Samstag, 21.09.2019

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Stempfermühlquelle: Ein Joker gegen Klimawandel?

1000 Liter pro Sekunde suchen in Nordbayern ihresgleichen - 20.08.2019 08:01 Uhr

An der Stempfermühlquelle schütten drei Quellen in bester Trinkwasserqualität. Sie nicht zu nutzen, sei, so der Experte, eine Nachlässigkeit in diesen trockenen Tagen. © Foto: Thomas Weichert


Großen Anklang fand die geologische Wanderung von der Fellner Doline bis zur Stempfermühlquelle, die Hobbygeologe und Höhlenforscher Ferdinand Haselmeier leitete und die sich auch Robert Klupp, der frühere Chef der Fischereiaufsicht des Bezirks Oberfranken nicht entgehen ließ.

Bis 1992 wurde Gößweinstein aus der Stempfermühlquelle mit Trinkwasser versorgt. So ist es auf einer der Erklärtafeln an der Quellschüttung zu lesen. Die Versorgung musste eingestellt werden wegen eines nicht ausweisbaren Wasserschutzgebietes. Direkt über der Quelle liegt Gößweinstein.

Ferdinand Haselmeier, der damals Bauamtsleiter im Gößweinsteiner Rathaus war, erinnert an den Wassernotstand im Frühjahr 1983. Damals seien deutliche Eintrübungen in der Quelle festgestellt worden, man durfte kein Trinkwasser mehr entnehmen. Gößweinstein wurde über große externe Tankwasserbehälter notversorgt; nachdem die Trübung nachgelassen hatte, konnte das Wasser wieder freigegeben werden.

Druck aus der Behörde

Dies sei der Anfang vom Ende für die Eigenversorgung von Gößweinstein gewesen, denn das Landratsamt Forchheim machte Druck auf die Kommune, so dass 1989 im Marktgemeinderat der Anschluss an den Zweckverband der Wasserversorgung der Wiesentgruppe kam, die ihr Trinkwasser aus der Sachsenmühlquelle bezieht, die laut Haselmeier eine wesentlich geringere Schüttung hat.

Ursache für die Verunreinigung und Eintrübung des Wassers der Stempfermühlquelle war damals vermutlich verschmutztes und verunreinigtes Oberflächenwasser aus einem im näheren Einzugsbereich der Quelle liegenden Grundstücks innerhalb von Gößweinstein, das durch die Schneeschmelze ungefiltert in den Karstuntergrund gelangte.

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"Die eigenständige Wasserversorgung der Gößweinsteiner war dem Wasserwirtschaftsamt Bamberg aber schon länger ein Dorn im Auge", so Haselmeier. Schon lange vor dem Vorfall 1983 hätte die Behörde zum Anschluss an die Wiesentgruppe gedrängt. Es sei in der Tat ungünstig gewesen, dass sich der Ortsteil Gößweinstein im unmittelbaren Bereich der Quelle befindet und ein Schutz vor Verunreinigung nicht garantiert werden konnte. Letztendlich blieb dem Gemeinderat nichts anderes übrig, als sich dem Druck zu beugen und an die Sachsenmühlquelle des Zweckverbandes der Wiesentgruppe anzuschließen.

"Die Sachsenmühlquelle ist zwar im Gegensatz zur Stempfermühlquelle formal durch die Ausweisung eines Wasserschutzgebietes geschützt, aber trotzdem auf eine Transportchlorung angewiesen", so Haselmeier. Allerdings widerspricht Wiesentgruppenchef Hanngörg Zimmermann: "Seit Einführung der UV-Anlage wurde das Trinkwasser der Wiesentgruppe nicht mehr gechlort. Das muss es auch in Zukunft nicht", betont der Bürgermeister.

Schwer belastetes Gebiet

"Gerade das Einzugsgebiet der Sachsenmühlquelle ist geprägt durch landwirtschaftliche Nutzung. Dadurch ist es mit dem krebserregenden Desethylatrazin belastet, einem Abbauprodukt von Atrazin, mit einer Abbauzeit von 50 Jahren", warnte der Wasserfachmann Haselmeier. Dies sei jedoch für die Wiesentgruppe kein Thema mehr, nachdem die neue Filteranlage im Jahr 2007 in Betrieb ging, erklärt dazu Zimmermann. "Damals wurden drei Filtersysteme eingebaut, darunter auch eine Aktivkohlefilteranlage, die Pflanzenschutzmittel bis zu einem fast nicht mehr nachweisbaren Bereich herausfiltert", so Zimmermann. Außerdem leiste die Wiesentgruppe Ausgleichszahlungen an die Landwirte, damit diese in Zukunft keine wasserschädigenden Pflanzenschutzmittel mehr einsetzen.

Theoretisch wäre es laut Zimmermann möglich, die Stempfermühlquelle mit einer Verbindungsleitung an die Filteranlage der Wiesentgruppe anzuschließen. Doch hier komme wieder die Sache mit dem Wasserschutzgebiet für die Stempfermühlquelle ins Spiel. Gößweinstein liege komplett in diesem Wasserschutzgebiet. Eine Unmöglichkeit.

Haselmeier schlägt trotzdem vor, zu prüfen, ob außerhalb des Ortes Gößweinstein nicht eine Wasserentnahme aus der Stempfermühlquelle möglich wäre. Die extrem starke Schüttung der Stempfermühlquelle lasse große Wasservorkommen nach Süden hin bis in die Veldensteiner Mulde vermuten.

Regelmäßige Wasserentnahme

Es sollte geprüft werden, ob nicht mit Mitteln der Technik Verunreinigungen der Quelle ausgeschlossen werden können. Bekanntlich gibt es mehrere Ortsbürger aus Gößweinstein, die ihr Trinkwasser aus der Stempfermühlquelle entnehmen und keine gesundheitlichen Schäden erlitten haben.

"Die gute Qualität des Wassers ist unbestritten", so Haselmeier. Es sei nicht nachvollziehbar, dass man glaubt, in der sich abzeichnenden Wasserknappheit auf eine der stärksten Quellen in Nordbayern verzichten zu können. 

THOMAS WEICHERT

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