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Schulen im Kreis Forchheim: Heute gibt’s Zeugnisse, oder nicht?

Verschiedene Arten der Notenbilanz während Distanzunterricht - Frust im Homeschooling - 05.03.2021 06:03 Uhr

Schüler stürmen aus der Schule und freuen sich über ihre Zwischenzeugnisse. Solche Bilder gab es vor Corona-Zeiten am Zeugnistag. Während viele aktuell noch im Homeschooling sind, werden Leistungsbilanzen anders übermittelt.

04.03.2021 © Foto: Thomas Warnack/dpa


Am heutigen Freitag sollten eigentlich die Zwischenzeugnisse überreicht werden, nachdem der Termin 12. Februar verschoben worden war. Doch während Lockdown und teils Homeschooling andauern, wurden im Landkreis verschiedene Wege gefunden, Bilanz zu ziehen. Wir haben uns umgehört.


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"Bei uns gibt es Zeugnisse erst später", sagt Johannes Maiwald, der die FOS in Forchheim in der 12. Klasse besucht. Das meiste habe bisher gut funktioniert: "Wir haben alles normal geschrieben und hatten keine Quarantänefälle." Im Onlineunterricht wurde nicht verlangt, die Kamera einschalten zu müssen. "Manche Schüler fürchten schon ein Risiko, ungewollt aufgezeichnet zu werden", glaubt er. Der 17-Jährige hat eher Sorge, wie das zweite Halbjahr verlaufen wird: "Ich hoffe, dass sich die Tests nicht ballen werden und es keine Quarantänefälle geben wird."

Heimlich Lehrerin gefilmt

Am Beruflichen Schulzentrum in Forchheim gab es im Onlineunterricht einen Zwischenfall: "Zwei Schüler haben heimlich eine Lehrerin gefilmt", sagt Schulleiterin Elisabeth Bräunig. Der Disziplinarausschuss tagte: "Das Video zeigt eine normale Szene des Matheunterrichts, aber es ist eine Persönlichkeitsverletzung." Die Eltern der Schüler wurden informiert, beide hätten als Auflage erhalten, als Kontrolle ihre Kamera dauerhaft eingeschaltet zu lassen.

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An der Abstrich-Station in der Forchheimer Ruhalmstraße sowie im Nebengebäude der Realschule Ebermannstadt können sich seit Dienstag Grundschüler sowie die Schüler der weiterführenden oder berufsbildenden Schulen mittels PCR-Test auf eine mögliche Corona-Infektion testen lassen. Die kostenlose Aktion läuft in Forchheim noch bis 5. März, in Ebs endet sie am 3. März. Rund 600 Schüler haben sich zum Testen angemeldet.


Heute erhielten die Klassen im Präsenzunterricht ihre Zeugnisse vor Ort, alle anderen per Post. "Die Zeugnisvergabe ist kein Problem", sagt Bräunig, im Unterschied zur aktuellen Unterrichtssituation: Manche Lehrer hätten je nach Klasse an einem Tag Distanz- und Schulunterricht. "Das ist mit den Klassenräumen nicht einfach, je nachdem, von wo die Lehrer den Distanzunterricht per Video geben." Gehen die Corona-Zahlen wieder nach oben, "sind wir in Schockstarre". Viele Schüler wollten wieder zurück in den Unterricht vor Ort. Und manche Anordnungen der Regierung kämen spät.

Mutter: "Ich bin echt geladen"

Aktuell hat die Schulleiterin nicht die Hoffnung, dass die geplanten, freiwilligen Selbsttests Sicherheit bringen: "Testen und Kontakte nachverfolgen finde ich gut. Aber noch bin ich nicht überzeugt, dass die Selbsttests eine ausreichende Strategie darstellen." Mindestens zweimal die Woche und verlässlich müsse getestet werden.

