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So steht es um die Kinderbetreuung in den Sommerferien in Forchheim

Kinderschutzbund rang mit sich und fürchtet das Defizit - 16.07.2020 11:13 Uhr

Dieses Archivbild zeigt Kinder während einer Ferienbetreuung vor vier Jahren, als sie in der Trubbach das heimische Gewässer erkundeten.

© Archivfoto: Udo Güldner


Ein außergewöhnliches Schuljahr endet nächsten Freitag. Doch auch die Ferien werden nicht für alle Familien so ablaufen wie sonst. Manche Mutter, mancher Vater musste wegen der Schul- und Kita-Schließungen einen großen Teil seines Jahresurlaubs bereits in Anspruch nehmen. Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (FW) versprach, zusätzliche Ferienangebote für Kinder der ersten bis sechsten Klassen zu schaffen. Eilig wurde der Bedarf abgefragt, ein Sonderprogramm aufgelegt sowie der Bayerische Jugendring und andere Träger damit beauftragt, zusätzliche Angebote für die betroffenen Familien zu schaffen.

In Forchheim führte das zu einem Dilemma, hatte doch der Kinderschutzbund, der die Ferienbetreuung für Grundschulkinder organisiert, kurz zuvor sein diesjähriges Angebot abgesagt. Zwei Gründe seien dafür ausschlaggebend gewesen, berichtet die Kreisvorsitzende Elisabeth Hümmer: "Zum einen wurde die Betreuung in den Oster- und Pfingstferien über die Schulen organisiert und wir sind zu einem gewissen Teil davon ausgegangen, dass das auch in den Sommerferien so sein könnte." Zum anderen sei es wegen der Hygienekonzepte bislang noch nicht einmal möglich, Kinder aus verschiedenen Klassen ein und derselben Schule zusammen zu bringen: "Unsere Ferienbetreuung ist aber schulübergreifend."

Außerdem: "Die Sommerferien planen wir im Mai und Juni. Wir mussten eine Entscheidung treffen." Die Ferienbetreuung wurde abgesagt. Doch dabei blieb es nicht. Denn nach der Bedarfsabfrage in den Schulen war klar, dass ein Teil der Eltern eine Betreuung benötigt. "Kurzfristig und nach schwerem Ringen haben wir uns nun entschieden, die Ferien doch abzudecken", erklärt Hümmer.

Nur mit Ehrenamtlichen lässt sich das Angebot stemmen

Schwer gewesen sei es nicht nur, weil das bewährte Personal sich nach der Absage zum Teil anderweitig orientiert hatte, sondern vor allem auch aus finanziellen Gründen: "In den Förderrichtlinien des Ministeriums steht, dass die Träger, die zuvor schon abgesagt haben, nun keine Fördermittel aus dem Sonderprogramm mehr erhalten." Da die Ferienbetreuung schon bisher defizitär gewesen sei, verschlimmere das nun die finanzielle Situation des Vereins, der zum großen Teil aus dem Ehrenamt heraus gestemmt werde. Die Kreischefin hofft daher, dass sich weitere Ehrenamtliche finden, die unterstützen können. Nur so lasse sich das Engagement aufrecht erhalten.

Die Ferienbetreuung findet in der ersten bis dritten Ferienwoche sowie in der fünften und sechsten Woche jeweils in der Anna-Grundschule statt. Eine Lehramtsanwärterin, zwei bewährte Kräfte und eine Praktikantin kümmern sich von 7.30 bis 16 Uhr um die Kinder. Maximal können sie zwei Gruppen mit je zwölf Kindern betreuen. Zunächst nur diejenigen, deren Eltern laut Richtlinie tatsächlich Bedarf haben, weil sie keinen Urlaub nehmen können. Wenn Plätze frei sind, können auch andere Kinder kommen. Für die Planung sollen nochmals die Eltern angeschrieben werden, die schon Bedarf angemeldet hatten.

Ob die kurzfristig geschaffenen Plätze überhaupt ausgeschöpft werden, ist die Frage, die bislang keiner beantworten kann. Nach der ersten Umfrage sind bei Schulamtsleiterin Cordula Haderlein folgende Zahlen eingegangen. In der zweiten Ferienwoche (die erste wurde nicht mit abgefragt) haben 89 Eltern Bedarf angemeldet, in der dritten 70, in der vierten 52, in der fünften 72 und in der sechsten Woche 77. Diese Zahlen sind kreisweit auf alle 30 Grundschulen und die fünften und sechsten Klassen der weiterführenden Schulen bezogen. "Mir kommt das erstaunlich wenig vor", meint die Schulamtsleiterin.

Die Situation in den Gemeinden

In vielen Gemeinden bieten die Träger Betreuungen an, aber wegen der Hygieneauflagen mitunter mit weniger Kindern. In Ebermannstadt zum Beispiel ist die städtische Ferienbetreuung auf 15 Plätze reduziert worden. Diese seien bereits belegt, sagt Katharina Kurth-Lipfert vom Büro für Jugendarbeit. Eine große zusätzliche Nachfrage habe sie bis jetzt nicht feststellen können. In Eggolsheim wird die Ferienbetreuung über die Offene Ganztagsschule angeboten. Auch hier sei die Nachfrage ähnlich wie sonst. Das gilt ebenfalls für den städtischen Kinderhort Sattlertor in Forchheim, der in der ersten sowie in den beiden letzten Ferienwochen wieder eine Betreuung für dort angemeldete Kinder anbietet.

Ein zusätzliches Angebot hat außerdem der Kreisjugendring geschaffen. Schon vor der Ankündigung des Kultusministers hatten sich die Verantwortlichen mit Alternativen zum Sommerferienprogramm beschäftigt, erklärt Stefanie Schmitt, eine der beiden kommunalen Jugendpflegerinnen. Dieses verzichtet auf die traditionellen Zeltlager und hat dafür in den ersten drei Ferienwochen tägliche Angebote im Programm – von Bastelangeboten bis zu Ausflügen. All das findet täglich ab 7.30 Uhr in und um die Mensa des Herder-Gymnasiums statt. Pro Tag können 20 Kinder teilnehmen. Eine wochenweise Anmeldung ist nicht nötig, auch einzelne Tage können gebucht werden, so Stefanie Schmitt. Das taten schon einige, "wir haben aber auch noch Plätze frei".

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