Geförderter Wohnraum

Sozialwohnungen in Forchheim: Selbst Gutverdiener kommen dafür in Frage

Datum: 20.12.2019, Abrechnung: Pauschale Motiv: Philipp Rothenbacher, Portrait, Porträt, Mitarbeiterportrait, NN-Redakteur, Verlag Nürnberger Presse, VNP
Philipp Peter Rothenbacher

Nordbayerische Nachrichten Forchheim-Ebermannstadt

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17.9.2021, 05:29 Uhr
Spatenstich mit Alexander Dworschak (links): In der Bammersdorfer Straße 45-47 und in der Paul-Keller-Straße 12-16 entstehen derzeit neue Wohnungen - auch geförderte.

Spatenstich mit Alexander Dworschak (links): In der Bammersdorfer Straße 45-47 und in der Paul-Keller-Straße 12-16 entstehen derzeit neue Wohnungen - auch geförderte. © Berny Meyer

Dabei machte Dworschak den Stadträten vor allem eines deutlich: Sozialwohnungen sind, egal ob in Forchheim oder im ganzen Freistaat, längst kein Hilfsinstrument für ausschließlich arme Menschen mehr - im Gegenteil. "Geförderter Wohnraum zielt auf die Mitte der Gesellschaft", so der GWS-Chef. Rund 60 Prozent der bayerischen Gesamtbevölkerung hat wegen seiner Einkommensverhältnisse Anspruch auf eine Sozialwohnung, in Oberfranken sind es laut Dworschak sogar noch mehr.

Ein im Entstehen begriffenes Gutachten soll nun herausfinden: Wie viel geförderten Wohnungsbau braucht Forchheim eigentlich? "Eine äußerst schwierig zu beantwortende Frage, wie sich herausgestellt hat", so Dworschak angesichts der ersten Zwischenergebnisse der Untersuchung. Auch, weil es eine Statistik, wie viele Forchheimer Haushalte eine Wohnraumförderung in Anspruch nehmen, noch nicht gibt. Dworschak: "Wir überlegen derzeit, ob man das eruieren kann."

Klar ist aber: Es gibt nicht genug. Etwas über 500 Wohnungen (geförderte wie nichtgeförderte) hat die GWS in ihrem Gesamtbestand, die alle belegt sind - bei rund 50 Mieterwechseln im Jahr. Dem gegenüber steht, ob Sozialwohnung oder nicht, die Zahl der allgemeinen Wohnungsbewerbungen, die bei der GWS sowie der Wohnungsbau- und Verwaltungsgenossenschaft Forchheim (WVG) eingehen: Sie beläuft sich laut Dworschak auf derzeit knapp 600. Die meisten davon (253) suchen eine 1- bis 2-Zimmer-Wohnung, die wenigsten (128) eine 4-Zimmer-Wohnung. Wieso das so sei, wollte Ludwig Preusch (FW) wissen: "Hat das damit zu tun, dass Bauträger zunehmend dazu übergehen, nur noch kleine Wohnungen zu bauen, weil man damit mehr Erlös einnimmt und so der Bestand der 4-Zimmer-Wohnungen sinkt?"

Quelle: GWS Forchheim

Quelle: GWS Forchheim © NN Infografik

Ganz genau konnte diese Frage auch Dworschak nicht beantworten, aber: "Ja, man baut nicht so gerne 4-Zimmer-Wohnungen. Denn, wenn man die nicht losbekommt und sie auf dem freien Markt angeboten werden, muss der Mieter für 100 Quadratmeter in Forchheim etwa 1000 Euro Kaltmiete auf den Tisch legen. Das ist viel Geld," so der GWS-Geschäftsführer. Es würden daher (auch mit Blick auf den demografischen Wandel) generell eher kleinere Wohnungen gebaut. Festzustellen sei: "Es sind die untersten Einkommensschichten, die sich schwer tun, eine entsprechend große Wohnung zu finden."

Wie hoch ist der Anteil der berechtigten Haushalte, die ob des Einkommens Anspruch auf eine Sozialwohnung haben, ist das eine Randgruppe oder sind das mehr, wollte man wissen. Hier präsentierte Dworschak interessante Zahlen (siehe Grafik). Demnach hätten die Hälfte der Single-Haushalte sowie rund 80 Prozent der 3-Personen-Haushalte in Forchheim Anspruch auf eine geförderte Wohnung - bei vier Personen und mehr sind es sogar knapp 85,5 Prozent.

Wie Berechtigte von gefördertem Wohnraum profitieren, erläuterte Dworschak anhand dreier fiktiver Familien (je zwei Erwachse und ein Kind) mit unterschiedlichem Nettoeinkommen: Demnach müsste eine 3-köpfige Familie, der monatlich 1800 Euro zur Verfügung stehen, für 75 Quadratmeter auf dem freien Markt 825 Euro für die Miete berappen - 45 Prozent des Einkommens also. Durch die Förderung wiederum erhält sie rund 300 Euro als Monatszuschuss, zahlt also "nur" 525 Euro Miete (29 Prozent des Einkommens). Bei einem Einkommen von Netto etwas über 2600 Euro werden 225 Euro (oder 22,8 Prozent) gefördert.

Zusammenfassend dankte SPD-Rätin Anita Kern Dworschak für seine anschaulichen Daten. "Ich denke", so Kern, "Sie haben mehr als deutlich gemacht, wie notwendig es ist, den sozialen Wohnungsbau als eine der wichtigsten Aufgaben in der Stadt zu sehen".

Übrigens: Die Zahl der sogenannten Wohnungsnotfälle (also Personen, die unmittelbar von Obdachlosigkeit bedroht oder betroffen sind) verharrt in Forchheim laut Dworschak seit vielen Jahren auf etwa gleichbleibendem Niveau: Um die 100 Fälle sind es auch 2021, die etwa in der Noteinrichtung im Eggolsheimer Weg oder in einer Wohnung aus dem Gesamtbestand der GWS behelfsmäßig unterkommen.

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