Dienstag, 24.11.2020

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Schädel und Knochen: Sensationsfund unter Forchheimer Kirche

Menschliche Überreste wurden in einem Gewölbekeller gefunden - 19.10.2020 11:23 Uhr

Die Forchheimer Spitalkirche soll generalsaniert werden.

18.10.2020 © Athina Tsimplostefanaki


"Wir haben sensationelle Entdeckungen gemacht." Kaum ist dieser Satz gefallen, erlöschen die Lichter. Auf der Leinwand startet ein Video. Es zeigt das behutsame Vortasten in einen Raum, den in Forchheim seit Jahrhunderten keine Menschenseele mehr gesehen hat. Der längst aus dem Gedächtnis der Stadt verschwunden ist.

kleines Loch im Boden der Sakristei der Spitalkirche in der Bamberger Straße hat die Neugier des Forchheimer Restaurators Peter Turek und der Archäologen geweckt. Sechs mal sechs Zentimeter klein. Gerade groß genug, um eine Kamera samt Licht mit einem Seil in die unbekannte Dunkelheit abtauchen zu lassen. Je tiefer die Technik gelangt, desto klarer wird, was dort schlummert: Knochen und Überreste von menschlichen Schädeln. Das versetzt den Restaurator in Spannung.

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Schädel und Knochen in unbekanntem Raum in Forchheim entdeckt

Es sind sensationelle Entdeckungen: Unter der Spitalkirche in Forchheim in der Bamberger Straße haben Archäologen einen bisher unbekannten Raum entdeckt - mit menschlichen Schädeln und Knochen.


Ein Team der Bamberger "Archäologischen Dokumentation" rückt an – auf der Suche nach einem Zugang in den unbekannten Raum. Zwischen der Außenmauer der Sakristei und dem Gartenzaun ist nicht viel Platz auf dem Grundstück. Archäologen entfernen zunächst die Grasnarbe. Dass sie auf dem Weg nach unten noch auf weitere Artefakte stoßen, kommt genauso überraschend, wie die späteren Knochenfunde.

"Wir haben Reste einer massiven Mauerecke gefunden", sagt Archäologe Jochen Scherbaum. Sie sind so wuchtig, dass nur ein Schluss sinnig ist: "Dort muss ein bisher unbekanntes Vorgängergebäude gestanden haben." Nur wenige Zentimeter über dem Fundament verläuft heute das Pflaster der Bamberger Straße, die direkt am eingezäunten Grundstück entlangführt. Immer weiter graben sich die Wissenschaftler in den Boden vor, bis sie tatsächlich auf ihn stoßen: Einen Zugang in den Raum voller Knochen.

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Derzeit kann man an der Ecke Birkenfelder Straße und Zweibrückenstraße einen einmaligen Blick hinein in Forchheims Vergangenheit werfen. Wo später einmal Wohnungen und eine Tiefgarage stehen sollen, sind Grabungsleiter Bernhard Ernst und eine Handvoll Archäologen der Ingolstädter Firma Pro Arch damit beschäftigt, Teile der Festungsanlagen aus dem 18. Jahrhundert freizulegen. Ein Blick in die Baugrube.


Zum ersten Mal seit Jahrhunderten erhellt das Tageslicht das Gewölbe, nachdem die Archäologen Erde und Steinreste entfernen. Als wären die Knochen nicht schon spektakulär genug, entdecken die Forscher in dem Geröll einen größeren Brocken Stein, einen Marter. "Er war wohl schon damals beschädigt, als er in der Erde entsorgt wurde. Er ist allerdings von hochrangiger Qualität und für spätere Ausstellungen interessant", sagt Scherbaum im Stiftungsausschuss des Stadtrates.

Was passiert mit den Knochen?

Die "sensationelle Entdeckung", von der Hochbauamtsleiterin Sigrun Wagner spricht, ist dem Zufall und einem konkreten Vorhaben geschuldet: Den Vereinigten Pfründerstiftungen gehört das Grundstück samt Kirche. Die Stadt verwaltet die Stiftung und plant, die Spitalkirche für sechs Millionen Euro in ein öffentliches Gebäude umzubauen. Darin sollen sich einmal alle Generationen treffen können (wir berichten). Gerade finden in Vorbereitung auf diese Generalsanierung (geplanter Start im Herbst 2021) erste Rückbauarbeiten statt. Dabei hat der Forchheimer Restaurator Turek das Loch im Boden der Sakristei entdeckt.

Turek dazu: "Wir haben den Verdacht, dass es sich bei dem Gewölbe um ein klassisches Beinhaus handelt." Archäologe Scherbaum datiert den Bau des Beinhauses auf das Jahr 1490. Eine Inschrift im Gewölbe deute darauf hin.

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"Dass die Stadt über diesem Raum heute wieder einen Gebetsraum plant, stellt die Uhr zurück in die Gedankenwelt des Mittelalters", sagt Turek. "Das ist ein neuer Schwerpunkt in der Stadt, den man auch für touristische Aspekte erschließen kann", ist Turek überzeugt.

Der überraschende Fund reiht sich in weitere archäologische Grabungen ein, die jüngst für Überraschungen sorgten. In der Wallstraße haben Forscher Reste der mittelalterlichen Stadtmauer entdeckt. Unter dem Rathaus sind Mauern aus dem 9. Jahrhundert ans Tageslicht gekommen, neben einer Reihe europaweit einzigartiger Funde. Die Mauern unter der Rathaushalle könnten Teile der ehemaligen königlichen Pfalz sein, nach der schon lange gesucht worden ist. Die Untersuchungen zu diesen Grabungen laufen noch.

Doch nicht nur die zufällig entdeckten Knochen sind in den Augen von Archäologen und Stadtbauamt ein Schatz. Vier gotische Altartafeln hängen bisher in der Spitalkirche. Wie wertvoll diese sind, macht Turek so klar: "Das steht normalerweise nur im Germanischen Nationalmuseum." Die Tafeln sollen nach dem Umbau im Gebetsraum bewundert werden können.

Was mit den Knochenfunden unter der Spitalkirche passiert, ist noch offen. "Sie werden zunächst gesammelt", erklärt Archäologe Scherbaum. Das Landesamt für Denkmalpflege entscheide dann, ob die Funde zur weiteren Untersuchung nach München geschickt oder aber an die Kirchengemeinde übergeben werden. "Sie würden dann auf dem Friedhof beigesetzt werden." Und so ihre letzte Ruhestätte finden.

PATRICK SCHROLL pas

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