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Serie in Franken: DNA und GPS führen zu Automatenknackern

Bande hat in Franken ihr Unwesen getrieben - Zigarettenautomaten im Visier - 07.12.2019 11:52 Uhr

Die Täter gingen nicht gerade zimperlich mit den Zigarettenautomaten (Symbolbid) um. Gleich in mehreren Orten sind sie mit brachialer Gewalt vorgegangen, um an den Inhalt zu kommen.


Drei Jahre muss ein 43-jähriger georgischer Asylbewerber ins Gefängnis. So lautet das Urteil des Schöffengerichtes unter Vorsitz Michael Herbsts. Der Angeklagte war demnach Mitglied einer Bande, die im Frühjahr dieses Jahres Zigarettenautomaten in ganz Nordbayern aufgebrochen und enormen Schaden angerichtet hatte. Fast 30 Fälle in Stadt und Landkreis Bamberg, im Landkreis Forchheim, sowie rund um Ansbach sollen es gewesen sein. Vier davon klagte Staatsanwalt Andreas Uhlstein am Amtsgericht Bamberg an und hatte auf ganzer Linie Erfolg.

Mal finden Spaziergänger mitten im Wald oder auf einem Flurweg einen Haufen Schrott, der sich bei genauerer Betrachtung als ehemaliger Zigarettenautomat entpuppt. Natürlich leer. Mal suchen Raucher vergeblich an Haus- und Scheunenwänden nach dem Kasten, aus dem sie ihre Glimmstengel ziehen. Sie greifen ins Leere.

Komische Dinge gehen vor

Von Februar bis Mai gehen an zahlreichen Orten in der Region komische Dinge vor. Betroffen sind unter anderem Standorte in der Hertzstraße und im Theodor Heuss-Ring (Stadt Bamberg), in Ludwag und Zeckendorf/Scheßlitz, Rattelsdorf, Huppendorf/Königsfeld, Gundelsheim, Frensdorf, Rothensand/Hirschaid (Landkreis Bamberg), sowie Forchheim, Kersbach und Reifenberg/Weilersbach. (Landkreis Forchheim). Der Entwendungsschaden liegt in den vier angeklagten Fällen bei 4335 Euro. Der Sachschaden für die zerstörten Zigarettenautomaten mit 18 254 Euro um ein Vielfaches höher. "Das muss alles jemand bezahlen," so Strafrichter Herbst.

Stets ist es Nacht, als ein Pkw vorfährt. Während der Fahrer wartet, machen sich seine Komplizen daran, mit speziellem Werkzeug den Zigarettenautomaten von der Hauswand abzuhebeln und die rund 100 Kilogramm schwere Beute in den Kofferraum einzuladen. Das Werkzeug haben sie sich teilweise in einem Baumarkt in Nürnberg zusammengestohlen, wie ein Ermittler aussagte.

Mit brachialer Gewalt

Vor Ort aufzubrechen würde zu viel Lärm verursachen. Die Nachbarn könnten geweckt werden. Dann fährt die Bande rund zwei Kilometer weit an eine abgelegene Stelle und macht sich mit brachialer Gewalt über den Kasten her. Sobald sie das Bargeld und die Zigarettenpackungen ausgeräumt hat, lässt sie den Rest einfach liegen. In einigen Fällen kommen die Täter sogar noch einmal wieder, nachdem die Tabakfirma aus Gerolzhofen einen neuen, nun bis an den Rand gefüllten Zigarettenautomaten angeschraubt hat. Nach der Festnahme der mutmaßlichen Bandenmitglieder hört die Serie in der Region abrupt auf.

Die Ermittlungen der Polizeiinspektion Bamberg-Land gestalten sich schwierig. Dennoch gelingt es den Beamten, mittels Telekommunikations-Überwachung, einem am Fahrzeug der Verdächtigen angebrachten GPS-Sender und gefundener DNA-Spuren an einem Tatort, sieben Verdächtige festzustellen. Es sind allesamt georgische Staatsbürger, die als Asylbewerber in der Aufnahmeeinrichtung Oberfranken (AEO) in Bamberg leben. Zu den Tatzeiten sind sie nachweislich nicht auf dem Gelände. Allerdings wollte der Angeklagte keinen seiner Mittäter namentlich nennen. Er habe Angst, so sein Pflichtverteidiger Dieter Widmann aus Bamberg.

In einem Goldankauf-Geschäft in Nürnberg verkauft

Verkauft werden die geraubten Rauchwaren in einem Goldankauf-Geschäft in Nürnberg, das laut polizeilichen Zeugen noch ganz andere Sachen unter der Hand anbietet. Offenbar hat ein zweites Team die heiße Ware im Bereich um Höchstadt/Aisch übernommen und dorthin weitertransportiert. Den Erlös teilen sich die Bandenmitglieder untereinander auf.

Drei der Komplizen hat Michael Herbst am Amtsgericht Bamberg bereits verurteilt. Ihnen konnte jeweils nur eine Tat und ein Versuch nachgewiesen werden. Nur ihr Geständnis und fehlende Vorstrafen retteten die Angeklagten vor dem Gang hinter Gitter. Sie bekamen Bewährungsstrafen. Diese Möglichkeit hat der nun Angeklagte nicht. Er hatte sich kurz nach seiner Einreise im August 2018 bereits durch bandenmäßigen Diebstahl hervorgetan.

Im Zigarettenrausch

In Supermärkten unter anderem in Rednitzhembach (Landkreis Roth) hatte er mit Landsleuten Dutzende Zigarettenschachteln an der Kasse in eine unten zugebundene Jogginghose fallen lassen. Die Diebe waren gefasst und der Angeklagte zu acht Monaten auf Bewährung verknackt worden.

Aber weder die sechsmonatige Untersuchungshaft, noch der Prozess und die eindringlichen Worte des Strafrichters am Amtsgericht Fürth hatten ihn aufhalten können. Wenige Wochen nach der Entlassung ist er schon wieder auf Beutezug. "Das ist eine enorme Rückfallgeschwindigkeit, noch dazu unter laufender Bewährung," so Staatsanwalt Uhlstein.

Die acht Monate Freiheitsstrafe aus Fürth kommen demnach auch noch auf den Angeklagten zu.

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UDO GÜLDNER

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