23°

Dienstag, 16.07.2019

|

Sind wir nicht ganz selbst verständlich?

Mit anderen Worten: Ein Verfechter des Wortspiels will doch nur spielen - 17.06.2019 16:05 Uhr

Wettergegerbt, rostig, spinnenfreundlich: Die besten Glossen gibt's in der Hornschuchallee 9. © Ralf Rödel


Man hat mich vor Ihnen gewarnt. Schon als Kind. Wann immer sich eine Gruppe der Ihrigen in unsere schwäbischen Gefilde verirrt hat, hieß es: „Franken! Schnell weg!“ Als ich später selber regelmäßig auf der A 73 unterwegs war, wurde ich langsam assimiliert: Im Max-Morlock-Stadion habe ich das ein oder andere Nürnberger Tor gesehen, etwas nördlicher konnte ich einen Studienabschluss erlangen, noch ein Stück weiter im Norden schreibe ich Ihnen diese gehaltvollen Zeilen für volles Gehalt. Nur nach Fürth führt mich nix.

Doch auch nach zehn Jahren leben und arbeiten in Ihren Breitengraden – ganz verstehen werden ich Sie nie. Ich habe weiterhin so viele offene Fragen. Als da wären: Nennt man die Bewohner der Fränkischen Schweiz eigentlich Schweizer Franken? Wenn das Walberla einen Gipfel hat, der Rodenstein heißt – wieso gibt es da dann selbstredend keinen Frankenstein? Forchheim hat wenigstens einen Kirschstein. Wohnen die Haus(e)ner in Häusern? Oder die Häus(e)ner in Hausen? Warum ist Gerhard Amon Bürgermeister geworden? Weil er’s kann oder weil er’s bach? War Ihnen das zu flach? Wenn Sie wissen wollen wie flach es bei den Medien wirklich zugehen kann, schauen Sie sich mal das Regional-Fernsehprogramm in meiner Neu-Ulmer Heimat an, Mein-Donau-Kanal sozusagen.

Sie meinen, Willy Astor würde sich jetzt im Grab umdrehen, wenn er denn schon tot wäre? Dann erklären Sie mir bitte erst, ob es nicht klüger wäre, sämtliche Kellner zwischen Forchheim und Hof als Oberfranken zu bezeichnen? Und nur mal angenommen, Beckenbauer würde in Neumarkt Hof halten oder gleich die komplette Stadt vereinnahmen, hieße sie dann Neumarkt in der Kaiserpfalz? Solche Fragen machen mich rasend! Wir gehen auf die Barrikaden, Sie gehen auf die Keller!

Andererseits haben wir doch eine Sache, die uns eint – woher wir wirklich kommen, weiß niemand, das wissen nur wir selbst: Ich bin Schwabe und kein Württemberger, Sie sind Franken und keine Bayern. Das schweißt zusammen. Wir haben also keinen Grund uns voreinander zu fürchten, gaiganz und gar nicht. Wir sind selbst verständlich. 

ppr

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Forchheim