Kein Annafest 2021

Sorge vor Annafest-Hotspots: Das plant Forchheim im Kellerwald

7.5.2021, 11:48 Uhr
Nur auf einen abgespeckten Kellerwaldbetrieb während der Annafesttage konnten sich die Stadträte am Donnerstagabend einigen. 

Nur auf einen abgespeckten Kellerwaldbetrieb während der Annafesttage konnten sich die Stadträte am Donnerstagabend einigen.  © PETER ROGGENTHIN, NN

"Mehr war nicht zu machen. Weniger wollte ich nicht akzeptieren." So fasst Kellerwald-Bürgermeister Udo Schönfelder (CSU) das zusammen, was nach Gesprächen mit Kellerwirten, Tourismuszentrale und der Polizei vom Annafest 2021, das nach 2020 auch dieses Jahr ausfällt, übrig bleibt: Drei Fahrgeschäfte für Kleinkinder und drei Buden, beispielsweise für Süßigkeiten. Das macht insgesamt sechs Attraktionen, die auf das Kellerwaldgelände verteilt werden. Das ist das Nicht-Annafest vom 23. Juli bis 2. August. Damit fällt das Fest insgesamt zum 20. Mal in seiner Geschichte aus, so Schönfelder. Mehrmals fiel es in der Vergangenheit in den Kriegsjahren aus und nun zum zweiten Mal infolge wegen der Corona-Pandemie.


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Seit dem Auftakt im Jahr 1840 haben wesentlich die zwei Weltkriege den Festbetrieb unterbrochen. Die Corona-Pandemie nun bisher zwei Mal. 2022 will die Stadt wieder ein typisches Annafest feiern.

Stehen werden die Attraktionen auf dem unteren Festplatz sowie auf der Riesenrad-Freifläche. Gegen Buden entlang der Straßen wie beispielsweise in der bekannten Lützelsberger Kurve hat sich die Forchheimer Polizei ausgesprochen. Die coronabedingten Abständen könnten nicht eingehalten werden, wenn sich Schlangen vor den Buden bildeten, so die Sorge. Und auch auf dem oberen Plateau rund um den Schützenkeller sieht Forchheims Polizeichef zu wenig Platz, um abstandskonform Buden oder Fahrgeschäfte aufstellen zu können.

Kein To-Go-Geschäft für die Kellerwirte oder Fahrgeschäfte für Jugendliche

Auf mehr Festcharakter für dieses Jahr konnten sich die Stadträte in der Kulturausschusssitzung am Donnerstagabend nicht einigen. Zwar dürfen die Kellerwirte ihre Speisen und Getränke anbieten und Gäste Platz nehmen, eine To-Go-Variante wird es aber nicht geben. Die Stadträte sorgten sich, dass dies zu unkontrollierbaren Situationen führen könnte, wenn sich die Besucher mit Getränken und Speisen in verschiedene Bereiche des Geländes zurückziehen. Das sei schwierig zu kontrollieren, so Manfred Hümmer (FW). Sein Berufskollege, Forchheims Polizeichef Jochen Prinzkosky, warnte vor einer schwer kontrollierbaren Situation und mehreren "Annafest-Hotspots", die niemand wollen könne.

Um das Infektionsrisiko zu minimieren, plant die Stadt mindestens eine Corona-Schnellteststation auf dem Gelände. Es soll bereits vor den eigentlichen Annafest-Tagen in Betrieb gehen, um einen regulären Kellerwaldbetrieb zu unterstützen. Wann es mit der Bierkellersaison losgehen kann, hängt von den Inzidenzwerten im Landkreis ab. Ab sieben Tagen in Folge bei einer Inzidenz unter 100 im Landkreis ist Außengastronomie zugelassen. Bleiben die Zahlen auch in den nächsten Tagen unter dieser Marke, könnte die Saison frühestens ab Freitag, 14. Mai, starten.


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"Absolut kontraproduktiv"

Aus Sicht der Polizei sollten die Fahrgeschäfte auch deshalb nur für Kinder sein, weil beispielsweise Autoscooter zum Verweilen einlade und sich zu einem Treffpunkt entwickeln würde. "Das ist aktuell absolut kontraproduktiv", sagte Prinzkosky. "Ziel ist es, den regulären Kellerbetrieb wieder aufzunehmen", so Hümmer. Selbst die sechs geplanten Attraktionen gingen schon über einen normalen Dorfkirchweih-Betrieb hinaus, warf er ein. Prinzkosky sprach davon, dass es ihm "ohne Zusatzangebote lieber gewesen wäre".

Eine klare Absage aus Sicherheitsaspekten erteilte der Polizeichef auch dem Wunsch nach Musik auf dem Kellerwaldgelände während der Annafest-Tage. Schnell könne eine Feststimmung entstehen. Vor ein paar Tagen hatte Bürgermeister Schönfelder noch die Hoffnung geäußert, dass vereinzelt Musik erklingen könnte.

Auch Frank Streit (CSU) bat darum, zumindest unplugged Musik zuzulassen. "Es geht nicht darum, dass Annafest-Feeling aufkommt, sondern das das Flair untermalt wird", sagte er und verwies auf die stark steigende Zahl an Impfungen, die bis Sommer einen solchen Musikbetrieb ermöglichen könnten. "Ein guter Musiker wird es immer schaffen, die Leute auf seine Seite zu ziehen. Dann haben wir ruck zuck Halli Galli. Und wir müssen für Abstand sorgen. Das wird uns nicht gelingen", machte der Polizeichef deutlich.

"Dann ist keiner mehr froh"

Auch deshalb stimmten die Stadträte, wenn auch viele "schweren Herzens", wie sie betonten, neben dem To-Go-Geschäft auch gegen Musik. Außerdem will die Stadt partout einen Veranstaltungs-Charakter vermeiden. Mit Musik und mehr Attraktionen würde der Betrieb auf dem Gelände aber danach aussehen, warnte Schönfelder, die Polizei und das zuständige Landratsamt. Eine offizielle Veranstaltung wäre unter Coronagesichtspunkten möglicherweise nicht zulässig und würde/müsste vom zuständigen Landratsamt abgesagt werden. Forchheim will mit dem Betrieb zur Annafestzeit deshalb auch nicht die Massen anlocken, sondern gezielt den Familien ein Angebot in der veranstaltungsarmen Coronazeit ermöglichen. Beworben werden die Nicht-Annafest-Tage deshalb nicht.

Abgesagtes Oktoberfest in München, Volksfest in Nürnberg: "Wenn einer nur ansatzweise auf den Gedanken kommt, dass in Forchheim das einzige Bierfest in Bayern stattfindet, rennen uns die Leute den Berg hoch", sagte Prinzkosky in der Sitzung. "Dann ist keiner mehr froh."