Schulnote 4,0 für Forchheim beim Fahrradklimatest

26.3.2021, 06:49 Uhr
Im Sommer 2019 hatte der ADFC bei einer Demonstration auf der Piastenbrücke für fahrradfreundlichere und sicherere Wege auf den Straßen der Stadt geworben. Die Schwimmnudeln zeigen, wie viel Sicherheitsabstand Autos halten sollten.

Im Sommer 2019 hatte der ADFC bei einer Demonstration auf der Piastenbrücke für fahrradfreundlichere und sicherere Wege auf den Straßen der Stadt geworben. Die Schwimmnudeln zeigen, wie viel Sicherheitsabstand Autos halten sollten. © Archivfoto: Roland Huber

Sicher und bequem mit dem Fahrrad in Forchheim unterwegs sein, als echte Alternative zum Auto – das wünscht sich Gerhard Krahl, verkehrspolitischer Sprecher des ADFC Forchheim. Doch dieses Ziel scheint noch in weiter Ferne zu sein.

Beim Fahrradklimatest 2020 des ADFC erhält die Königsstadt die Schulnote 4,0 und hat sich seit dem letzten Test vor zwei Jahren sogar leicht verschlechtert. 2018 erhielt Forchheim die Note 3,9 und 2016 ebenfalls schon die Note 4,0.

Vom Rad absteigen und schieben müssen

76 Prozent der Befragten sind unzufrieden mit der Fahrradförderung in Forchheim in der jüngsten Zeit. 77 Prozent bemängeln eine fehlende Führung der Radwege an Baustellen und dass sie häufig vom Rad absteigen und schieben müssen. Und 60 Prozent fühlen sich beim Fahrradfahren in Forchheim schlicht nicht sicher. Mehr zu Forchheims Ergebnissen.

"Leider sind wir immer noch auf einem der hinteren Plätze im Städtevergleich. Das Hauptproblem sind immer noch die Ampelschaltungen", sagt Gerhard Krahl. An der Obi-Kreuzung müssen Radfahrer sechs Mal an Ampeln warten, bevor sie sie überquert haben, am Kersbacher Kreuz werden sie fünf Mal ausgebremst und müssen an der Ampel warten.

Problemstelle Kersbacher Kreuz

Einen Orts-Termin mit dem ADFC hat es am Kersbacher Kreuz schon gegeben, auch in der Arbeitsgemeinschaft Rad waren die Ampelschaltungen schon Thema. Konsens: Man wolle sich kümmern und bleibe dran. "Ich rufe alle paar Wochen beim Ordnungsamt an. Passieren tut: nichts", ärgert sich Krahl.

Um das Klima stärker zu schützen, müssten mehr Menschen vom Auto aufs Rad umsteigen. "Viele wollen gern öfter das Fahrrad nehmen", weiß Krahl. Auch im Alltag, um zur Arbeit zu fahren, oder in der Freizeit. "Radfahrer haben aber zu oft noch das Nachsehen im Vergleich zu Autofahrern", sagt er.

Totalsperrung der Eisenbahnbrücke

"Über die Totalsperrung der Eisenbahnbrücke für Radfahrer im vergangenen Jahr habe ich mich geärgert", sagt Krahl. Weil die Stadt feststellte, dass die Brückengeländer zu niedrig sind und keine schnelle Lösung in Sicht war, wurde die Brücke kurzerhand für Radfahrer gesperrt, bis das Geländer erhöht werden konnte.

Radfahrer mussten absteigen und schieben. "Eine andere Lösung wäre möglich gewesen", ist sich Krahl sicher. Ein Pop-Up-Radweg zum Beispiel, den der ADFC gerne auch anderswo in Forchheim gesehen hätte.

"Die Forderung gab es immer wieder", sagt Krahl. Auch in der letzten Sitzung der Arbeitsgemeinschaft Rad war sie Thema. Von Seiten der Stadt hieß es, in Forchheim gäbe es – anders als in größeren Städten wie Nürnberg – kaum geeignete Straßen.

Pop-Up-Radweg als Möglichkeit?

"Warum nicht auf der vierspurigen Theodor-Heuss-Allee eine Spur freimachen?", warf Krahl damals ein. "Das ist eine Bundesstraße, auf der 24 000 Fahrzeuge täglich fahren. Wenn darauf 20 bis 100 Radfahrer kommen, tue ich mir schwer", sagte Werner Schaup, Leiter des Tiefbauamts. Gleichzeitig wurde auf das Verkehrskonzept für die gesamte Stadt verwiesen, das erarbeitet wird.

