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Dienstag, 15.10.2019

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Sigritzau: Der BayWa-Standort kippt

Nach der FGL sprechen sich nun auch die Freien Wähler und der größte Teil der CSU-Fraktion im Stadtrat dagegen aus. - 26.08.2019 06:00 Uhr

Blick vom Kersbacher Kreisel, der nach dem Willen des Kreistages künstlerisch aufgewertet werden soll, über Sigritzau hinweg aufs Walberla. Das Bild, das uns ein über die BayWa-Pläne erboster Leser schickte, ist im Mai dieses Jahres entstanden, als die Vegetation auf den landwirtschaftlichen Flächen ein sattgrünes Bild abgab. Nach der rechten Seite würde sich das Gewerbegebiet erstrecken. © Foto: privat


"Es gibt bessere Varianten" als Sigritzau, sagt Udo Schönfelder. Der CSU-Fraktionssprecher und OB-Kandidat hat seine Haltung kurz vorm Annafest geändert. Verantwortlich dafür macht er nicht den öffentlichen Druck (ein Aktionsbündnis sammelt derzeit Samstag für Samstag in der Hauptstraße Unterschriften für ein Bürgerbegehren). Schönfelder meint, die Stadt (also Oberbürgermeister Uwe Kirschstein, SPD) habe den Stadtrat nicht ausreichend über alternative Standorte informiert: "Das ist heute die Meinung von sehr vielen in meiner Fraktion", so Schönfelder. Er fordert nun im September, wenn das Thema auf die Tagesordnung kommt, genauere Informationen über die sechs Alternativ-Standorte, die laut OB "geprüft" worden seien: "Warum wurden sie verworfen? Wegen der BayWa, wegen der Stadt oder wegen anderer Dinge?"

OB Kirschstein hatte im Juli erklärt, auch in Hallerndorf und Eggolsheim angeklopft zu haben, aber nicht fündig geworden zu sein. Schönfelder: "Ich fühle mich nicht völlig objektiv bedient von der Verwaltung. Wir wollen die BayWa gerne in der Stadt halten, aber wenn sie sich in einer Nachbargemeinde ansiedelt, ist das auch kein Weltuntergang."

Fast wortgleich argumentiert FW- Fraktionssprecher Manfred Hümmer. Auch er änderte seine ursprünglich positive Haltung zu dem Sigritzauer Standort Ende Juli: "Die Stadtratssitzung stand unter dem Diktat der Zeit, die angeblich drängt." So habe sich der Stadtrat wegen Zeitnot "genötigt gesehen", dem Standort zuzustimmen: "Gefallen hat er uns nie", so Hümmer. Inzwischen hat er sich umgehört und erfahren: "Es scheint so zu sein, dass es durchaus Alternativen gibt." Diese sollen nun von der Verwaltung detailliert vorgestellt werden. Auch Hümmer will, dass die BayWa in Forchheim bleibt, aber nicht um jeden Preis: "Dieser Standort soll aus unserer Sicht nicht erschlossen werden." Denn neben der BayWa-Fläche (knapp drei Hektar) sollten bereits in Richtung Kreisel weitere 5000 Quadratmeter für eine Erweiterung des neuen Gewerbegebietes beplant werden.

"Eine der letzten Idyllen"

"Das ist eine der letzten landschaftlichen Idyllen in Forchheim", sagt Hümmer jetzt. Die Fläche sei eine "landwirtschaftlich genutzte Monokultur". Den Bauern solle nicht noch mehr fruchtbarer Boden entzogen werden. Und: "Die Bürger wollen das nicht, das muss man akzeptieren."

OB Kirschstein wird die Ergebnisse der Plan-Auslegung mit sämtlichen privaten und behördlichen Stellungnahmen im September dem Stadtrat vorlegen. Dass sich hier eine Mehrheit dagegen gebildet hat, nahm er bereits zur Kenntnis: "Sigritzau wird es wohl nicht werden, das ist realistisch. Wir haben uns mit der BayWa auf dieser Basis abgestimmt und werden uns jetzt über Alternativen verständigen." Aus seiner Sicht bleiben im Stadtgebiet zwei mögliche Flächen übrig, die aber unterschiedliche Schwächen haben. Dazu gibt es mögliche Standorte in Nachbargemeinden. Schwierig, so der OB, sei in jedem Fall der Grunderwerb von privaten Eigentümern. Über das Vorhaben, so Kirschstein zum Thema Zeitdruck, habe er den Stadtrat seit Jahresbeginn regelmäßig informiert. Der erste, grundsätzliche Beschluss, war einstimmig gefasst worden, auch mit den Stimmen der FGL. Die grüne Fraktion war dann die erste, die sich davon distanzierte.

Das Gelände hat die BayWa inzwischen gekauft, wie die Münchner Pressestelle bestätigt. Es gehörte nach Informationen der NN einem BayWa– Mitarbeiter, kann aber zurückgegeben werden, wenn der Standort nicht genehmigt wird. Die Fläche an der Lände wird von Siemens Healthineers für eine Erweiterung benötigt. Bis Ende 2020 muss "ein Teil des jetzigen Standorts abgebrochen und übergeben" sein, so die Pressestelle. Der zweite Teil muss bis "spätestens 31. August 2021" übergeben sein. Bis dahin muss der neue Standort fertig sein: "Im Vertrauen darauf, dass das Bauleitverfahren an diesem Standort (Sigritzau) positiv durch den Stadtrat begleitet wird, haben wir unser jetziges Grundstück an Siemens verkauft."

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