzt aus der Not heraus entwickelt. „Es gibt einige, die zum Beispiel per Dropbox die Schüler mit Videos versorgen, in denen sie den Unterrichtsstoff erklären“, sagt er und ist überzeugt, dass digitales Lernen auch in Zukunft einen größeren Stellenwert im Schulalltag einnehmen wird. „Ich könnte mir vorstellen, dass zum Beispiel Hausaufgaben ab und an am PC erledigt werden“, sagt er „Wir sind zum Glück eine Schule mit einer guten digitalen Ausstattung, da bringen wir schon gute Voraussetzungen mit.“ Das Schulhaus wurde 2013 generalsaniert.

Auch anderswo funktioniert das digitale Lernen. An der Realschule in Gräfenberg zum Beispiel können sich die Schüler (oder bei den jüngeren ihre Eltern) per Passwort in den Vertretungsplan einloggen. Dort hinterlegen die Lehrer Arbeitsaufträge. Auch per Mail wird kommuniziert. Außerdem gibt es eine Schulcloud, die ähnlich wie WhatsApp funktioniert. „Hier können die Schüler in direkten Kontakt mit ihren Lehrern treten und bei Fragen mit ihnen chatten“, erklärt der stellvertretende Schulleiter, Klaus Vogler.

Wie an allen Schulen sind diese Möglichkeiten quasi aus der Not heraus im Schnelldurchlauf entwickelt worden. „Als wir von den Schulschließungen erfahren haben, haben wir alle Lehrerinnen und Lehrer zu einer Konferenz zusammengerufen und wichtige Fragen geklärt“, erläutert er. Dort habe es auch die Hinweise für die Kollegen gegeben, den Schülern nicht einen Gesamtplan für die drei Wochen mit Aufgaben zu übergeben, sondern dies wochenweise zu tun. „Mit den Wochen-Arbeitsplänen haben wir gute Erfahrungen gemacht. Alles andere würde gerade die jüngeren Schüler – und auch ihre Eltern – überfordern.“ Eines möchte Vogler unbedingt festhalten: „Es ist allen Lehrern klar, dass sie nicht davon ausgehen können, dass der Stoff nun abgehakt werden kann. Jeder wird das Gelernte sicher wiederholen und besprechen, sobald die Schule wieder beginnt.“

Abiprüfung vorbereitet

Wann wird das sein? Das wissen weder er noch seine Kollegen an anderen Schulen. Nur eines wissen sie: Je später es wird, desto brenzliger wird die Situation in den Abschlussjahrgängen. „Stand heute gehen wir davon aus, dass die Abiturprüfungen zu den späteren Terminen, die festgelegt wurden, auch stattfinden“, erklärt zum Beispiel Siegfried Reck, Schulleiter des Gymnasiums Fränkische Schweiz. Die Planungen seien auf dieser Grundlage gemacht, auch die Wahl der Abiturfächer sei vorbereitet und die Abiturienten bekommen durch ihre Lehrer auch in den Osterferien noch Material und Aufgaben, um den Unterrichtsausfall etwas auszugleichen.

„Sollte nun alles so stattfinden, wie jetzt geplant, glaube ich, dass unsere Schüler ohne Nachteil ins Abi gehen“, meint er. Einfach wird es für alle Beteiligten jedoch nicht. Denn auch die Klausuren, die in den einzelnen Fächern vor den Osterferien stattfinden sollten, und deren Ergebnisse in die Abiturnote eingehen, müssen nachgeholt werden. „Wir haben intern schon Pläne für einen Zeitablauf gemacht“, sagt Reck. Kommuniziert seien diese aber bislang nicht. Wenn die Zeit der Schulschließungen verlängert werde, müssten sie wieder verworfen werden.

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Auch Alexander Pfister von der Grund- und Mittelschule in Eggolsheim mag noch nicht richtig darauf hoffen, dass am 20. April wieder Normalbetrieb im Schulhaus herrscht. Entsprechend kritisch sieht er auch die Abschlussprüfungen für die Neuntklässler, die vom Kultusministerium bis jetzt um zwei Wochen verschoben wurden. Sollten die Schulen länger geschlossen bleiben, müsse auch hierfür eine Notlösung gefunden werden. „Dann muss man sehen, dass man die Abschlussschüler irgendwie in die Schule bekommt“, fordert Pfister.

Dass die Gedanken und Sorgen der jeweiligen Schulleiter berechtigt sind, zeigt nicht zuletzt eine Pressemitteilung des Bundesverbands der Lehrkräfte für Berufsbildung. Dort heißt es: „Die Szenarien, die die Kultusminister durchspielen, reichen von: Nach Ostern wird der Schulbetrieb wieder aufgenommen über die Schulen bleiben bis zu den Sommerferien geschlossen bis hin zu Prüfungen erfolgen im Notbetrieb und Abschlüsse werden auf Basis der bisherigen Leistungen vergeben.“

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