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Schlägerei eskalierte völlig: Jugendliche stehen vor Gericht

Einer der Beschuldigten wurde durch eine abgebrochene Flasche lebensgefährlich am Kopf verletzt - 23.07.2019 15:42 Uhr

 

Die beiden Angeklagten droschen in der Folge so stark auf das Opfer James K. ein, dass dieser Blut spucken musste. Damit aber noch nicht genug: Akay T. wurde danach vermutlich von einem Unbekannten mit einer zerbrochenen Flasche auf den Kopf geschlagen, dass er sogar in Lebensgefahr schwebte. Das Jugendschöffengericht am Amtsgericht Forchheim hat sich nun mit dem Teil des Kampfes beschäftigt, bei dem Akay T. und Nico M. als Schläger auftraten.

Beide Jugendliche legen Geständnis ab

Vor der Einlassung der Angeklagten forderte T.s Anwalt ein Rechtsgespräch mit dem Richter, den beiden Schöffen und der Staatsanwaltschaft. Nico M. war ohne Anwalt im Gerichtssaal erschienen. Gemeinsam wurde ein Strafmaß besprochen – unter der Voraussetzung, dass beide Angeklagten ihre Taten gestehen.

Akay T. sollte demnach 60 Arbeitsstunden ableisten, M. 80 Stunden arbeiten sowie eine Geldauflage von 500 Euro an eine gemeinnützige Organisation spenden.

Die beiden Jugendlichen gestanden daraufhin ihre Beteiligung an dem Streit. T. ließ über seinen Verteidiger verlauten, dass er niemanden verletzen wollte. "Er bedauert, dass er nicht in der Lage war, sich der Situation anderweitig zu entziehen", sagte der Anwalt. Nico M. erklärte, dass er erheblich betrunken gewesen sei und seine Tat einsehe. Da T. zum Tatzeitpunkt noch minderjährig war und M. Heranwachsender, wurden jeweils Jugendgerichtshelferinnen in der Verhandlung angehört.

Schlafstörungen und Panikattacken

Akay T. habe sehr unter der frühen Scheidung seiner Eltern gelitten. Weil er bei dem Kampf selbst fast gestorben wäre, habe er zudem Schlafstörungen und Panikattacken.

Ab September beginne der jetzt 16-Jährige eine Ausbildung und komme dadurch in ein geregeltes Leben. Nico M. wies eine ähnliche Biografie auf. Auch er wuchs bei getrennten Eltern auf und hat keinen Kontakt zum Vater. "Seine Mutter hat ihm kaum Grenzen gesetzt", erklärte die Gerichtshelferin.

M. ist mittlerweile weitgehend selbstständig. Er macht seit August 2018 eine Ausbildung zum Parkettleger. Aufgrund erheblicher Reiferückstände, die mit seiner Vergangenheit zusammenhängen, empfahl sie die Anwendung von Jugendstrafrecht.

Lehren aus lebensgefährlicher Verletzung

"Wir verhandeln nur einen kleinen Ausschnitt aus einer bösen Auseinandersetzung", meinte Staatsanwältin Lea Klautke. Beide hätten einen gewissen Beitrag geleistet. Akay T. habe die meisten Lehren wohl schon aus seiner lebensgefährlichen Verletzung gezogen, sagte sie. T. wies eine Eintragung im Bundeszentralregister auf, M. sogar vier. Keines der Vergehen war jedoch einschlägig, bei mehreren war von der Verfolgung abgesehen worden.

Richter Philipp Förtsch folgte der Verständigung aus dem Rechtsgespräch. Akay T. wurde zu 60 Arbeitsstunden verurteilt. Außerdem bekommt er eine sechsmonatige Gesprächsweisung auferlegt – auch, um sein Trauma zu überwinden.

Nico M. muss aufgrund seines Alters 80 Stunden arbeiten. Dazu zahlt er 500 Euro an den Verein "Brückla" in Forchheim. Die Kosten für das Verfahren trägt die Staatskasse. 

Julian Hörndlein

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