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Saisonkräfte eingeflogen: So läuft die Ernte 2021 in der Fränkischen Schweiz

Ohne die Hilfe aus Osteuropa ist die Landwirtschaft aufgeschmissen - Corona verschärft die Lage - 30.03.2021 07:26 Uhr

Auf dem Weberhof von Andreas Weber in Pettensiedel arbeiten (v.li.) Maria Esca, Daniel Jiga, Claudia Jiga und Virgil Esca. Sie können wie gewohnt mit Auto und Bus anreisen, letztes Jahr mussten sie fliegen.

29.03.2021 © Foto: privat


Fast schon kann man die Tage zählen, bis Obst und Gemüse in allen Variationen in und aus der Region frisch auf den Tisch kommt. Der Startschuss fällt mit der Spargelernte, gefolgt von den Erdbeeren, den Kartoffeln und dem Hopfen.

Doch so regional die Produkte auch sind, konzentrieren sich Anbau und Ernte des weißen, roten und grünen Golds nur auf wenige Wochen. Allerdings geht das nicht ohne die zusätzliche Unterstützung durch Saisonarbeiter. Sie kommen meistens aus Rumänien und Polen – und die Sache wäre ganz einfach, hätte nicht Corona die ganze Welt im Griff.

2020 sind die Saisonarbeiter eingeflogen worden

"Trotzdem ist es leichter als im vergangenen Jahr", sagt Andreas Weber, vom Weberhof in Pettensiedel. Er baut hauptsächlich Erdbeeren und Kirschen an. "Voriges Jahr mussten unsere Saisonarbeiter fliegen, heuer können sie mit dem Auto und Bus zu uns reisen", so Weber.


Artikel: Landwirte warten im ersten Corona-Jahr auf Saisonkräfte


Vor allem war voriges Jahr auch mit den Anträgen alles Neuland. "Das war kurz vor der Ernte und das Antragsverfahren war noch nicht freigeschaltet. Auch die Flüge mussten kurzfristig organisiert werden", erinnert sich Weber an die turbulenten und unsicheren Zeiten im vergangenen Jahr.

Nicht sicherer, aber erfahrener

Sicherer ist es in gesundheitlicher Sicht nicht geworden, aber man ist erfahrener. Andreas Weber ist immer mit dem Gesundheitsamt in Kontakt, um zu erfahren, wo inzwischen die Risikogebiete sind und wie die aktuellen Auflagen lauten. 

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Untergebracht sind die Erntehelfer in Eineinhalb- Zimmer-Wohnungen. Es sind meist Ehepaare, die Weber mit den Erdbeeren helfen. "Es wäre ohne Saisonkräfte unmöglich", sagt er.

Diese Arbeit würde kein Deutscher verrichten

Denn diese Arbeit würde kein Deutscher verrichten, da sie in den Erdbeeren schon körperlich wesentlich anstrengender ist. Auch die Arbeitszeiten würden nicht jedem zusagen. Beginn ist um fünf Uhr morgens und da kann es durchaus nur vier Grad anzeigen, wenn mit Handschuhen in den Feldern gewerkelt wird.

Wird es tagsüber warm, wird pausiert, dafür geht es abends weiter. "Man spürt sein Kreuz nicht mehr", weiß Weber und ist froh, dass bereits zwei der Saisonkräfte da sind – und hoffentlich alle anderen auch wie geplant kommen können.

Daniel Singer aus Hausen hofft

Das hofft auch Daniel Singer von Singers Bauernladen in Hausen. "Bisher dürfen sie noch auf dem Landweg einreisen", sagt Singer. "Letztes Jahr haben wir schlaflose Nächte gehabt, ob sie doch noch kommen dürfen." Mit Verspätung waren die Arbeitskräfte eingetroffen.

Hopfenernte: Im letzten Jahr sind die Saisonarbeiter beim Heimaturlaub erkrankt und standen nicht mehr zur Verfügung.

29.03.2021 © Foto: Petra Malbrich


Deutsche Arbeiter haben bei Singers Bauernladen ausgeholfen. "Das hat gut funktioniert", so Singer. Er war froh, Kräfte zu haben und sie waren froh, einen Job zu haben. Wenn diese Arbeiter wieder kommen möchten, sehr gerne, meint Singer.