Loben möchte Gerhard Krahl den Winterdienst. Da hat die Stadt wie auch bei der Reinigung der Wege in den letzten Jahren nachgebessert (wir berichteten). In diesem Winter gab es Richtung Hausen Probleme. "Wir haben das angesprochen, die Zuständigkeit wurde rasch geklärt und das Ganze angegangen", sagt Krahl. Das würde er sich auch bei anderen Problemen wünschen.

Guter Austausch mit der Fahrradbeauftragten

"Insgesamt gibt es viel Luft nach oben." Im September 2019 hat die Stadt Forchheim eine Fahrradbeauftragte benannt, Reinhilde Steinmetz. Dass es sie gibt, begrüßt der ADFC. Der Austausch sei intensiv und gut, die Radbeauftragte reagiere auch schnell. "Aber diese eine Stelle ist zu wenig", kritisiert Krahl. Das findet auch Bürgermeisterin Annette Prechtel (FGL), verantwortlich für Kultur, Klimaschutz und den Umweltverbund.

Bürgermeisterin Annette Prechtel kennt selbst verbesserungswürdige Stellen und sagt: „Ich weiß, wo die Schwächen liegen.“

Bürgermeisterin Annette Prechtel kennt selbst verbesserungswürdige Stellen und sagt: „Ich weiß, wo die Schwächen liegen.“ © Foto: Eduard Weigert

"Beim Thema Fahrrad ist "Forchheim personell nicht gut aufgestellt", sagt sie. Die Fahrradbeauftragte Reinhilde Steinmetz "hat eine halbe Stelle und ist zudem für zwei aufwändige Bereiche zuständig: Fahrradthemen und Naturschutz", erklärt sie. Aktuell ist eine Stelle zur Verkehrsplanung ausgeschrieben. "Dort muss das Fahrrad von Anfang an mitgedacht werden." Verbände sollen angehört werden und nicht erst, wenn die Planung schon stehe.

"Nicht überrascht"

"Überrascht haben mich die Ergebnisse nicht. Ich bin viel mit den Verbänden und Fahrradfahrern im Austausch und weiß, wo die Schwächen liegen", sagt Prechtel.

Besonders die Schulnote 4,2 für Beschaffenheit und Breite der Radwege sowie "das leidige Thema Ampelschaltungen" findet sie bedauerlich. Die Stadt könne die Schaltungen nur bedingt selbst steuern: "Da arbeiten wir mit dem Staatlichen Bauamt und den Betreibern der Ampelanlagen zusammen. Wir müssen da dranbleiben", sagt sie.

Erfreulich an den Ergebnissen des Fahrradklimatests findet Prechtel aber, dass Jung und Alt in Forchheim Fahrrad fahren. Das sei Voraussetzung und Auftrag zugleich, dafür zu sorgen, dass Menschen weiterhin gerne aufs Rad steigen. Zudem bewertet sie positiv, dass laut der ADFC-Befragung das Zentrum gut mit dem Rad erreichbar sei.

Gefährlich für Familien

Aber es gibt auch gefährliche Stellen in Forchheim. Eine kennt Prechtel als Radfahrerin selbst sehr gut: Wenn man nach der Eisenbahnbrücke über die Bayreuther Straße will, muss man zweimal anhalten. "Auf der kleinen Mittelinsel, wo man lange warten muss, ist wenig Platz. Das ist für Familien mit Fahrrad-Anhänger oder mit kleinen Kindern auf dem Rad gefährlich", sagt sie. Auch Lkw fahren vorbei. Und kurz danach, Richtung Hainbrunnenstraße, endet der Radweg.

"Wir müssen die Hauptverkehrsrouten für Fahrradfahrer sicherer und attraktiver machen", sagt sie. Damit mehr Menschen aufs Rad statt ins Auto steigen und das nicht nur bei schönem Wetter: "Klimaschutz geht nicht ohne Verkehrswende", sagt sie.

"Andere Städte sind uns weit voraus", weiß Prechtel. Erlangen zum Beispiel. Beim Fahrradklimatest ist Erlangen bundesweit auf Platz 2 und bayernweit auf Platz 1 gelandet. "Ich will, dass wir beim nächsten Fahrradklimatest in zwei Jahren schon deutlich besser abschneiden", sagt Annette Prechtel.

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