So läuft die Wald-Inventur um Forchheim ab

20.5.2021, 14:58 Uhr
Wie hoch ist der Baum? Mit einem Ultraschall-Messgerät kann Ludwig Arnold genau die Höhe eines Baumes bis hinauf ins Kronendach bestimmen.

Wie hoch ist der Baum? Mit einem Ultraschall-Messgerät kann Ludwig Arnold genau die Höhe eines Baumes bis hinauf ins Kronendach bestimmen. © Foto: Udo Güldner

Welche Bäume finden sich im Forstgebiet? Wie gesund sind die Nadel- und Laubhölzer? Wie groß sind die Holzvorräte? Wie sieht es mit der Verjüngung des Waldes aus? Das sind nur einige Fragen, auf die die Bayerischen Staatsforsten Antworten suchen.

Auch im Forstbetrieb Forchheim. Die NN haben Inventurleiter und Waldarbeiter Ludwig Arnold begleitet, der derzeit im Bereich Mäusgraben am Auerberg eine Inventur durchführt.

Klimatischer Stress setzt den Bäumen zu

Mit einer Kluppe misst Arnold den Umfang der Buche. Der überdimensionale Messschieber zeigt: Vier Zentimeter hat das Lebewesen seit seinem letzten Besuch vor zehn Jahren zugelegt. "Das ist nicht gerade viel." Der klimatische Stress hat den Bäumen zugesetzt. Mitunter bilden sich gar keine Jahresringe aus.

Mit einer Messkluppe, ein überdimensionaler Messschieber, misst Ludwig Arnold den Umfang dieser stattlichen Buche.

Mit einer Messkluppe, ein überdimensionaler Messschieber, misst Ludwig Arnold den Umfang dieser stattlichen Buche. © Foto: Udo Güldner

Drei trockene Jahre in Folge haben besonders den Fichten und Kiefern heftig zugesetzt. Da hatten die Käfer und Stürme leichtes Spiel mit den angeschlagenen Bäumen. Hinzu kam der Einschlag, bei dem zahllose Festmeter "entnommen" wurden. So heißt es, wenn die Säge angesetzt wird.

Was für die Praktiker vor Ort das Bauchgefühl ist, ist für die Fachleute die Statistik. Beides weist in dieselbe Richtung. "Am Auerberg sind wir auf dem richtigen Weg zu einem stabilen Aufbau, der hoffentlich die nächsten 150 bis 200 Jahre standhält." Der Plan sei es, dass einzelne Bäume stürben, aber nicht der ganze Wald.

Früher: Mit Kompass und Schrittzähler aufspüren

Früher musste Arnold mühsam mit Kompass und Schrittzähler die kleinen kreisrunden Magnete finden, die Spaten tief im Boden versteckt sind. Bei mehr als 4000 dieser Messpunkte alleine im Staatswald in und um Forchheim eine Herkulesaufgabe. Heute hilft moderne Technik wie die GPS-Navigation oder ein Magnetsuchgerät dabei, die Inventurpunkte schneller zu finden.

"Wenn nicht Baggerarbeiten oder Sondengänger den einen oder anderen haben verschwinden lassen", so Forstbetriebsleiter Stephan Keilholz. Was aber äußerst selten sei. Nur eine Stunde pro Messpunkt braucht es noch. Dennoch kostet das ganze Vorhaben alleine im Forstbetrieb Forchheim rund 250 000 Euro. Immerhin sind da 17 000 Hektar Fläche zu untersuchen. Dafür erfährt Keilholz aber etwas über den Zustand, die Schäden und Potenziale. "Ohne die Inventur wäre es ein Stochern im Nebel."

Jeden Baum im Umkreis von zwölf Metern erfassen

Von dem Messpunkt aus erfasst Arnold im Umkreis von zwölf Metern jeden Baum. "Dabei hilft mir meine Erfahrung aus 25 Jahren." Mit einem Ultraschall-Messgerät kann er die Höhe bis zum Kronendach bestimmen. "Eine der Buchen ist um knapp zwei Meter gewachsen." Er registriert auch die gefällten Exemplare. Selbst die kleinen Nachwuchs-Bäumchen mit mehr als 20 Zentimetern Höhe werden gezählt. Sie sind der künftige Forst und haben von den Licht reichen Lücken profitiert, die durch die verschwundenen Fichten entstanden sind.

Rund 4000 der kreisrunden Magnete dienen als Messpunkte im Reuther Wald.

Rund 4000 der kreisrunden Magnete dienen als Messpunkte im Reuther Wald. © Foto: Udo Güldner

"Allein am Auerberg ist ihre Fläche von 119 auf 137 Hektar angewachsen." Um die Hainbuchen-, Eichen- und Ahornpflänzchen vor dem Appetit des Schalenwildes zu schützen, plädiert Revierleiter Peter Grumann für mehr Abschüsse. "Kein Mensch kann die ganzen Flächen einzäunen. Nicht einmal der Wolf kann es erfressen." Zumal die Rehe ausgerechnet Eichen und Tannen besonders gerne mögen, die in den Staatsforsten vermehrt angesiedelt werden sollen.

Biotop-Baum schützen

Zwischen all den gesunden Stämmen steht auch der eine oder andere Biotop-Baum. Eine wellenförmige Markierung zeigt an, dass er nicht gefällt werden soll. An ihm haben sich Pilze angesiedelt, in ihm wohnen Spechte. Daneben liegt ein bereits umgefallener Stamm. Das Totholz hat nicht nur den Vorteil, dass es durch Verrottung natürlichen Humus bildet. Es hilft auch dabei, mehr Feuchtigkeit im Boden zu behalten.

Noch bis Mitte Oktober werden Arnold, der aus dem Hessenreuther Wald in der Oberpfalz stammt, und seine vier Kollegen durch die Wälder streifen. Im Winter dann werden die Daten ausgewertet. Seine Mitarbeiter sind da längst wieder in ihren Forstgebieten Burglengenfeld und Schnaittenbach, um dort den Winter zur Holzernte zu nutzen.

Bilanz im nächsten Frühjahr erwartet

Im Frühjahr kann Arnolds Chef, Alexander Schnell von der Forsteinrichtung in Bayreuth, dann Bilanz ziehen. "Wir ermitteln, welche Konsequenzen im kommenden Jahrzehnt gezogen werden müssen". Das betrifft etwa den Waldumbau, der bereits in vollem Gange ist. Weg von den Monokulturen und Nadelhölzern, hin zu mehr Vielfalt mit mindestens vier, besser noch mehr Baumsorten.

Es betrifft aber auch die Frage, wie viel Holz man nachhaltig entnehmen kann, so dass die Bäume insgesamt mehr und nicht weniger werden. Im nächsten Jahr ist Arnold dann an anderer Stelle unterwegs. In seinem nordostbayerischen Gebiet zwischen Coburg, Selb, Roding und Gunzenhausen ist immer etwas zu messen.

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