Zwei seiner fünf Saisonkräfte sind bereits angekommen, getestet und derzeit wie vorgeschrieben getrennt voneinander untergebracht. "Wir haben letztes Jahr neue Wohnungen gebaut", sagt Singer. Das hatte er ohnehin vor und kommt nun in dem zweiten Jahr der Pandemie zugute. Wie alle Landwirte hat auch Singer Desinfektionsmittel und andere Hygienemaßnahmen bereitgestellt. "Die Wohnung muss einmal täglich gereinigt werden. Alle Flächen und die WCs. Dafür gibt es einen Plan", erklärt Singer.

Früher zusammengestanden, jetzt im Abstand zueinander

Um die Verpflegung kümmern sich die Saisonarbeiter selbst. Eine große Küche haben sie zur Verfügung. Natürlich gibt es nach den vielen vertrauensvollen Jahren der Zusammenarbeit auch ein freundschaftliches, familiäres Verhältnis. "Früher sind wir auch mal zusammengestanden", sagt Singer. Jetzt wird wie überall im gesellschaftlichen Bereich ein großer Abstand eingehalten. Daran halten sich alle, auch die Saisonkräfte, denn Corona nimmt niemand auf die leichte Schulter. 

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Dass es schnell anders gehen kann, haben Sonja und Franz Friedrich, Biohopfenbauern aus Lilling, schon 2020 festgestellt. Alle ihre Saisonarbeiter hatten nach der Hauptsaison Urlaub und wollten zur Nachsaison zurück nach Deutschland. Doch in der Heimat erkrankten sie an Covid-19.

Für den Corona-Schutz viel Geld in die Hand genommen

Um ihre Saisonkräfte und sich zu schützen, haben die Friedrichs deshalb viel Geld in die Hand genommen und ein Haus für die Saisonarbeiter renoviert und umgebaut. "Wir müssen 15 bis 18 Leute separieren. Drei abgeschlossene Wohnungen mit elf Zimmern haben unsere Leute nun für sich. Sie haben in jeder Wohnung eine komplett eingerichtete Küche, einen Aufenthaltsraum und eine Außentoilette", sagt Sonja Friedrich. Sie haben Waschmaschinen in den Wohnungen, Trockner, und dass Seifen, Desinfektionsmittel oder Einmalhandschuhe bereitliegen, versteht sich für Friedrichs von selbst.

Bis zu 18 Leute kommen jährlich für die Hopfensaison nach Lilling zu den Friedrichs. Zwei sind inzwischen eingetroffen. Den ersten Corona-Test mussten sie in der Heimat machen, hier angekommen müssen sie innerhalb von 24 Stunden erneut getestet werden und dann in Arbeitsquarantäne. "Zum Arbeiten dürfen sie die Wohnung verlassen, außerhalb der Arbeit müssen sie in ihren Räumen bleiben", erklärt Friedrich. Zumindest die nächsten zwei Wochen.

Alles hängt von den Zahlen ab

Sie beschäftigen Saisonarbeiter unter Corona-Bedingungen (von links): Daniel Singer, Theresa Singer, Mutter Monika Singer und Bruder Andreas Singer.

29.03.2021 © Foto: Petra Malbrich


In drei Wochen geht die Hauptsaison los. Nur: "Polen hat Hochinzidenz. Bisher gibt es keine Grenzschließungen", sagt Friedrich. Was in drei Wochen ist, weiß noch niemand. Doch wenn die Zahlen weiter steigen und ihre Kräfte nicht mehr ins Land dürften, müssten sich die Friedrichs wieder umsehen, um Hilfe zu erhalten. Die Brauerei Winkler in Weißenohe habe bereits signalisiert, dass ihre Leute helfen würden, wenn Not am Mann sei, erzählt Sonja Friedrich, und 2020 halfen viele junge Einheimische.

Egal wer hilft, die Vorschriften und Regelungen müssen strengstens eingehalten werden; wenn es auch sehr viel Arbeit zusätzlich verursacht. Und man braucht gute Nerven.

PETRA MALBRICH

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