Schädel und Knochen in unbekanntem Raum in Forchheim entdeckt

1.1.2021, 05:00 Uhr
„Dort muss ein bisher unbekanntes Vorgängergebäude gestanden haben.“ Nur wenige Zentimeter über dem Fundament verläuft heute das Pflaster der Bamberger Straße, die direkt am eingezäunten Grundstück entlangführt. Immer weiter graben sich die Wissenschaftler in den Boden vor, bis sie tatsächlich auf ihn stoßen: einen Zugang in den Raum voller Knochen.
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„Dort muss ein bisher unbekanntes Vorgängergebäude gestanden haben.“ Nur wenige Zentimeter über dem Fundament verläuft heute das Pflaster der Bamberger Straße, die direkt am eingezäunten Grundstück entlangführt. Immer weiter graben sich die Wissenschaftler in den Boden vor, bis sie tatsächlich auf ihn stoßen: einen Zugang in den Raum voller Knochen. © Archäologie Dokumentation/Jochen Scherbaum

„Wir haben sensationelle Entdeckungen gemacht.“ Kaum ist dieser Satz gefallen, erlöschen die Lichter. Auf der Leinwand startet ein Video. Es zeigt das behutsame Vortasten in einen Raum, den in Forchheim seit Jahrhunderten keine Menschenseele mehr gesehen hat. Der längst aus dem Gedächtnis der Stadt verschwunden ist.
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„Wir haben sensationelle Entdeckungen gemacht.“ Kaum ist dieser Satz gefallen, erlöschen die Lichter. Auf der Leinwand startet ein Video. Es zeigt das behutsame Vortasten in einen Raum, den in Forchheim seit Jahrhunderten keine Menschenseele mehr gesehen hat. Der längst aus dem Gedächtnis der Stadt verschwunden ist. © Athina Tsimplostefanaki

Ein kleines Loch im Boden der Sakristei der Spitalkirche in der Bamberger Straße hat die Neugier des Forchheimer Restaurators Peter Turek und der Archäologen geweckt. Sechs mal sechs Zentimeter klein. Gerade groß genug, um eine Kamera samt Licht mit einem Seil in die unbekannte Dunkelheit abtauchen zu lassen. Je tiefer die Technik gelangt, desto klarer wird, was dort schlummert: Knochen und Überreste von menschlichen Schädeln. Das versetzt den Restaurator in Spannung.
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Ein kleines Loch im Boden der Sakristei der Spitalkirche in der Bamberger Straße hat die Neugier des Forchheimer Restaurators Peter Turek und der Archäologen geweckt. Sechs mal sechs Zentimeter klein. Gerade groß genug, um eine Kamera samt Licht mit einem Seil in die unbekannte Dunkelheit abtauchen zu lassen. Je tiefer die Technik gelangt, desto klarer wird, was dort schlummert: Knochen und Überreste von menschlichen Schädeln. Das versetzt den Restaurator in Spannung. © Archäologie Dokumentation/Jochen Scherbaum

Ein Team der Bamberger „Archäologischen Dokumentation“ rückt an – auf der Suche nach einem Zugang in dem unbekannten Raum. Zwischen der Außenmauer der Sakristei und dem Gartenzaun ist nicht viel Platz auf dem Grundstück. Archäologen entfernen zunächst die Grasnarbe. Dass sie auf dem Weg nach unten noch auf weitere Funde stoßen, kommt genauso überraschend, wie die späteren Knochenfunde.
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Ein Team der Bamberger „Archäologischen Dokumentation“ rückt an – auf der Suche nach einem Zugang in dem unbekannten Raum. Zwischen der Außenmauer der Sakristei und dem Gartenzaun ist nicht viel Platz auf dem Grundstück. Archäologen entfernen zunächst die Grasnarbe. Dass sie auf dem Weg nach unten noch auf weitere Funde stoßen, kommt genauso überraschend, wie die späteren Knochenfunde. © Archäologie Dokumentation/Jochen Scherbaum

„Wir haben Reste einer massiven Mauerecke gefunden“, sagt Archäologe Jochen Scherbaum. Sie sind so wuchtig, dass nur ein Schluss sinnig ist.
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„Wir haben Reste einer massiven Mauerecke gefunden“, sagt Archäologe Jochen Scherbaum. Sie sind so wuchtig, dass nur ein Schluss sinnig ist. © Archäologie Dokumentation/Jochen Scherbaum

Zum ersten Mal seit Jahrhunderten erhellt das Tageslicht das Gewölbe, nachdem die Archäologen Erde und Steinreste entfernen. Als wären die Knochen nicht schon spektakulär genug, entdecken die Forscher in dem Geröll einen größeren Brocken Stein, einen Marter.
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Zum ersten Mal seit Jahrhunderten erhellt das Tageslicht das Gewölbe, nachdem die Archäologen Erde und Steinreste entfernen. Als wären die Knochen nicht schon spektakulär genug, entdecken die Forscher in dem Geröll einen größeren Brocken Stein, einen Marter. © Archäologie Dokumentation/Jochen Scherbaum

„Er war wohl schon damals beschädigt, als er in der Erde entsorgt wurde. Er ist allerdings von hochrangiger Qualität und für spätere Ausstellungen interessant“, sagt Scherbaum im Stiftungsausschuss des Stadtrates. 

