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Stillstand im Sport: Finanzielle Sorgen auch in Forchheim

Tennis-Arena und AC Bavaria beschäftigen sich mit Soforthilfen - 20.03.2020 08:57 Uhr

Seit Dienstag hat die Forchheimer Tennis-Arena an der Käsröthe geschlossen. Der Betreiber hat Sorgen.


Als am Montagabend die letzten unverwüstlichen Stammgäste ihre Doppel beendet hatten, drehte Harald Payrleitner Heizung und Licht wie üblich ab. Doch diesmal spürte der seit zwei Jahrzehnten für sein sonniges Gemüt bekannte Tennislehrer in der Stille eine starke Portion Wehmut, schließlich werden hier, in seinem Büro und Wohnzimmer, auch in nächster Zeit keine Filzbälle mehr fliegen.

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"Das tut schon weh, da brauchst erst Mal ein Bier", sagt Payrleitner zur behördlich angeordneten Schließung der Forchheimer Tennis-Arena. Nachdem in den vergangenen Tagen immer mehr Fragen auf den Geschäftsführer eingeprasselt sind, will Payrleitner "erst einmal das eigene Hirn sortieren". Über das Wochenende hatte er unter verschärften Hygieneregeln zumindest die privaten Trainerstunden durchgezogen, "in erster Linie den Eltern zuliebe, deren Kinder gerade Auslauf brauchen können", nun geht um harte Zahlen und juristische Fragestellungen. Was bedeutet der um drei Wochen verkürzte Winterbetrieb in der Traglufthalle, an der seit Gründung 2009 auch die Abteilungen der SpVgg Jahn und des TC Forchheim beteiligt sind?

"Dann brauchen wir nicht mehr aufzusperren"

Wirtschaftlich betrachtet, erklärt Payrleitner, sei der Unterhalt ohnehin schon auf Kante genäht. Um Verluste einzugrenzen, müsste eigentlich direkt mit dem Abbau begonnen werden. Jeder weitere Tag, an dem das Gebläse für Innendruck und Stabilität der 75 Meter langen Konstruktion sorgen muss, treibt nur die Stromrechnung in die Höhe. Allein die Notwendigkeit, genug Helfer zusammenzutrommeln und so theoretisch einer Ansteckungsgefahr auszusetzen, hält Payrleitner im Moment ab. "Ich habe ja grundsätzlich Verständnis für die Maßnahmen gegen den Virus", betont der gebürtige Österreicher, "aber man ärgert sich schon über die Inkonsequenz, einen Frisörsalon offen halten zu dürfen".

Träumte Payrleitner noch vor kurzem von der Finanzierung einer Anlage für Padel-Tennis am künftigen Jahn-Standort im Stadtnorden, freut er sich heute über die Solidarität einiger Kunden, die vorausbezahlten Gebühren nicht zurückverlangen. Massenhafte Forderungen, so Payrleitner knapp, könnten nicht bedient werden. "Dann brauchen wir nicht mehr aufzusperren." Von den Reaktionen der Spielenden hängt also ab, ob die versprochene Soforthilfe für Unternehmen und Selbstständige ein Thema für die Tennisschule wird. "Ich würde da anderen in dringenderer Not gerne den Vortritt lassen", konstatiert Payrleitner, der in der nächsten Woche ein kostenloses Livestream-Format mit diversen Fitness- und Trockenübungen starten möchte.

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Mit gemischten Gefühlen, zwischen seriöser Ernsthaftigkeit und Entspannung, beäugt derweil der AC Bavaria Forchheim die Lage. Der größte Sportverein im Landkreis habe sich bereits über die Hilfsmittel beim BLSV erkundigt, bestätigt der geschäftsführende Vorsitzende Jörg Wiemann, aber hält sich mit konkreten Schritten noch zurück. "Wir haben gut gewirtschaftet und sehen uns akut nicht in Zugzwang." Fr das in eine gemeinnützige GmbH ausgegliederte Fitness-Studio mit einem knappen Dutzend – nicht abhängig beschäftigten – Übungsleitern könnte Kurzarbeit angemeldet werden. Wiemann räumt ein, dass Einnahmen durch Abschlüsse von Neumitgliedschaften fehlen werden, setzt allerdings bei Zeitverträgen auf unbürokratische Verlängerung. Überdies erspare sich der AC Bavaria erhebliche Kosten für Reinigung und Energie im vierstelligen Bereich pro Monat. Nennenswerte Investitionen wie die Errichtung einer Außenanlage sind hingegen längst abgeschrieben und sollen sich nach Bewältigung der Krise umso mehr auszahlen.

Die Hoffnung, mit einem blauen Auge davonkommen, besteht auch beim GC Fränkische Schweiz, der seine Golfanlage in Kanndorf ebenfalls komplett schließen musste – kurz vor dem Saisonbeginn im April. Das Sekretariat und die vier angestellten Platzpfleger gehen weiter ihren Tätigkeiten nach, allzu aufwendige Arbeiten werden selbstredend verschoben. "Die Tragweite ist noch überschaubar. Es kann dir ja sonst auch passieren, dass bei Regen zwei Monate gar nichts geht", sagt GC-Vizepräsident Dietrich Oberg. Noch am ehesten zu verschmerzen wäre dazu eine geringere Zahl vereinsfremder Gäste oder die Absage mancher Wettkämpfe, die Beiträge der eigenen Mitglieder sind bereits für das Jahr 2020 auf dem Konto. Nur bei einer längeren Auszeit müssten unangenehme Entscheidungen getroffen werden.

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