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"Ich bin echt geladen", sagt die Mutter eines Jungen, der die Realschule in Ebermannstadt besucht. "Was sollen die Noten denn bei den wenigen Prüfungen aussagen?!" Schlechte Noten konnten kaum ausgebessert werden. "Derzeit wird alles nur ausgesessen und auf dem Rücken der Schüler ausgetragen." Manche Lehrer sagten: "Die Kinder schaffen das schon", doch das ist zu wenig, findet sie.

Qualität des Online-Unterrichts hängt vom Lehrer ab

An Grundschulen gibt es von der 1. bis zur 3. Klasse statt Zeugnissen Lernentwicklungsgespräche, bei denen sich Lehrkraft und Kind austauschen, nachdem die Leistung eingeschätzt wurde. "Ich finde sie super. Oft schätzen sich die Kinder realistisch ein", sagt eine Mutter aus Forchheim, deren Kinder Grundschule und Gymnasium besuchen. An der Anna-Grundschule in Forchheim konnten die Eltern wählen, ob das Gespräch online oder vor Ort stattfindet. "Das finde ich toll. Den Kindern tut das persönliche Feedback gut."


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Dabei könnten schlechtere Leistungen auch besser eingeordnet werden – gerade, wenn Homeschooling das Lernen verändert. Zu den Erfahrungen am Gymnasium sagt sie: "Die Kinder sind im Blindflug unterwegs." Wie gut der Onlineunterricht gestaltet wird, hänge stark vom Lehrer ab. "Es wird spannend, wenn die Kinder wieder im Unterricht sind. Dann wird sich zeigen, ob sich im Homeschooling Defizite ergeben haben."

Lernentwicklungsgespräche nur auf Nachfrage

An der Martinschule in Forchheim werden heute Beurteilungsbögen verteilt und die Lernentwicklungsgespräche zwischen Lehrkraft und Kind heuer nur auf Nachfrage durchgeführt, so Schulleiterin Kerstin Friedrich, "wenn von beiden Seiten Redebedarf da ist, entweder als Videokonferenz oder telefonisch." Kinder sowie Eltern und Lehrer seien über das Tool Schulmanager in Kontakt.

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Mit einem großen Kraftakt haben das Technische Hilfswerk und mehrere Feuerwehren des Landkreises in den letzten Tagen das Forchheimer Impfzentrum im ehemaligen Schülerwohnheim "Don Bosco" eingerichtet. Es ist eines von zwölf in ganz Oberfranken und soll, wenn es in Betrieb geht, mindestens 300 Impfungen pro Tag schaffen. Am Mittwochabend gab eine erste Trockenübung – natürlich noch ohne den Impfstoff – um die Abläufe erproben und betrachten zu können. Die Nordbayerischen Nachrichten waren mit dabei und erklären, was die Impfwilligen dort erwartet.


"Kinder wollen auf jeden Fall auch Rückmeldungen ihrer Lehrer", sagt sie. Bezüglich der Selbsttests: "Alles, was uns Sicherheit gibt, ist optimal." Sie müsse besonders die Eltern und Lehrer loben. Alle versuchten, so gut es geht entsprechend der Rahmenbedingungen zu handeln. "Die Kinder im Distanzunterricht zu versorgen, ist für die Eltern nicht ohne."

Drei Arten der Zeugnisvergabe

An der Mittelschule Neunkirchen gibt es heuer gleich drei Arten der Zeugnisvergabe, erklärt Schulleiterin Carmen Dornheim: Die Präsenzschüler bekommen sie vor Ort und decken teils Geschwisterkinder mit ab, andere bekommen sie per Post und wieder andere bei einem klassenweise individuell vereinbarten Zeitfenster vor Ort: "Das zeigt, wie flexibel wir Schulen reagieren. Als kleine Schule mit 183 Schülern können wir so etwas gut machen", sagt sie.

Manche Kinder hätten extra abgelehnt, dass Schwester oder Bruder das Zeugnis für sie mitnehmen, weil sie sich darauf freuten, das Zeugnis selbst zu erhalten: "Das war ganz süß, der persönliche Kontakt ist eben ehrlich wichtig." Bislang hätte die Schule Glück gehabt: "Wir hatten bis Dezember keine Quarantänefälle." Wenn sie vorkämen, wäre es gerade für Abschlussklassen schwierig. "Jede Woche Präsenzunterricht ist wertvoll. Wir hoffen, dass wir weiterhin Glück haben", sagt sie.