 
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„Er war wohl schon damals beschädigt, als er in der Erde entsorgt wurde. Er ist allerdings von hochrangiger Qualität und für spätere Ausstellungen interessant“, sagt Scherbaum im Stiftungsausschuss des Stadtrates.    © Jochen Scherbaum

Die „sensationelle Entdeckung“, von der Hochbauamtsleiterin Sigrun Wagner spricht, ist dem Zufall und einem konkreten Vorhaben geschuldet: Den Vereinigten Pfründerstiftungen gehört das Grundstück samt Kirche. Die Stadt verwaltet die Stiftung und plant, die Spitalkirche für sechs Millionen Euro in ein öffentliches Gebäude umzubauen. Darin sollen sich einmal alle Generationen treffen können. Gerade finden in Vorbereitung auf diese Generalsanierung (geplanter Start im Herbst 2021) erste Rückbauarbeiten statt. 
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Die „sensationelle Entdeckung“, von der Hochbauamtsleiterin Sigrun Wagner spricht, ist dem Zufall und einem konkreten Vorhaben geschuldet: Den Vereinigten Pfründerstiftungen gehört das Grundstück samt Kirche. Die Stadt verwaltet die Stiftung und plant, die Spitalkirche für sechs Millionen Euro in ein öffentliches Gebäude umzubauen. Darin sollen sich einmal alle Generationen treffen können. Gerade finden in Vorbereitung auf diese Generalsanierung (geplanter Start im Herbst 2021) erste Rückbauarbeiten statt.  © Archäologie Dokumentation/Jochen Scherbaum

Dabei hat der Forchheimer Restaurator Turek das Loch im Boden der Sakristei entdeckt. 

 
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Dabei hat der Forchheimer Restaurator Turek das Loch im Boden der Sakristei entdeckt.    © Archäologie Dokumentation/Jochen Scherbaum

Turek: „Wir haben den Verdacht, dass es sich bei dem Gewölbe um ein klassisches Beinhaus handelt.“ Archäologe Scherbaum datiert den Bau des Beinhauses auf das Jahr 1490. Eine Inschrift im Gewölbe deute darauf hin. 

 
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Turek: „Wir haben den Verdacht, dass es sich bei dem Gewölbe um ein klassisches Beinhaus handelt.“ Archäologe Scherbaum datiert den Bau des Beinhauses auf das Jahr 1490. Eine Inschrift im Gewölbe deute darauf hin.    © Archäologie Dokumentation/Jochen Scherbaum

„Dass die Stadt über diesem Raum heute wieder einen Gebetsraum plant, stellt die Uhr zurück in die Gedankenwelt des Mittelalters“, sagt Turek. Im Mittelalter habe man über Beinhäuser einen Gebetsraum gebaut, damit für das Seelenheil der Toten gebeten werden kann und der Satan keinen Zugriff auf die Seelen hat. Die Knochen seien in Beinhäuser verlagert worden, wenn der Platz auf dem Friedhof knapp wurde. Einen solchen gab es um die Spitalkirche. „Das ist ein neuer Schwerpunkt in der Stadt, den man auch für touristische Aspekte erschließen kann“, ist Turek überzeugt.

 
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„Dass die Stadt über diesem Raum heute wieder einen Gebetsraum plant, stellt die Uhr zurück in die Gedankenwelt des Mittelalters“, sagt Turek. Im Mittelalter habe man über Beinhäuser einen Gebetsraum gebaut, damit für das Seelenheil der Toten gebeten werden kann und der Satan keinen Zugriff auf die Seelen hat. Die Knochen seien in Beinhäuser verlagert worden, wenn der Platz auf dem Friedhof knapp wurde. Einen solchen gab es um die Spitalkirche. „Das ist ein neuer Schwerpunkt in der Stadt, den man auch für touristische Aspekte erschließen kann“, ist Turek überzeugt.   © Archäologie Dokumentation/Jochen Scherbaum

Doch nicht nur die zufällig entdeckten Knochen sind in den Augen von Archäologen und Stadtbauamt ein Schatz. Vier gotische Altartafeln hängen bisher in der Spitalkirche. Wie wertvoll diese sind, macht Turek klar: „Das steht normalerweise nur im Germanischen Nationalmuseum.“ Die Tafeln sollen nach dem Umbau im Gebetsraum bewundert werden können. 

 
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Doch nicht nur die zufällig entdeckten Knochen sind in den Augen von Archäologen und Stadtbauamt ein Schatz. Vier gotische Altartafeln hängen bisher in der Spitalkirche. Wie wertvoll diese sind, macht Turek klar: „Das steht normalerweise nur im Germanischen Nationalmuseum.“ Die Tafeln sollen nach dem Umbau im Gebetsraum bewundert werden können.    © Archäologie Dokumentation/Jochen Scherbaum

Was mit den Knochenfunden unter der Spitalkirche passiert, ist auch noch offen. „Sie werden zunächst gesammelt“, erklärt Archäologe Scherbaum. Das Landesamt für Denkmalpflege entscheide dann, ob die Funde zur weiteren Untersuchung nach München geschickt oder an die Kirchengemeinde übergeben werden.
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Was mit den Knochenfunden unter der Spitalkirche passiert, ist auch noch offen. „Sie werden zunächst gesammelt“, erklärt Archäologe Scherbaum. Das Landesamt für Denkmalpflege entscheide dann, ob die Funde zur weiteren Untersuchung nach München geschickt oder an die Kirchengemeinde übergeben werden. © Archäologie Dokumentation/Jochen Scherbaum

„Sie würden dann auf dem Friedhof beigesetzt werden.“ Und so ihre letzte Ruhestätte finden. Ausgrabungen finden derzeit auch auf der Sparkassen-Baustelle an der Birkenfelderstraße statt.
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„Sie würden dann auf dem Friedhof beigesetzt werden.“ Und so ihre letzte Ruhestätte finden. Ausgrabungen finden derzeit auch auf der Sparkassen-Baustelle an der Birkenfelderstraße statt. © Archäologie Dokumentation/Jochen Scherbaum