Seltene Wildkräuter: Landwirte aus Oberfranken bei Wettbewerb ausgezeichnet

18.9.2020, 14:29 Uhr
Der Ackerwildkrautpreis 2020 ist in Oberfranken verliehen worden: Beim Wettbewerb hatten 27 Landwirtinnen und Landwirte mitgemacht.

Der Ackerwildkrautpreis 2020 ist in Oberfranken verliehen worden: Beim Wettbewerb hatten 27 Landwirtinnen und Landwirte mitgemacht. © Foto: Marion Ruppaner

In der heutigen Landwirtschaft sind Äcker meist unkrautfrei. Sie wirken steril und bieten keine Lebensräume für Insekten und Pflanzen. Dass es auch anders geht, haben 27 Landwirtinnen und Landwirte aus Oberfranken beim Ackerwildkraut-Wettbewerb gezeigt, wie aus einer Pressemitteilung hervorgeht.

Der Deutsche Verband für Landschaftspflege (DVL), die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL), Bioland und der Bund Naturschutz in Bayern (BN) würdigten die Gewinner aus den Landkreisen Forchheim, Lichtenfels und Bamberg. Darunter ist auch Markus Haslbeck aus Götzendorf.

Wildkrautreiche Äcker sind bei angepasstem Management Naturschätze, in denen sich unzählige Insekten tummeln. Sie können seltene oder vom Aussterben bedrohte Ackerwildkräuter beherbergen. Wildkräuter sind zudem wichtige Nahrungslieferanten für Insekten und andere Tiere.

Seltene Arten entdeckt

Aus den neun Landkreisen Oberfrankens bewarben sich 27 landwirtschaftliche Betriebe mit ausgewählten Flächen für den Wettbewerb, darunter 23 ökologisch- und vier konventionell wirtschaftende Betriebe. Die Siegeräcker in beiden Kategorien wiesen acht beziehungsweise neun Arten auf, die bereits auf der Roten Liste der gefährdeten Arten stehen und in Bayern selten sind.

Sieger in der Kategorie Ökologischer Landbau wurde der Acker von Markus Haslbeck, der in Götzendorf im Landkreis Forchheim in Familientradition die Landwirtschaft weiterführt. Auf dem gemeldeten Winterweizenstandort wurden 27 Ackerwildkrautarten gefunden. Unter den seltenen Arten befand sich der Ackerkohl, der in ganz Deutschland vom Aussterben bedroht ist.

Auf dem Triticale-Acker von Lothar Teuchgräber, der in Bad Staffelstein im Kreis Lichtenfels im Nebenerwerb wirtschaftet und den ersten Preis in der Kategorie konventionelle Landwirtschaft erhielt, konnten 28 verschiedene Ackerwildkrautarten in der Triticale gefunden werden. Auf dem Acker wirtschaftet Teuchgräber nach den Vorgaben des Vertragsnaturschutzprogramms (VNP) und erhält eine entsprechende Förderung.

Bis zu 33 Ackerwildkrautarten

Auf den 23 Bioäckern wurden bis zu 33 Ackerwildkrautarten gefunden, auf den Flächen konventioneller Landwirte bis zu 28 Arten. Doch nicht die reine Anzahl oder deren Seltenheit waren entscheidend für die Platzierung. Betriebe, die ohne Förderprogramme ihre Fläche ackerwildkraut-freundlich bewirtschaften, erhielten zusätzliche Punkte. Die Veranstalter möchten über diesen Weg das freiwillige, unentgeltliche Engagement der Landwirte anerkennen. Bewertet wurde zudem, ob die Arten nur am Rand oder auch im Feldinneren vorkamen, und ob diese besonders konkurrenzschwach gegenüber der Kulturpflanze sind.

Der Ackerwildkraut-Wettbewerb fand 2020 zum vierten Mal in einem der bayerischen Regierungsbezirke statt, nachdem er 2018 in Niederbayern, 2016 in der Oberpfalz und 2014 in Unterfranken ausgetragen wurde.

Landwirte, die Flächen mit artenreicher Ackerwildkrautflora bewirtschaften und Interesse an der Teilnahme am VNP haben, können sich an die Untere Naturschutzbehörde ihres Landratsamtes wenden.

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