Viel weniger Leistungsproben als sonst

"In den neunten und zehnten Klassen verschicken wir auf Anfrage die Zeugnisse. Alle anderen erhalten Ende März Noteninformationen", sagt Siegfried Reck, Schulleiter des Gymnasiums Fränkische Schweiz Ebermannstadt. Bei letzteren sind die einzelnen Noten, die schriftlich und mündlich entstanden sind, aufgelistet.

Die Schulen hatten angesichts des Lockdowns laut Kultusministerium die Möglichkeit, die Zwischenbilanz zu verschieben und in anderer Form durchzuführen. Die Schule müsse mitteilen, wenn die Vorrückung gefährdet sei, wolle aber in einem Begleitschreiben an die Eltern auf die besondere Lage hinweisen: "Die Durchschnittsnoten sind wenig aussagekräftig. Es haben im Vergleich zu sonst viel weniger Leistungsproben stattgefunden", sagt er.

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Kein klassischer Vokabeltest oder musisches Spiel möglich

Klassische Vokabeltests seien per Videokonferenz nicht möglich, es könnte ja ein Spickzettel neben dem Computer liegen. Auch musisches Spiel klappe wegen mitunter schlechter Übertragungsqualität kaum. "Es braucht kreative Lösungen."

Im Fach Kunst sei es zum Beispiel möglich, dass Schüler Werke zuhause erstellen, diese aus mehreren Perspektiven fotografieren und der Lehrer sie dann bewerte. Beim Onlineunterricht seien die Kameras aus: "Die Schüler befinden sich ja in einem privaten Umfeld. Hinzu kommt, dass die Verbindungsqualität in der Fränkischen nicht immer die beste ist."

Wunsch: Baldiges Signal für die Zeugnisse am Schuljahresende

Am Ehrenbürg-Gymnasium in Forchheim werden heute Notenbilanzen verschickt, erklärt Direktor Karlheinz Schoofs. "Da jede einzelne Note aufgelistet ist, geben sie sogar mehr Aufschluss über die Leistungen als übliche Zeugnisse. Aber er wünscht sich, dass "das Ministerium ein Signal gibt, dass auch die Jahreszeugnisse besonderen Bedingungen unterliegen". Vorrücken auf Probe zu ermöglichen fände er wichtig.

Motiv: EGF Zeugnisse, Zwischenzeugnisse, Post, Sekretärinnen links Frau Heidner rechts Frau Otzelberger. Foto: Ehrenbürg-Gymnasium Forchheim

04.03.2021 © Ehrenbürg-Gymnasium Forchheim


Bei Referaten im Homeschooling sollen die Schüler ihre Kamera einschalten, das würde zuvor vereinbart. "Damit man nichts Privates sieht, gibt es heute ja Möglichkeiten, einen Landschaftshintergrund einzublenden, das habe ich selbst schon gemacht." Er hofft, dass die nächsten Wochen gut verlaufen und keine Quarantänefälle mehr vorkommen: "Es ist ein Kraftakt, alle bestmöglich auf das Abitur vorzubereiten. Letztes Jahr haben wir es auch geschafft, ich hoffe, es gelingt uns wieder."

"Ich habe großes Verständnis, dass zurzeit alles anders läuft", sagt Timo Mayer, der am EGF die Q12 besucht. Man müsse flexibel reagieren. "Das Zeugnis wurde ja eh schon verschoben, so langsam kribbelt es mich schon in den Fingern, es zu bekommen." Videokonferenzen stören ihn nicht, er weiß aber, dass andere nicht so willig sind, sich zu zeigen: "Bei unteren Jahrgängen freuen sich viele, sich wenigstens so zu sehen, aber bei den älteren Schülern ist das Interesse nicht so groß", sagt er.

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